Mobilität
27.09.2016

E-Mobilität: Klimaschmutz statt Klimaschutz?

Foto: Winkels-Herding
Die Klimabilanz der E-Autos hängt vom Ökostromanteil ab.

Mit dem Umstieg auf elektrische Antriebe wächst der Strombedarf im Verkehr. Das könnte den Klimaschutz konterkarieren, rechnet eine aktuelle Studie des Freiburger Öko-Instituts vor.

Allgemein gelten E-Autos im Vergleich mit Diesel-Fahrzeugen oder Benzinern als klimafreundlich. Genau diese Annahme könnte sich allerdings als Taschenspieler-Trick entpuppen. Davor warnt eine aktuelle Gemeinschaftsstudie des Freiburger Öko-Instituts und der belgischen Organisation Transport and Mobility Leuven im Auftrag der Europäischen Umweltagentur EEA.

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Demnach ließe ein steigender E-Auto-Anteil zwar die Emissionen im Verkehr sinken. Auf der anderen Seite könnte allerdings der Ausstoß klimaschädlicher Gase im Stromsektor steigen – und die Einsparungen im Verkehr wieder auffressen, schreiben die Studien-Autoren. Zumindest, wenn der Strom für den Elektromotor nicht aus Sonnen- oder Windkraftwerken, sondern aus Kohlekraftwerken stammt. Das könnte passieren, wenn die osteuropäischen Länder wie Polen weiterhin ihren kohlefreundlichen Kurs fahren, befürchten die Autoren.

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Bei ihren Berechnung nehmen die Forscher an, dass im Jahr 2050 bis zu 80 Prozent aller Autos mit Strom fährt. Der Strombedarf für elektrische Antriebe würde damit von 0,3 Prozent in 2014 auf bis zu zehn Prozent am Gesamtstrombedarf in 2050 steigen. Das entspräche einem Plus von 448 Terawattstunden. Würde dieser zusätzliche Strombedarf aus fossilen Kohlekraftwerken gedeckt, würden rund 30 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich in die Luft gepustet, rechnet das Institut vor. 

 

Grünstromanteil ist entscheidend

Allerdings ist das nur eines von zwei in der Studie durchgerechneten Szenarien. Zum Vergleich haben die Forscher ermittelt, wie sich die Emissionen bei einem hohen Grünstrom-Anteil entwickeln. Das Ergebnis fällt ganz anders aus: Werden E- Autos im Jahr 2050 überwiegend mit Erneuerbaren-Strom betankt, könnten die Emissionen um 84 Prozent im Vergleich zu 2010 sinken. Dafür seien zusätzliche Wind- und Solarkraftwerke mit Kapazitäten von insgesamt 150 Gigawatt nötig, so die Forscher.

Die Wissenschaftler weisen dabei darauf hin: Die Situation in den einzelnen Ländern unterscheidet sich erheblich voneinander. „Unsere Analysen zeigen, dass jedes EU-Land andere Voraussetzungen für eine klimafreundliche Elektromobilität hat“, sagt Joß Bracker, Klimaschutzexperte am Öko-Institut und Studienautor. „Entscheidende Faktoren sind, welchen Anteil die erneuerbaren Energien am jeweiligen Strommix haben und wie robust das Stromnetz ist“, fasst er zusammen.  Für mehr Ökostrom sei grundsätzlich ein leistungsfähiges Netz entscheidend. Dabei müssen beispielsweise Staaten mit einem hohen Sonnenstrom-Anteil, der ausschließlich tagsüber zur Verfügung steht, andere Maßnahmen ergreifen als jene, die überwiegend Windstrom ins Netz speisen.

Deshalb hänge es von der Entwicklung intelligenter Ladesysteme und der Kohlestrategie Osteuropas ab, ob E-Autos tatsächlich in eine emissionsarme Zukunft fahren oder unterm Strich sogar schädlicher fürs Klima sind als konventionelle Antriebe.

Jana Kugoth
Keywords:
Ökostrom | Elektromobilität | Öko-Institut | CO2-Emissionen | Kohlestrom | Europa | Ladeinfrastruktur
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

Da frägt man sich, ob bei dieser Rechnung auch der Stromverbrauch für die Benzin/Diesel Raffinierung ( ja nach Quellen 1.5 - 2 kW/Liter) berücksichtigt wurden.

http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Studie-Elektroaut...

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