Umfrage
10.08.2016

Drohender Energiewende-Frust in Ostdeutschland

Illustration: AEE
Die Anteile von Erneuerbaren an der Strompruduktion der einzelnen Bundesländer im Jahr 2016.

Zu teuer, zu ungerecht, zu kleinteilig organisiert: Die östlichen Bundesländer verzeichnen zwar die größten Anteile an Strom aus Erneuerbaren, doch die Akzeptanz der Energiewende schwindet.

Die ostdeutschen Bundesländer führen die Energiewende an: Sie produzieren prozentual am meisten Ökostrom. Eine neue Karte der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zeigt das im bundesweiten Vergleich deutlich. Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen erzeugen deutlich über die Hälfte ihres Stroms mit Erneuerbaren-Technologien, Sachsen-Anhalt rangiert mit fast 50 Prozent auf Platz drei.

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Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Universität Leipzig in Kooperation mit der Chemnitzer RWE-Tochter Envia M stellt nun allerdings eine schwindende Akzeptanz fest. Dazu befragten die Verantwortlichen telefonisch und schriftlich 1.650 Haushalte, 155 Kommunen und 45 energieintensive Unternehmen in Ostdeutschland nach ihrer Meinung zur Energiewende. Sie alle ließen laut der Umfrage einen Trend zur zunehmenden Frustrierung erkennen. Bei den Bürgern habe die Zustimmung gegenüber Vorjahres-Studien um nahezu zehn Prozent nachgelassen.

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Frust über Netzentgelte und Industrieausnahmen

„Seit Beginn der Energiewende beklagen die Ostdeutschen die hohen Kosten und die politische Uneinigkeit“, sagt Studienleiter Oliver Rottmann von Envia M. Zwar lägen die generellen Zustimmungsraten, die zwischen 70 Prozent bei den Kommunen und 64 Prozent unter den Bürgern rangieren, immer noch erfreulich hoch. Doch nach der Zufriedenheit mit der Umsetzung des gesellschaftlichen Projekts gefragt, erklärten sich der Studie zufolge zwischen 67 Prozent der Unternehmen und 65 Prozent der Bürger unglücklich mit der bisherigen Entwicklung.

Das Einvernehmen dieser beiden Gruppen ist dabei interessant. Denn gerade die Befreiung energieintensiver Industrie von der EEG-Umlage verärgert laut Rottmann die Bürger. Ebenso sind die im Osten höheren Netzentgelte ungeliebt. Zumindest für die großen Übertragungsnetze könnte im Herbst eine Entscheidung zur bundesweiten Angleichung der Entgelte fallen.

Die Kleinteiligkeit bei der Organisation der Energiewende wird Rottmann zufolge von den Befragten ebenfalls bemängelt. Die unterschiedlichen energiepolitischen Ziele der Länder, des Bundes und der EU stünden ihrer Meinung nach einer konsequenten und niemanden benachteiligenden Umsetzung der Ziele im Weg.

Tim Lüdtke
Keywords:
Ostdeutschland | Energiewende | Frust | Akzeptanz | Studie | AEE | Netzentgelte | EEG-Umlage
Ressorts:

Kommentare

Bei kaum einem Thema ist die Menge an Geschwätz, die der Bevölkerung zugemutet wird, höher, als bei der Energiewende. Fehlende Stromtrassen, kleinliches Gezänk unter den Bundesländern, stetig fallende Energiepreise an der Strombörse bei vertraglich zugesicherten Mindestpreisen für die Betreiber von Windparks, Biogas- und Solaranlagen etc. Durch das Wiederkäuen dieser Scheinargumente steigt deren Wahrheitsgehalt um kein Jota. Die Steuerzahler durften das Abenteuer Kernkraft in der Bundesrepublik bisher mit schlanken 300 Milliarden € subventionieren, die astronomischen Kosten für die Endlagerung des Atommülls noch nicht eingerechnet.

Mit einem Bruchteil dessen wäre eine bundesweite Energieversorgung über die Power-To-Gas-Technologie machbar. Allerdings würde durch dieses Konzept die konventionelle Stromproduktion überflüssig, denn es wäre dezentral ausgelegt und bestens geeignet als genossenschaftliches Modell. Riesige Kraftwerksblöcke und monströse Überlandleitungen wären plötzlich obsolet. Aber die Lobbyisten von EON, EnBW, RWE und Vattenfall leisten in Berlin vorzügliche Arbeit; und sie werden die Wende mit tatkräftiger Unterstützung von Gabriel & Co zu verhindern wissen. Denn beim Thema Energie geht es mitnichten um betriebswirtschaftliche Aspekte oder um Nachhaltigkeit, oder gar um zukunftsfähige Technik, sondern um die Verteidigung von Besitzständen und um die Sicherung lukrativer Jobs für Parlamentarier nach deren Karriere in der Politik.

Herr Grohmüller, Sie wollten sich wohl in dieses zugemutete Geschwätz direkt einbetten...
War bisdato ein (hoch angesetzter) Subventionswert für die Kernenergie von 200 Mrd. salonfähig, sind es bei Ihnen nun schon 300 Mrd. Warum nicht 800 Mrd, oder 3 Billionen?! Die Zahl scheint ohne Gewissen beliebig wählbar zu sein...
Was Sie dabei bestimmt nur aus Versehen vergessen haben, sind die 22 Mrd. Subventionen für die enerneuerbaren Energien PRO JAHR durch die EE-Umlage, garantiert für mindestens 20 Jahre. Wer des Rechnens mächtig ist...
Und dass dann alles wieder von vorne losgeht, weil auch Windräder oder Solaranlagen nach ingenieurmäßiger Beurteilung nicht länger funktionieren als andere maschinentechnische (Wind) oder hochtechnisierte (Solar) Anlagen, muss auch mal realisiert werden.
Der Wirkungsgrad von P-T-G liegt bei ca. 30%. Zur Vergleichmäßigung der unsteten erneuerbaren Erzeugung , die über eine durchschnittliche Verfügbarkeit von 25% gemessen an der nominalen Peak Leistung verfügt, müsste also der Badarf nicht nur 4-fach, sondern 11-fach (1 + 3/0,3) installiert werden. Diese Rechnung ist stark vereinfacht, bei Berechnung über die Standardabweichung und Forderung einer Versorgungssicherheit nahe 100% liegt der Faktor noch höher als 11. Sollte man als seriöser "Schwätzer" aber auch nicht unerwähnt lassen... Das klingt also gar nicht soooo billig (und spart für die leider ohnenhin notwendige Endlagerung darüber hinaus KEINEN EURO). Kein Fake, nur die die Realität, ganz ohne rosa Brille.

Das Positive an Power to Gas wäre sogar, dass das Übertragungsnetz nicht mehr notwendig wäre, da jeder seine eigene Brennstoffzelle haben könnte.

Es scheitert jedoch leider an den immensen Kosten:
Wärmeenergie aus Windstrom:
Um aus Windenergie ein Liter Öläquivalent (Benzin/Diesel) zu erzeugen benötigt man ca. 36000KJ, also zehn Kilowattstunden. Der Wirkungsgrad für Elektrolyse läge bei ca. 70%.
Somit kostet der Energieinhalt aus Offshore Wind von einem Liter Diesel ca. (0,15€*10) / 0,7 = 2,14€!!!

Speicherstrom aus Windstrom:
Eine Kilowattstunde Speicherstrom kostet dann ca. 0,15€/(0,7*0,65)= 0,32€. (Wirkungsgrad Elektrolyse=70% / Wirkungsgrad sehr gute Brennstoffzelle 65%). Somit läge der Preis ohne die Kosten des Transportnetzes etwa fünf bis zehnmal so hoch, wie von den Energieversorgern derzeit angeboten.

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