Elektromobilität
26.11.2018

E-Autos könnten Strompreise für Haushalte senken

Foto: istock/Teka77
Elektroautos haben Einfluss auf das gesamte Stromsystem.

Eine große Elektroauto-Flotte bedeutet nicht, dass der Strom teurer wird – vorausgesetzt, die Fahrzeuge laden zeitversetzt und mit niedriger Leistung. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung.

Was bedeutet eine zunehmende Zahl von Elektroautos für die Strompreise? In Summe könnten sie diese für Haushaltskunden senken – trotz steigender Kosten in Kraftwerkseinsätze und nötiger Investitionen in die Netze. Das hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe errechnet. In der Studie haben die Wissenschaftler die Auswirkungen auf das Energiesystem im Jahr 2030 untersucht. Das Jahr wählten sie aus, weil die Transformation des Energiesystems aus Ihrer Sicht bis dahin voraussichtlich weit fortgeschritten sein wird.  

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Der Grund für den wahrscheinlichen Rückgang der Haushaltstrompreise: Die Elektrofahrzeuge würden dafür sorgen, dass das kapitalintensive Stromnetz besser ausgelastet wird. Dies könnte laut Studie dazu führen, dass die spezifischen Entgelte geringer werden und die Strompreise für die Haushalte merklich sinken. Denn mehr als 90 Prozent der Kosten des Stromnetzes sind fixe Kosten, die den Verbrauchern über Netznutzungsentgelte in Rechnung gestellt werden.

Ein Einzelfällen könnte es doch teurer werden

Eine Einschränkung machen die Autoren allerdings: Weil die Situation in den Verteilnetzen in Deutschland sehr unterschiedlich ist, könne es in Einzelfällen durchaus zu höheren Netzinvestitionen durch Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen kommen.

Signifikante zusätzliche Investitionen in die Netze werden der Studie zufolge nur dann nötig, wenn die E-Autos mit einer Ladeleistung von mehr als elf Kilowatt (kW) ungesteuert geladen werden. Die Autoren regen deshalb an, dass hohe Ladeleistungen von 22 kW und mehr allein von Haushalten mit E-Fahrzeugen getragen werden sollten, und nicht von der Allgemeinheit.

Ladeleistung auf 11 kW limitieren

Würde man die Ladeleistung hingegen auf 11 kW beschränken und die E-Fahrzeuge gesteuert laden, fielen keine weiteren Netzinvestitionen an, so die Studie. Damit gemeint ist beispielsweise das Verschieben des Ladevorgangs in die Nacht oder in Zeiten mit hoher Wind- und Solarstromproduktion. Den Anreiz dazu könnten entsprechende Tarife geben.

Das Forschungsteam rechnet für das Jahr 2030 mit vier Millionen E-Fahrzeugen, die einen Nettostrombedarf von rund 11,6 Terawattstunden hätten. Vier Millionen E-Autos wären etwa zehn Prozent des gesamten Pkw-Bestands. Die steigende Stromnachfrage durch die Elektromobilität würde zwar dazu führen, dass Kraftwerke mit höheren variablen Kosten benötigt werden, so die Studienautoren. Dies werde den Strompreis leicht erhöhen.

Effekt von Schnellladesäulen nicht untersucht

Doch zum einen würde gesteuertes Laden zu Zeiten niedriger Stromnachfrage die Mehrkosten der Energieerzeugung drücken. Zum anderen wäre der Effekt der E-Mobilität wegen der besseren Netzauslastung unterm Strich positiv. „Es hat sich gezeigt, dass in der Regel die entgeltsenkenden Effekte überwiegen und in Summe die Strompreise für deutsche Haushalte um bis zu vier Prozent gesenkt werden können“, sagt Martin Wietschel, einer der Studienautoren. Entscheidend sei jedoch, dass künftig bei der Regulierung des Strompreises alle möglichen positiven Aspekte der Elektromobilität berücksichtigt werden. Nur dann kämen die positiven Effekte der E-Mobilität auch bei den Haushalten an.

Nicht untersucht haben die Wissenschaftler übrigens, wie sich die Nutzung von öffentlichen Schnellladesäulen auf die Verteil- und Übertragungsnetze auswirken würde. Nach Planung des Bundesverkehrsministeriums sollen 7.000 öffentliche Schnellladesäulen bis 2020 errichtet werden, vor allem entlang von Autobahnen. Schnellladesäulen haben eine Leistung von bis zu 350 kW und belasten das Stromnetz entsprechend stärker.

Lesen Sie auch: ChargePoint will weltweit 2,5 Millionen Ladesäulen errichten

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Strompreise | E-Autos | Ladesäulen | Ladeinfrastruktur
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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