Bioenergie
20.08.2012

E10 weiter unter Beschuss

Viktor Mildenberger, Pixelio.de
Dank Sommerloch wieder in der Diskussion: E10.

Nach Entwicklungsminister Niebel gießt FDP-Generalsekretär Döring weiteres Öl in die Biosprit-Diskussion. Beide fordern einen Verkaufsstopp für E10. Die Regierung ist jedoch an EU-Vorgaben gebunden.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich kritisch über den Anbau von Energiepflanzen und warnte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor einer zunehmenden „Vermaisung“ Deutschlands. „Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig“, zitiert Döring die FAS. Die Tank-Teller-Diskussion habe für ihn auch „eine ethische Dimension“.

Anzeige

Diverse Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder BUND stimmten am Wochenende in diese Forderungen ein und plädiert für einen Verkaufsstopp des Biosprits: „Angesichts der weltweiten Getreideknappheit macht so ein Schritt Sinn“, sagte Greenpeace-Experte Martin Hofstetter der Nachrichtenagentur DPA. Auch die Umweltschützer vom BUND stimmten einem Verkaufsstopp zu.

Anzeige

Von den Herstellern kommt dagegen Kritik. "Ein E10-Verbot hätte keinerlei Auswirkungen auf die Weltagrarpreise und würde nur dazu führen, dass mehr schmutziges fossiles Erdöl importiert wird", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie zu BIZZ energy today. Die deutschen Produzenten benutzten etwas weniger als vier Prozent der hiesigen und 0,2 Prozent der weltweiten Getreideernte für die Ethanolproduktion. "Mit diesen geringen Mengen haben sie keinen Einfluss auf die Getreidepreise weltweit", so Baumann.

Laut der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe ist in diesem Jahr der Anbau für Energiemais um 10 Prozent auf 800.000 Hektar angestiegen. Der Mais landet in Deutschland in den rund 7.000 Biogasanlagen. Insgesamt werden in Deutschland auf 2,5 Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) angebaut. Studien sagen, dass bis zu vier Millionen Hektar mit Nawaro bepflanzt werden können, ohne Konkurrenz für die Lebensmittelproduktion. Biosprit wird in Deutschland aus Roggen und Zuckerrüben hergestellt, in den USA verwendet man hingegen hauptsächlich Mais zur Herstellung.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte in der vergangenen Woche eine Diskussion um einen Verkaufsstopp des Biosprits E10 ausgelöst. Der zuständige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) möchte dagegen an Bioenergie als Energieträger festhalten. Biomasse sei „ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger, der eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt“.

Die Forderungen der Regierungspolitiker Niebel und Döring sind jedoch gar nicht umsetzbar. Denn EU-Vorgaben sehen vor, dass bis 2020 mindestens 10 Prozent des Kraftstoffverbrauchs über erneuerbare Energien gedeckt werden müssen – und das meint vor allem Biosprit. Auch für Deutschland ist diese Vorgabe bindend.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Biogas | Peter Altmaier | Bioenergie | Biokraftstoffe
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen