Elektromobilität
25.01.2019

E-Autos könnten 2022 so viel kosten wie Verbrenner

Foto: istock/seksan mongkhonkhamsao
Kürzere Ladezeiten werden die E-Mobilität attraktiver machen, prognostiziert Deloitte.

In drei Jahren werden die Gesamtbetriebskosten eines E-Autos nicht mehr höher sein als bei Fahrzeugen mit fossilem Antrieb. Das ist die Prognose einer neuen Studie.

Die vielzitierte Reichweitenangst, hohe Kosten, eine unzureichende Ladeinfrastruktur und lange Ladezeiten sind Hürden, die viele Menschen immer noch vom Kauf eines Elektroautos abhalten. Doch wenn sich eine neue Studie des Beratungsunternehmens Deloitte bewahrheitet, werden die Auto- und Ladeinfrastrukturhersteller alle Probleme bald so weit behoben haben, dass die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Fahrzeugen stark zunimmt. Staatliche Anreize zum Kauf von E-Autos sowie gesetzliche Restriktionen wie Fahrverbote in Städten tun ihr übriges. Die Experten erwarten, dass der Markt für Elektroautos im Jahr 2022 den Wendepunkt erreicht: Dann werden die Gesamtbetriebskosten eines E-Autos nach auf das Niveau von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor fallen, lautet die Prognose.

Anzeige

Anzeige

Deloitte erwartet, dass dies die Käufe von Elektroautos kräftig anschieben und ihren Anteil bis 2024 auf zehn Prozent steigen lassen wird. 2017 überschritten die verkauften E-Autos weltweit erstmals die Hürde von einer Million – ein Marktanteil von einem Prozent, wobei Hybridfahrzeuge mit eingerechnet sind. In der zweiten Hälfte des Jahres 2018 dürften die E-Auto-Verkäufe die Zwei-Millionen-Marke geknackt haben, schätzt Deloitte. Die Berater gehen davon aus, dass sich die Zahl bis 2020 auf vier Millionen verdoppelt, 2025 bereits zwölf Millionen erreicht und bis 2030 auf 21 Millionen Fahrzeuge steigt – vor allem wegen deutlich sinkender Batteriekosten. Im Gegenzug erwartet Deloitte, dass der Verkauf von Autos mit Diesel- und Benzinmotor von 2024 an zurückgehen wird.

Reichweitenangst bald Geschichte

Was die Gesamtbetriebskosten betrifft, so ist nach Deloitte-Berechnungen in Großbritannien bereits im Jahr 2021 eine Parität mit Verbrennern erreicht. Dazu haben die Analysten ein Fahrzeug mit 400 Kilometer Reichweite, eine staatliche Kaufprämie von umgerechnet etwa 4.000 Euro sowie wachsende steuerliche Vorteile angenommen. Ohne diese Prämie würden E-Autos aber erst 2024 gleichauf mit Benzin- und Dieselfahrzeugen liegen. 

Die Reichweitenangst ist aus Sicht von Deloitte bald Geschichte: Die neue Generation an E-Autos wie der Porsche Taycan, der EQC von Daimler oder der ID. Crozz von Volkswagen kommen 500 Kilometer weit und dieses oder nächstes Jahr auf den Markt. Tendenz steigend: Ständige Verbesserungen der Lithium-Ionen-Technologie sowie neue Batteriematerialien werden die Energiedichte und Ladeleistung weiter steigern. Nach 2023 könnten neue Technologien wie Lithium-Luft- oder Feststoffbatterien die Reichweite nochmals erhöhen. Hier rechnen die Experten aber mit einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren.

30 Minuten Ladezeit gelten als akzeptabel

Die zunehmende Reichweite wird die Bedenken der Kunden hinsichtlich der Ladeinfrastruktur verringern, prognostiziert Deloitte. Zudem werde sich die Ladezeit an Schnellladepunkten aufgrund technischer Verbesserungen immer weiter verringern. So könnte bis 2025 eine Batterie mit 60 Kilowatt Leistung innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent geladen werden. Eine halbe Stunde ist den Experten zufolge der Zeitraum, den Kunden noch für akzeptabel halten. Und nicht zuletzt führen kürzere Ladezeiten dazu, dass an einer Schnellladesäule mehr E-Autos geladen werden können.

Was die politische Seite angeht, so sind die Flottenziele der EU zum CO2-Ausstoß bei Neuwagen ein Hebel, um die E-Auto-Zahlen zu erhöhen. Um die Vorgaben zu erreichen, muss laut Deloitte der Marktanteil von Fahrzeugen mit Elektro- und Hybridantrieb bis 2025 auf zehn Prozent und bis 2030 auf 22 Prozent steigen. E-Autos würden dabei jeweils die Hälfte ausmachen. Kauffördernd wirken aus Sicht der Berater Steuernachlässe, Prämien und andere Vorteile wie das Nutzen von Busspuren.

Weitreichende Folgen werden Deloitte zufolge auch die Pläne von etwa 20 Städten haben, die die Einfahrt von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030 verbieten wollen, teils auch schon früher. So sind in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen bereits ab diesem Jahr keine Diesel-Autos mehr erlaubt, Frankreich arbeitet auf ein allgemeines Verbrenner-Verbot bis 2030 hin. Im Zentrum Londons sowie sowie weiteren Stadtzentren Großbritanniens sollen ab 2025 „Zero Emission Zones“ eingeführt werden.

 

Lesen Sie auch: E-Autos könnten Strompreise für Haushalte senken

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Ladeinfrastruktur | Deloitte | Elektroautos
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

Kommentare

Meine Frau und ich haben uns kürzlich einen E-Smart gekauft.Für kleine Strecken (wohnen in der Stadt) ist das natürlich optimal, aber im Moment scheitert es tatsächlich etwas an der Reichweite. Und de Ladezeit ist lang, zudem gibt es nicht an allen Tankstellen die Steckdosen zum Aufladen. Wenn sich das in Zukunft ändert, steigen bestimmt auch mehr Leute auf ein E-Auto um,wäre ja auf jeden Fall wünschenswert.

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen