Mobilität
02.03.2018

Drohende Fahrverbote: Lobbyisten trommeln für Erdgas

Foto: iStock
Erdgas im Tank, statt Diesel oder Benzin - eine Lösung angesichts drohender Fahrverbote?

Nicht nur E-Autos, sondern auch Erdgasfahrzeuge verursachen weniger Emissionen als Diesel. Angesichts drohender Fahrverbote sieht die Gas-Branche ihre Zeit gekommen. Verbraucher könnten allerdings auch auf ganz andere Pferde setzen.

Das Leipziger Urteil zu den Diesel-Fahrverboten nehmen vor allem Gas-Lobbyisten zum Anlass, ihren Kraftstoff zu bewerben: So betont der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG), das Autogas gerade für Vielfahrer eine günstige Alternative sei. Noch bis einschließlich 2022 gebe es ein Steuervorteil. 2017 lag der Preis für Autogas im Schnitt bei rund 57 Cent pro Liter. Gas-Pkw stoßen unter realen Fahrbedingungen bis zu 51mal weniger Stickoxid aus als Diesel-Pkw und bis zu 99 Prozent weniger Feinstaub als Benziner. „Die Bundesregierung sollte angesichts dieser Vorteile nicht ausschließlich auf die Elektromobilität setzen, die auf absehbare Zeit nicht breitenwirksam beim Verbraucher ankommen wird“, sagt DVFG-Vorsitzender Rainer Scharr. Er verlangt Kauf- oder Umrüstungsprämien für Autogas-Fahrzeuge.

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Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, stößt ins selbe Horn: „Dass jetzt das Bundesverwaltungsgericht über Diesel-Fahrverbote entscheiden musste, ist das letzte Glied einer langen Kette aus Politikversagen und Fehlanreizen. Es gibt sehr gute Alternativen zum Diesel – die man zu lange ignoriert hat“ Mit Erdgas im Tank wäre das nicht passiert, meint der Lobbyist, der ebenfalls Kaufanreize für Erdgasautos und zudem die blaue Plakette für schadstoffarme Fahrzeuge fordert.

Auf hochkomprimiertes Erdgas, CNG, setzten auch Lobbyisten aus Bayern. Sie fordern nun von Kommunen, die sich konkret mit Fahrverboten auseinandersetzen, den Einsatz von Gasfahrzeugen zu prüfen: „Die Kommunen haben wirksame Maßnahmen noch unberücksichtigt gelassen – es ist Zeit, Alternativen wie CNG aktiv voran zu bringen“, sagt Juliane Gött, Vorsitzende des Landesinitiativkreis Erdgas Mobilität Bayern. Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, will mit einer Vielzahl von Maßnahmen die Verkehrswende einleiten. Dazu gehörten auch Elektroautos, die Verbesserung des ÖPNV und ein verändertes Mobilitätsverhalten. Doch besonders die Städte könnten durch die Beschaffung von CNG-Fahrzeugen für kommunale Flotten aus seiner Sicht schnell profitieren.

Oder doch ganz umsteigen?

Das KfZ-Gewerbe meldet derweil, dass der Diesel weiter im Sinkflug sei. Lediglich noch 32,5 Prozent der neu zugelassenen Pkw wurden im Februar mit Dieselantrieb ausgeliefert. Das entspricht einem Rückgang von 19,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen hingegen steigt: Laut Statistik des Kraftfahrtbundesamts lag die Zahl der neu zugelassenen Erdgasautos im vierten Quartal 2017 doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Dieser Wachstumstrend setzt sich im ersten Quartal 2018 fort. In Deutschland gibt es rund 900 Erdgastankstellen und etwa 100.000 Fahrzeuge, die den Kraftstoff nutzen.

Ob die Verbraucher jedoch massenweise auf E-Autos oder Erdgasfahrzeuge umschwenken, bleibt fraglich. Einer Umfrage im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick zufolge ist eine Mehrheit der Deutschen dazu bereit, bei künftigen Diesel-Fahrverboten auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Beliebteste Alternative seien für 38 Prozent der Verbraucher Bus und Bahn. Mehr als jeder Vierte gab an, er würde das Fahrrad nutzen. Nur etwa jeder Fünfte würde demnach ein Elektroauto bevorzugen.

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Carsten Kloth
Keywords:
Erdgas | Mobilität
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