Eigentlich hätte die EU-Kommission schon Ende 2019 eine Methan-Strategie verabschieden sollen. Heute, mit einem knappen Jahr Verspätung, legt sie die Richtlinie vor. Die EU belasse es bei Vorschlägen "für weniger Methan beim Import von Erdgas“ und bei freiwilligen Maßnahmen für die Industrie – das sei nicht ausreichend, meint die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Die EU solle nachbessern, konkrete Reduktionsmaßnahmen und Gesetzesvorschläge auf den Weg bringen, die eine Emissionsminderung zum Ziel haben.

In der Strategie, die der NGO schon vor ihrer Veröffentlichung vorlag, schlägt die EU-Kommission vor, der Industrie freiwillige Maßnahmen zur Methanreduktion schmackhaft zu machen. Außerdem betont sie, den Methanausstoß aller Sektoren, unter anderem im Import, genau ermitteln und reduzieren zu wollen.

Den sektorenübergreifenden Ansatz der EU-Strategie – Energie, Abfall und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen – begrüßt die DUH aber. Für den Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner ist die Methanstrategie grundsätzlich bereits ein Schritt in die richtige Richtung sei. In ihrer präsentierten Form würde sie jedoch nicht dem EU-Ziel Klimaneutralität 2050 entsprechen: "Es fehlen konkrete Vorschläge für Maßnahmen zur Reduzierung und Regulierung von Methan.“

Vor allem in der Landwirtschaft, die für über die Hälfte der EU-Methanemissionen ausmacht, gibt es aus Sicht der Umweltorganisation bewährte Methoden, beim Düngermanagement und Stallbau etwa, die das Treibhausgas zeitnah eindämmen könnten. "Die EU-Kommission muss hier dringend nachbessern und verbindliche Minderungsvorgaben sowie verpflichtend umzusetzende Maßnahmen vorschreiben“, so Müller-Kraenner weiter. Stattdessen setze die EU mit freiwilligen Maßnahmen von Industrie und Landwirtschaft auf das falsche Pferd.

DUH warnt: Methanemissionen steigen

Die Landwirtschaft verursacht mehr als die Hälfte der europäischen Methanemissionen, Hauptverantvortliche dafür ist die intensive Tierhaltung. Hinzu kommt fossiles Methan, dass bei Erdgasförderung, -verarbeitung und -transport freigesetzt wird. Die Umwelthilfe warnt: In den vergangenen Jahren seien die Methanemissionen sowohl in der Landwirtschaft als auch bei der Erdgasverarbeitung angestiegen. Problematisch ist dabei vor allem, dass in der EU-Bilanz - als weltweit größter Importeur von Erdgas - die Emissionen nicht auftauchen, die vor allem in den Fördernationen entstehen.

Auch Poppy Kalesi, Chefin des Global Energy Environmental Defense Funds, betont, dass die EU alle Emissionen, die bei der Öl- und Gasförderung anfallen, mit in die Bilanz aufnehmen solle. Müller-Kraenner ist selber Meinung, die Methan-Strategie blende Emissionen aus der Gasförderung in Drittländern vollständig aus, obwohl diese um ein Vielfaches höher seien als die Methan-Emissionen in der EU selbst. Zwar kündige die EU im Strategiepapier an, die genauen Methanquellen zu ermitteln, für Müller-Kraenner ist dies aber "keine Entschuldigung für das Unterlassen schneller Reduktionsmaßnahmen“.

Im Vergleich zum prominenteren CO2 ist Methan der Underdog unter den Treibhausgasen. Es ist das seltenere, aber deutlich potentere Gas. Über einen Zeitraum von 20 Jahren entspricht seine Klimawirkung dem 86-fachen von CO2. Methan ist das zweitwichtigste Treibhausgas und derzeit für ein Viertel der Erderwärmung verantwortlich. Zudem bildet es die Grundlage für bodennahes Ozon, das der menschlichen Gesundheit ebenso zusetzt wie dem Pflanzenwachstum.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentiert die Methanstrategie (Copyright: Etienne Ansotte
)