Flüssig-Erdgas
08.01.2018

Duisburg misst LNG-Emissionen im Hafenbetrieb

Foto: duisport/Frank Reinhold
Ein Greifstapler im Hafen Duisburg. Ein solches Fahrzeug wird für einen Testlauf auf LNG-Antrieb umgerüstet.

Wissenschaftler testen Flüssig-Erdgas als Treibstoff im Umschlagsgeschäft des Duisburger Hafens. Sie wollen herausfinden: Ist LNG so sauber, wie allgemein behauptet?

Zunächst werden die Forscher der Universität Duisburg-Essen einen sogenannten Greifstapler zum Verladen von Containern und einen Werkstraktor auf den Antrieb mit Liquified Natural Gas (LNG) umrüsten. Die Fahrzeuge erhalten dann Sensoren, die den Ausstoß von Schadstoffen messen sollen.

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„Wir wollen herausfinden: Können die Versprechungen von LNG wirklich eingehalten werden?“, sagt Arnim Spengler vom Lehrstuhl für Baubetrieb und Baumanagement, einer der Initiatoren des Projekts, im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Bisher lägen kaum valide Emissionsdaten zum Einsatz von LNG in Logistik-Fahrzeugen wie im Duisburger Hafen vor. Es gebe lediglich Hochrechnungen, so Spengler. Die Erprobung solle nun zeigen, ob LNG-Fahrzeuge die Emissionen eines Hafenbetriebs wirklich senken könnten. Zum Vergleich wird parallel der Schadstoffausstoß von Diesel-Fahrzeugen gemessen.

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Hoher CO2-Ausstoß im Hafen

 

Der Feinstaub- und Schwefeloxidausstoß bei der Verbrennung von LNG, also gekühltem und verflüssigtem Erdgas, ist nach Angaben der Erdgaswirtschaft um 100 Prozent geringer als bei Diesel-Kraftstoff, die Stickstoff-Emissionen sind um bis zu 90 Prozent geringer und der CO2-Ausstoß um 15 Prozent niedriger.

 

Im Duisburger Hafen, einem der größten CO2-Verursacher der Stadt, wollen die Wissenschaftler diese Werte ab Februar im realen Betrieb überprüfen. Auf dem Gelände wird eine LNG-Tankstelle eingerichtet, an der die Testfahrzeuge mit dem bisher wenig verbreiteten Treibstoff versorgt werden können. LNG ist in den USA und China als Kraftstoff in Tausenden von Lkw im Einsatz, in Europa bisher kaum. Ein Vorteil von LNG als Treibstoff sei seine höhere Energiedichte. „Lkws und Schiffe können damit länger fahren“, sagt Spengler.

 

735.000 Euro von der EU

 

Die EU fördert das gemeinsame Projekt der Duisburger Hafengesellschaft, des Energie- und Rohstoffhändlers RWE Supply & Trading und der Uni Duisburg-Essen mit 735.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

 

Ob LNG im Duisburger Hafen nach Abschluss des Projekts dauerhaft eine Rolle bekommt, ist nach Angaben der Hafengesellschaft noch offen. Langfristig sei nicht ausgeschlossen, dass in Duisburg auch Schiffe mit LNG betankt werden könnten, sagt Hafen-Sprecherin Viktoria Orosz.

 

LNG-Schiffe noch die Ausnahme

 

LNG gilt wegen seiner niedrigeren Emissionen als geeignet für den Seefracht- aber auch für den Binnenschiffsverkehr. Allerdings würde an einer LNG-Tankstelle für Schiffe selbst in Europas größtem Binnenhafen wenig Betrieb herrschen: Binnenschiffe mit LNG-Motoren sind noch die Ausnahme. Erst 2012 wurde in den Niederlanden die "Greenstream" in Dienst gestellt, der erste Binnentanker, der ausschließlich mit LNG fährt.

 

Lesen Sie auch: Tanker statt Pipelines: Wird auch Deutschland zum LNG-Markt?

Christian Schaudwet
Keywords:
LNG | Erdgas | Nutzfahrzeuge
Ressorts:
Technology | Markets

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