Der von hohen Prämien getriebene Boom neuer Elektroautos lässt den Wert gebrauchter E-Fahrzeuge absacken. Die Restwerte drei Jahre alter Stromer sind derzeit rund ein Zehntel niedriger als sie es noch vor Jahresfrist bei vergleichbaren Autos waren, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) zeigt. Zudem verlieren Elektroautos derzeit deutlich schneller an Wert als Benziner oder Dieselfahrzeuge.

"Der Gebrauchtwagenmarkt für batterieelektrische Pkw hat es schwer», sagt der Leiter der DAT-Fahrzeugbewertung Martin Weiss. "Die Preisdifferenz zwischen einem neuen und einem gebrauchten Elektroauto ist oftmals zu gering, als dass es für den Käufer attraktiv wäre, sich den Gebrauchtwagen zu kaufen." Zum einen drücke die Förderung der Neuwagen den Preis, zum anderen entwickle sich die Technologie noch rasant. "Jedem Gebrauchtwagenverkäufer gehen da schnell die Argumente aus."

Im Februar 2020 lag der prozentuale Restwert eines typischen drei Jahre alten Elektroautos noch in etwa gleichauf mit dem eines Benziners bei gut 56 Prozent des Listenneupreises. Doch während diese Zahl bei Benzinern in etwa konstant blieb, ist sie für Elektroautos inzwischen auf weniger als 51 Prozent abgesackt. Und dies sei nur die halbe Wahrheit, sagt Weiss: "Schaut man sich nur die kleineren Segmente an, ist deren Wertverlust deutlich dramatischer."

Plug-in-Hybride noch stärker betroffen

Der Autoexperte bezieht sich dabei vor allem auf den Wertverlust bei Plug-In-Hybriden. Diese seien vom Grundpreis oft deutlich teurer als das Nicht-Plug-In-Modell, aber diese Differenz lasse sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach ein paar Jahren kaum noch realisieren. Es fehlten hier echte Nutzungsanreize.

Während die gesunkenen Preise Kaufinteressenten freuen dürften, sind sie für Besitzer von Elektroautos problematisch, wenn sie die diese verkaufen wollen. Auch auf die Leasingraten für Fahrzeuge dieser Art könnte sich der Preisverfall der Gebrauchten mittelfristig auswirken und sie teurer machen.

Nach den Angaben der DAT waren zu Jahresbeginn auf den deutschen Straßen über 48 Millionen Pkw unterwegs, darunter 96 Prozent mit einem Verbrennungsmotor. 1,75 Millionen Fahrzeuge oder 4 Prozent verfügten über alternative Antriebe, darin enthalten auch so genannte Mildhybrid-Pkw, die sich nicht extern aufladen lassen.

Im Jahr 2020 hat sich über neu zugelassene Pkw der Bestand bei Diesel rein rechnerisch um etwa 820.000, bei Bezinern und 1,36 Millionen und bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben um 736.000 Fahrzeuge erhöht. Verbrenner dürften voraussichtlich in den kommenden Jahren noch der dominierende Antrieb sein.

jst/dpa

Elektroauto mit Ladekabel.
Ab 2024 könnten batterieelektrische Mittelklassefahrzeuge mit 300 Kilometer Reichweite im Betrieb günstiger sein als Verbrenner. Aber auch dann werden sie noch deutlich in der Minderheit sein. (Copyright: iStock)