BIZZ Exklusiv
22.12.2015

Dossier Gasmarkt: Sichere Geschäfte

fotos: EWE

Iran, USA, Ägypten und Australien: Alle drängen auf den Gasmarkt. Der globale Handel wird liquider denn je. Gleichzeitig sinkt der Verbrauch in Europa. Das sichert die Versorgung – trotz Ukraine-Krise.

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Gedränge vor dem Ballsaal des Hotel Adlon. Hinter den Türen sitzen Mitglieder einer Energie-Delegation aus dem Iran. Davor stehen Geschäftsleute aus ganz Europa Schlange. Sie brennen geradezu auf die vorab zugesagten Vier-Augen-Gespräche. „Auf diesen Tag haben wir lange gewartet“, sagt ein Gashändler aus den Niederlanden. „Endlich kann man wieder Geschäfte mit dem Iran machen, ohne Angst vor drakonischen Strafen.“ 

Um die höchsten Summen geht es an diesem sonnigen Oktober-Herbsttag in Hotelzimmer 331. Dort sitzt Roknoddin Javadi, Chef der staatlichen Öl-und Gasgesellschaft des Iran. Javadi ist auch Regierungsmitglied im Range eines Vizeministers und gilt in Energiefragen als der starke Mann Teherans. Er spricht über Irans steigende Gasexporte nach dem stufenweisen Abbau der westlichen Wirtschaftssanktionen, über neue Terminals für Liquefied Natural Gas (LNG), und er betont bei all dem das besondere Verhältnis zur Bundesrepublik. Die sei schon vor der islamischen Revolution unter Ayatollah Khomeini wichtigster strategischer Handelspartner seines Landes gewesen. Schließlich verspricht Javadi: „Wir rechnen künftig mit rund zehn Milliarden Dollar an jährlichem Auftragsvolumen für deutsche Firmen im Energiesektor unseres Landes“ (das Interview lesen Sie hier).

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Experten erwarten einen Gas-Boom aus dem Iran gen Westen

Wegen solcher Botschaften herrscht im Adlon vor dem Ballsaal Partylaune. Der Organisator des Events heißt Behrooz Abdolvand und hat gerade seinen sicheren Job als Forschungsdirektor an der FU Berlin an den Nagel gehängt, wo er zwölf Jahre lang den Bereich für Studien über die Kaspische Region leitete. Jetzt ist er selbstständiger Unternehmensberater für deutsch-iranische Energiebeziehungen. Abdolvand bezeichnet den Iran „als Game Changer im globalen Gasmarkt“. Das Land, in dem er selbst einst aufwuchs, werde im kommenden Jahrzehnt reichlich Pipelines und Flüssigas-Terminals für den Export nach Europa bauen. „Der Gasboom aus dem Iran gen Westen ist programmiert“, sagt Abdolvand.

Für Gaskunden ist das in diesen Wochen beileibe nicht die einzige gute Nachricht. Anfang Oktober meldeten zum Beispiel die Vereinigten Arabischen Emirate, dass die Förderung in dem zur Abu Dhabi National Oil Company gehörenden Shah-Gasfeld auf Hochtouren laufe und die maximale Produktion bereits erreicht sei. Im Sommer hatte Italiens Energiekonzern Eni 190 Kilometer vor der ägyptischen Küste das größte jemals im Mittelmeer entdeckte Erdgasfeld ausfindig gemacht. In dem 100 Quadratkilometer großen und 1.450 Meter tiefen Gebiet lagern nach Konzernangaben bis zu 850 Milliarden Kubikmeter Gas. Und Russlands Staatsmonopolist Gazprom will seine Ostsee-Pipeline Nord Stream ausbauen und hat gerade mit mehreren westeuropäischen Firmen eine entsprechende Aktionärsvereinbarung unterzeichnet.

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Keywords:
Gas | Ukraine | Iran | LNG | Gasmarkt | Litauen
Ressorts:
Finance | Markets

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