Kaufprämien
27.04.2016

E-Autoprämie: Der große Bluff?

foto: VW

Die Bundesregierung will Autofahrern elektrische Antriebe mit einer Kaufprämie schmackhaft machen. Privaten Käufern helfe das allerdings wenig, monieren Kritiker.

 

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Die am heutigen Mittwoche von der Bundesregierung verkündete Kaufprämie für E-Autos stößt auf massive Kritik. „Der verkündete Beschluss ist eine reine Industrieförderung für deutsche Autohersteller“, kritisiert Miachel Ziesak, Vorsitzender des alternativen Verkehrsclubs VCD.  

Seine Befürchtung: Die Autohersteller werden die in Folge eines höheren Absatzes zu erwartenden sinkenden Produktionskosten für E-Autos nicht an die Käufer weitergegeben. So könnten zum Beispiel die derzeit massiv purzelnden Preise bei der Batterieproduktion einfach einbehalten und bei den Herstellern intern mit der Prämie verrechnet werden. Denn der von der Bundesregierung beschlossenen Kaufprämie liegt der aktuelle Listenpreis zugrunde. Weiter befürchtet der VCD, dass für Privatpersonen eine solche Prämie nicht relevant ist. Sie helfe nicht über die Schwächen der E-Mobilität, wie eine geringe Reichweite und hohe Preisen, hinweg. So kostet ein elektrischer BMW i3, der mit einer Batterieladung etwa 160 Kilometer fährt, abzüglich einer Kaufprämie immer noch rund 30.000 Euro. Der vergleichbare BMW 1er ist mit 23.000 gelistet.

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Kritik aus vielen Richtungen

Auch der Bund der Steuerzahler geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. „Es ist absurd, dass die Gewinne einiger Autokonzerne höher sind als die Etats der subventionierenden Ministerien“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Er sieht die Autobauer in der Pflicht, markt- und alltagstaugliche E-Autos zu entwickeln und mit angemessenen Preisen für deren Akzeptanz bei den Autofahrern zu sorgen.

Bis tief in die Nacht hatten die Koalitionsspitzen am Dienstagabend das Maßnahmenpaket zur Förderung von E-Autos diskutiert und das Ergebnis am Mittwochvormittag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Kern bildet eine Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro für jedes reine Elektroauto. Sie soll laut Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schon mit einem Kabinettsbeschluss im Mai eingeführt werden. Für Hybrid-Fahrzeuge mit ergänzendem Verbrennungsmotor sind 3.000 Euro Zuschuss vorgesehen. Fahrzeuge mit einem Listenpreis von mehr als 60.000 Euro werden nach den Plänen der Regierung nicht mehr berücksichtigt.

Das Geld soll aus dem Klima- und Energiefonds der Bundesregierung kommen. Ursprünglich waren Kaufprämien von bis zu 5.000 Euro im Gespräch.

 

Insgesamt sollen 1,2 Milliarden Euro fließen

Die Förderung ist auf 1,2 Milliarden Euro begrenzt und soll laut Finanzminister Schäuble bis „längstens 2019“ laufen. Dann soll das Geld aufgebraucht sein. Zum Zuge kommen werden also diejenigen, die zugegriffen haben, bevor der Fördertopf leer ist.
Die Kosten sollen sich Bund und Hersteller jeweils zur Hälfte teilen. Insgesamt könnten so bis zu 400.000 Fahrzeuge gefördert werden. Damit würde die Bundesregierung ihr Ziel von einer Millionen E-Autos bis 2020 in Summe immerhin zur Hälfte erreichen. Aktuell sind auf deutschen Straßen 25.000 reine Stromer und 19.000 Hybride unterwegs.

Zusätzlich will die Bundesregierung auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit 300 Millionen Euro anschieben und zwischen 2017 und 2020 davon insgesamt 20.000 Ladestationen installieren, beispielsweise an Bundesstraßen und Supermarkt-Parkplätzen.

Jana Kugoth
Keywords:
E-Autos | Kaufprämie | VCD | Plug-In-Hybrid | Ladesäulen | Ladesäuleninfrastruktur | BMW
Ressorts:
Governance

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