Elektromobilität
30.11.2018

E-Cargo-Bike Ono soll Paketbranche grüner machen

Foto: Ono/Frische Fische
Der Container des Lastenfahrzeugs lässt sich mit wenigen Handgriffen abladen.

Der Berliner Mobilitätsdienstleister Ono plant, mit seinem elektrischen Lastenrad konventionelle Zustellfahrzeuge auf der „letzten Meile“ abzulösen.

Die ersten E-Cargo-Bikes des Berliner Start-ups Ono sollen schon im kommenden Jahr auf den Straßen der Hauptstadt rollen. Ono sind nicht die ersten, die ein Lastenrad entwickeln. Von vielen Konkurrenten unterscheidet sich Ono aber durch seinen Ansatz und das Geschäftsmodell. Das elektrisch betriebene Cargo-Bike ist modular aufgebaut und mit einem Container ausgestattet, der zwei Kubikmeter (2000 Liter) fasst. Das ist deutlich mehr als bei anderen Anbietern, deren Lastenräder nur 500 oder 1.000 Liter fassen.

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Die maximale Zuladung des Ono liegt inklusive Container bei 300 Kilo. Der Container lässt sich mit wenigen Handgriffen abladen und kann auch als autonome Einheit in einem Lager abgestellt werden. Mit einem Lastenrad hat das von einem Elektromotor unterstützte Fahrzeug also gar nicht viel gemeinsam. „Der Rahmen ist wie bei einem kleinen Nutzfahrzeug“, sagt Philipp Kahle, einer der drei Gründer.

Paketdienstleister bräuchten vier bis sechs Containerladungen, um das tägliche Volumen eines herkömmlichen Paketfahrzeugs abzudecken, erklärt Mitgründer Beres Seelbach im Gespräch mit bizz energy. Zielgruppe für das E-Cargo-Bike seien vor allem die großen Paketdienstleister wie UPS und DHL, die mit ihren herkömmlichen Zustellfahrzeugen kaum noch durch die verstopften Innenstädte kämen. Mehr als drei Viertel der innerstädtischen Staus würden in Stoßzeiten durch Wirtschaftsverkehr verursacht, zum Beispiel in zweiter Reihe parkende Lieferwagen. „Die Paketdienstleister wollen neue Lösungen, es gibt aber keine Fahrzeuge dafür“, sagt Seelbach.

E-Cargo-Bike Ono
Der Ono-Prototyp bei der Vorstellung in Berlin. Foto: Ono/Frische Fische

Diese Lücke will das Ono-Team mit seinem emissionsfreien Vehikel füllen. „Wir sind mit den größten Zustellfirmen im Gespräch“, sagt Seelbach. Diese mieteten in Großstädten momentan immer mehr Mikro-Verteilzentren an, sogenannte City-Hubs, mit denen sie die Zustellung auf der letzten Meile organisieren. Häufig seien das leerstehende Ladengeschäfte, aber auch Parkhäuser. Weil sie im Gegensatz zu den großen Verteilzentren dezentral gelegen sind, eignen sie sich für das häufigere Be- und Entladen mit Lastenrädern. In Berlin haben mehrere große Logistik-Unternehmen im Juni das gemeinsame Zustell-Projekt KoMoDo gestartet, bei dem die Waren per Lkw an ein Depot geliefert und mit Cargo-Bikes in den umliegenden Wohngebieten verteilt werden.

Als Geschäftsmodell haben sich die Ono-Gründer nicht für den Verkauf, sondern den Verleih der Lastenfahrzeuge („Vehicle-as-a-Service“) entschieden. Der soll per Abo-Modell funktionieren: Die Kunden bekommen gegen eine monatliche Gebühr das Fahrzeug, eine Flottenmanagement-Software sowie Service, Wartung und Beratung zur Verfügung gestellt. Damit sollen bei potenziellen Kunden Einstiegshürden abgebaut werden. Anders als sonst üblich ist die Fahrerkabine geschlossen und damit wetterfest. Das Vehikel ist schmal genug, um auf Radwegen zu fahren, ein Führerschein ist nicht nötig. Das Design stammt von Murat Günak, ehemaliger Chefdesigner beim Volkswagen-Konzern und der dritte Mitgründer bei Ono. 

Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung

Im nächsten Jahr will das mittlerweile elfköpfige Start-up mehrere Pilotprojekte laufen lassen und hat dazu eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Seedmatch ins Leben gerufen. Innerhalb von 60 Tagen wollen die Gründer von Privatanlegern eine Million Euro einsammeln. Davon soll auch die Serienproduktion der Cargo-Bikes finanziert werden, die für Ende 2019 angepeilt ist. Zuvor hatten Seelbach, Kahle und Günak bereits eine Million Euro an Investments eingeworben. Erster Investor war die Wolfsburg AG, an der VW die Hälfte der Anteile hält. Ono gewann zudem einen Gründer-Wettbewerb von Volkswagen sowie von der Schweizer Post. „Wir setzen als nächsten Schritt ganz bewusst auf Crowdfunding, weil letztlich alle Stadtbewohner von Ono profitieren und weil wir eine Bewegung starten wollen“, sagt Seelbach.

Gestartet war das Team im Jahr 2016 mit einer anderen Idee, nämlich einem Transporter für Personen namens Tretbox. In Zukunft könnte Ono hier wieder anknüpfen: Durch den modularen Ansatz sind verschiedene Aufbauten denkbar, die das Cargo-Bike zum Beispiel zu einem Rikscha-ähnlichen Taxi für Kurzstrecken verwandeln würden. Auch über ein autonom fahrendes Mikrofahrzeug hat sich das Team bereits Gedanken gemacht. Es wurde vorsorglich „Ono Pod“ getauft.

Lesen Sie auch: Cargo-Fahrzeug Loadster bekommt Konkurrenz von VW

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Zustelldienste | Lastenrad | E-Cargo-Bike | Verkehrswende
Ressorts:
Technology | Markets

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