Luftfahrt
11.01.2019

Drohnen im Energiesektor: Firmen wollen außer Sichtweite fliegen

Foto: iStock
Eine Drohne fliegt eine Windkraftanlage zur Inspektion an. Das ist in Deutschland bisher nur gestattet, wenn der Drohnenbediener Sichtkontakt zu dem Fluggerät hält.

Energieversorger in den USA setzen zunehmend Drohnen ein. Der Trend geht zum Fliegen außer Sichtweite mithilfe von Bordkameras. In Deutschland tun sich Unternehmen wegen strenger Regulierung damit noch schwer.

Die Interessenvertreter der deutschen Drohnenbranche fordern es immer wieder: Unbemannte Fluggeräte sollen auch außer Sichtweite ihrer Bediener fliegen dürfen. Erst dann seien sie wirtschaftlich wirklich sinnvoll einsetzbar, beispielsweise für Inspektionsflüge entlang von Stromleitungen, heißt es beim Drohnenverband BVDZ. Solche Flüge sind in Deutschland aus Sicherheitsgründen bisher nur mit Ausnahmeregelung erlaubt.

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In den USA und Kanada dagegen steuern Unternehmen aus dem Energiesektor Drohnen bereits häufig im sogenannten BVLOS-Modus (beyond visual line of sight / außer Sichtweite). Das geht aus einer Studie hervor, die das Hamburger Marktforschungsunternehmen Drone Industry Insights und die US-amerikanische Interessengruppe Energy Drone Coalition im Dezember veröffentlicht haben. Demnach setzen 22 Prozent der befragten Unternehmen in Nordamerika Drohnen auf diese Weise ein. Weitere 30 Prozent haben es im Jahr 2019 vor.

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Die Bedingungen für das Fliegen außer Sichtweite sind aus Sicht des Drohnenverbands hierzulande deutlich schwieriger. Die strenge deutsche Regulierung sei für die Unternehmen ein Nachteil, sagt Florian König, Vorstand für Kommunikation und Finanzen des BVDZ, im Gespräch mit bizz energy: „Ausnahmegenehmigungen werden nur sehr selten erteilt. Das Feedback, das wir aus dem Markt bekommen zeigt, dass die Unternehmen hierbei nicht verlässlich planen können.“

Effizienz und Automatisierung

Nützlich ist der BVLOS-Flugmodus, wenn großflächige Energieinfrastrukturen wie etwa kilometerlange Strom- oder Gasleitungen überwacht werden sollen oder wenn die Fluggeräte mithilfe ihrer Sensoren selbstständig beispielsweise Windkraftanlagen inspizieren sollen. Das BVLOS-Fliegen erweitert den Aktionsradius des Drohnenbedieners und kann helfen, die Geräte effizienter und automatisiert einzusetzen.

Risiken durch unbemannte Flugobjekte drohen andererseits durch mögliche Abstürze auf bewohntes Gebiet, auf Verkehrswege oder durch Kollisionen mit Flugzeugen. Sicherheitsbehörden bereitet zunehmend auch die Gefahr von Drohnen in den Händen von Terroristen Sorge.

Für die Studie von Drone Industry Insights und Energy Drone Coalition wurden 214 Unternehmen aus den Sektoren Energieerzeugung und -versorgung, Öl- und Gastransport, Öl- und Gasförderung sowie -verarbeitung befragt, außerdem Unternehmen aus dem Bergbau. Rund zwei Drittel nutzen Drohnen, 18 Prozent planen es. Nur 14 Prozent haben nicht die Absicht, Drohnen zu verwenden.

„Steile Lernkurve“

Die Fluggeräte kommen in Nordamerika überwiegend bei der Inspektion und Instandhaltung von Energie-Infrastrukturen zum Einsatz (83 Prozent), beim Vermessen und Erstellung von Karten (66 Prozent) und bei der Überwachung von Projekten (61 Prozent). 15 Prozent nutzen Drohnen als Transportmittel.

Im Durchschnitt beschäftigen sich die Energieunternehmen seit knapp vier Jahren mit Drohnen. Die Studienautoren stellen eine „steile Lernkurve“ fest. „Die Energieindustrie steht erst am Anfang der Integration unbemannter Fluggeräte in ihre Geschäftsprozesse“, schreiben sie.

Lesen Sie auch: Drohnen-Boom – Energiebranche treibt Marktwachstum

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Drohnen | Windenergie | USA | Instandhaltung
Ressorts:
Markets

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