Die Warnungen von steigenden Strompreisen 2021 werden konkreter: Im Schnitt könnte sich die Kilowattstunde um 7 Prozent auf 32,2 Cent erhöhen, wenn der erwartete Anstieg der Ökostromumlage eintritt, errechnete das Vergleichsportal Verivox.

Nach der Denkfabrik Agora Energiewende sagen inzwischen auch der Energieversorger Eon und die IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) 2021 einen Rekordanstieg der EEG-Umlage voraus - von derzeit 6,8 auf etwa 8,6 Cent.

Wirtschaftsverbände forderten die Bundesregierung zum Handeln auf. "Wenn die Strompreise weiter ansteigen, könnte das eine schwere Bremse beim Weg aus der Krise sein", sagte der Vizegeschäftsführer des Industrieverbands BDI, Holger Lösch. Neben der EEG-Umlage sind auch Netzentgelte ein wichtiger Bestandteil des Strompreises - hier will der BDI ansetzen. Für Lösch würden von einer Senkung der Netzentgelte sowohl die meisten Unternehmen als auch Privatverbraucher gleichermaßen profitieren. Die Kohlekommission habe eine Senkung der Netzentgelte im Volumen von zwei Milliarden Euro pro Jahr vorgeschlagen. Eine Senkung der Stromsteuer auf den europäischen Mindestsatz - dies ist ebenfalls in der politischen Debatte - würde vor allem Privatverbrauchern zugute kommen.

Industrie hält Netzengelte und Stromsteuer für absenkbar

Netzkosten und EEG-Umlage seien absehbar die beiden größten Treiber der Stromkosten, sagte Lösch. "Daher ist es richtig, mit Entlastungen an diesen beiden Stellen anzusetzen. Gerade bei einer Steuerfinanzierung von Teilen des EEG muss allerdings sichergestellt sein, dass es keine beihilferechtliche Unsicherheit gibt."

Die Chefin des Energieverbandes BDEW, Kerstin Andreae, sagte, es sei höchste Zeit zu handeln, um einen drastischen Anstieg der Strompreise zu vermeiden. Andreae forderte eine spürbare Senkung der Steuer- und Abgabenlast, die in Deutschland mit mehr als 50 Prozent des Strompreises besonders hoch ausfalle. "Das ist nicht nur eine enorme Belastung für die Verbraucher, sondern behindert auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes und ist klimapolitisch kontraproduktiv."

Durch die Corona-Krise werde sich diese Schieflage noch verstärken. Die Vereinbarungen zur CO2-Bepreisung und der damit einhergehenden Entlastung der EEG-Umlage aus dem Klimaschutzprogramm müssten zügig umgesetzt werden. Außerdem gehe es darum, die EEG-Umlage dauerhaft zu senken. Die Stromsteuer müsse runter auf das europarechtliche Mindestmaß.

Streichung EEG-Umlage ist sozialer als Steuersenkung

Auch für Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat die drohende Strompreiserhöhung den Handlungsdruck erhöht. Es sei richtig und dringend, die EEG-Umlage deutlich abzusenken.

Er habe das schon länger in die Diskussion gebracht und zur Gegenfinanzierung einen CO2-Preis vorgeschlagen, sagte Untersteller. "Die Bundesregierung hat sich allerdings viel zu lange Zeit gelassen, um einzusehen, dass es klima- und energiepolitisch vernünftig ist, auf der einen Seite CO2-intensive Energieträger zu verteuern, auf der anderen Seite dafür erneuerbare Energien günstiger zu machen."

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis fordert, die EEG-Umlage mit dem Corona-Konjunkturpaket ganz abzuschaffen und die Kosten der Energiewende über den Bundeshaushalt zu finanzieren. "Nie war das notwendiger als heute", sagte Vassiliadis. Die Streichung der Umlage "hätte eine weitaus sozialere Wirkung als etwa eine Steuerentlastung".

Das EEG-Konto, auf das die Zahlungen der Stromkunden und die Einnahmen aus dem Verkauf des Ökostroms an der Börse fließen, hat sich deutlich geleert. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der das Konto zusammen mit den drei anderen Netzbetreibern verwaltet, musste sich deshalb einen Kredit in Höhe von 500 Millionen Euro sichern, um die Zahlungen leisten zu können.

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Steigende Strompreise könnten Verbrauchern und Industrie 2021 Einiges kosten (Foto: Istock)