Elektromobilität
22.03.2019

E-Autos: Deutsche halten sich weiter zurück

Foto: iStock
Besucher betrachten auf einer Ausstellung Elektroautos und Plug-in-Hybride.

Für die Mehrheit der Deutschen verkörpern Elektrofahrzeuge die Zukunft. Doch gerade mal 30 Prozent von ihnen wollen sich in den nächsten fünf Jahren ein E-Auto kaufen.

Elektrofahrzeuge fristen in Deutschland immer noch ein Nischendasein. Gerade mal etwas über 70.000 Stromer wurden 2018 neu zugelassen. Ihr Marktanteil dümpelt weiter unter zwei Prozent – und das, obwohl E-Autos für die meisten Bundesbürger die Zukunft verkörpern. Eine neue Studie sucht nach den Gründen für ihre Kaufzurückhaltung.

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Denn die ist immer noch groß: Gerade mal 30 Prozent der Deutschen wollen sich in den nächsten fünf Jahren ein Elektroauto kaufen. Das ist ein Ergebnis des Mitte März erschienenen Automobilbarometers International 2018 des Kreditanbieters Consors Finanz, für das mehr als 10.600 Personen in 16 Ländern befragt wurden.

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Die Kaufzurückhaltung der Deutschen erstaunt umso mehr, als sie mit der E-Mobilität eine ganze Reihe positiver Eigenschaften verbinden: Für 78 Prozent verkörpern E-Autos die Zukunft. 92 Prozent der Befragten assoziieren ein angenehmes und flexibles Fahrgefühl mit ihnen. Zwei Drittel halten die Stromer für günstig im Unterhalt.

Förderung und Angebotsvielfalt entscheidend

Noch überwiegen indes die Gegenargumente: Die begrenzte Reichweite, die 69 Prozent der Deutschen vor einem Kauf abschreckt; die langen Ladezeiten, die jeder zweite problematisch findet; die hohen Anschaffungskosten gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor, die 92 Prozent ins Feld führen. Neun von zehn Befragten vermuten zudem hinter Herstellung und Verwertung der Batterien ein ernsthaftes Öko-Problem.

Was also tun, um den Absatz anzukurbeln? Gerd Hornbergs, Vorstand von Consors Finanz, sagt, die Kunst liege künftig darin, „auch die misstrauischsten Autofahrer“ von den Vorteilen der E-Mobilität zu überzeugen. Und das sei nicht nur Sache der Hersteller, sondern ebenso der Händler: Sie müssten „positive konsistente Kundenerfahrung“ schaffen, mit mehr Infos und Erlebniswelten rund ums E-Auto, im Autohaus, im Internet und in den sozialen Medien.

Ob es damit getan ist? Schaut man nach China, dem größten Markt für E-Autos, haben zwei weitere Hebel erheblichen Einfluss: die Angebotsvielfalt und das Maß staatlicher Förderung. 1,1 Millionen E-Autos wurden im Reich der Mitte 2018 verkauft. Im Schnitt wurden dabei Prämien und Steuererleichterungen in Höhe von 23 Prozent gewährt (Deutschland 17 Prozent). Und während deutsche Käufer unter 65 E-Modellen wählen konnten, standen chinesischen Käufer schon 150 zur Verfügung.

"Modellfeuerwerk" wird erwartet

Nachlesen lässt sich das im aktuellen McKinsey Electric Vehicle Index, in dem die Unternehmensberatung die Entwicklung der E-Mobilität in 15 Ländern misst. In China, sagt Nicolai Müller, Seniorpartner bei McKinsey, beobachte man die „größte Beschleunigung“. Die Staatsführung habe die strategische Bedeutung der Elektromobilität erkannt und „ein Ökosystem von Herstellern, Ladestationen, Batterie- und Rohstoffversorgung sowie staatlicher Förderung etabliert“.

Können die deutschen Hersteller da überhaupt mithalten? McKinsey-Mann Müller ist optimistisch. Mit Blick auf ihre Produktpipeline werde man in den kommenden Jahren „ein echtes Modellfeuerwerk erleben“, bei gleichzeitig deutlich steigendem Anteil Deutschlands an der weltweiten E-Auto-Produktion. Die Berater erwarten einen Anstieg von heute 14 Prozent auf rund 25 Prozent im Jahr 2024.

Eine zu geringe Auswahl an E-Autos sollten die Deutschen also künftig nicht mehr vom Kauf eines Stromers abhalten. Noch führen das nämlich neun von zehn Befragten als einen Grund für ihre Kaufzurückhaltung an. Fraglich bleibt, ob sie für ihr Wunschmodell, so es mal verfügbar ist, tatsächlich einen Aufpreis zu zahlen bereit sind. 44 Prozent konnten sich das in der Umfrage für Consors Finanz nicht vorstellen. Weitere 26 Prozent würden maximal zehn Prozent mehr als für ein Auto mit Verbrennungsmotor zahlen.

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Thomas Wischniewski
Keywords:
Elektromobilität | E-Mobility
Ressorts:
Markets

Kommentare

"Doch gerade mal 30 Prozent von ihnen wollen sich in den nächsten fünf Jahren ein E-Auto kaufen."
Wie viele wollen denn einen Neuwagen mit Verbrennungsmotor kaufen? 305 kommt mir sehr viel vor. Elektro-Gebrauchswagen gibt es ja bei weitem nicht so viele.

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