USA
22.07.2016

E-Mobilität: Obama startet Offensive gegen Reichweitenangst

Foto: Flickr//Ncdotcommunications, flickr/Håkan Dahlström

Mit einem neuen Regierungsprogramm will der US-Präsident die Vorbehalte gegen Stromer aus dem Weg räumen. Auch Autobauer und Energiebranche wollen dazu an einem Strang ziehen.

 

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US-Präsident Barack Obama startet zum Ende seiner Amtszeit noch einmal durch beim Klimaschutz. Mit einer breit angelegten Förderoffensive will er die US-Amerikaner dazu bringen, hinter dem Steuer der dicken Verbrenner hervorzukriechen und stattdessen auf den Fahrersitz eines E-Autos zu wechseln. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung des Weißen Hauses hervor.

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Insbesondere die derzeit noch viele Autokäufer plagende Reichweitenangst von E-Autos will Obama aus dem Weg räumen. Diese wird als einer der großen Bremsklötze beim Umstieg von fossilen Kraftstoffen auf emissionsarme Antriebe angesehen. E-Autos kommen mit einer Akkuladung in der Regel im Schnitt nur etwa 150 bis maximal 300 Kilometer weit. Dann müssen sie wieder Strom tanken. Bislang fehlt es aber noch an einem flächendeckenden Netz von Stromtankstellen.

Mit einem bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar umfassenden Kreditprogramm will Präsident Obama das jetzt ändern. Das Programm soll die Entwicklung neuer Ladesäulen-Typen fördern und Lade-Korridore von der Ost- zur Westküste schaffen. Außerdem will die Regierung in Washington D.C. Kommunen und Städte unterstützen, ihre Fahrzeugflotten durch E-Fahrzeuge zu ersetzen. Zusätzlich sind unter dem Dach des Energieministeriums neue Forschungsprojekte für Stromtankstellen und deren Software und Hardware geplant.

 

Branche will Fakten schaffen

Gleichzeitig verkündete das Weiße Haus die Gründung einer landesweiten E-Mobilitäts-Initiative. Darin haben sich rund 50 führende Autobauer und Energiekonzerne zusammen getan, darunter der E-Auto-Pionier Tesla und der US-Energiekonzern Duke Energy. Die Allianz soll „die Marktumstellung auf E-Autos vorantreiben, indem sie E-Autofahrern das Aufladen an einer netzangebundenen Infrastruktur erleichtert“, heißt es seitens der US-Regierung.

Wie auch Deutschland liegen die USA bislang deutlich hinter ihren Regierungszielen zurück. 2008 hatte Obama verkündet, bis 2015 rund eine Million elektrische Fahrzeuge auf die Straße schicken zu wollen. Derzeit sind 475.000 zugelassen. Mit dem neuen Programm soll die Akzeptanz von emissionsarmen E-Autos und Plug-in-Hybriden erhöht werden.

Darauf hofft auch der Energieversorger Duke Energy. „Um den Leuten wirklich zu zeigen, dass die Infrastruktur vorhanden ist, muss man sie ausbauen“, zitiert die Washington Post einen Konzernsprecher.  Soeben hat der Versorger mit Sitz im Bundesstaat North Carolina den dortigen Städten und Gemeinden für den Ausbau des Stromtankstellennetzes mehr als eine Million US-Dollar zugesagt (Link). Die Anzahl der derzeit in North Carolina installierten 4.700 Ladestationen soll sich damit um 30 Prozent erhöhen, hofft Duke Energy.

 

Deutschland gibt 300 Millionen Euro für den Bau von Stromtankstellen

Auch die Bundesregierung hatte mit dem im Mai erlassenen Förderprogramm für emissionsarme Fahrzeuge auf die hierzulande fehlende Infrastruktur reagiert. Neben der 4.000 Euro umfassenden Kaufprämie für E-Autos und dem 3.000 Euro-Zuschuss für Plug-in-Hybride hatte die Regierung ein insgesamt 300 Millionen Euro schweres Förderprogramm mit einer Laufzeit bis 2020 für Ladesäulen verabschiedet. Ob das die erhofften Erfolge bringt und doch noch zur Erreichung des Regierungsziels von einer Millionen E-Autos bis 2020 führt, bleibt abzuwarten. Beim Städte- und Gemeindebund stieß das Programm auf Kritik. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sieht darin kein „fortschrittliches Mobilitätskonzept“, sondern eine Strategie „mit der zunächst die Ballungsgebiete mit Infrastruktur versorgt werden“, sagt er.

Nach seiner Einschätzung muss sich neben den Antrieben auch das Mobilitätsverhalten generell ändern. Die Bundesbürger allerdings wollen Stromer wie Verbrennungsmotoren nutzen, zeigt eine soeben veröffentlichte Studie der Universität Bamberg. Dazu gehört auch das schnelle Aufladen der Batterie. Lange Ladezeiten an den vergleichsweise günstigen normalen Stromtankstellen schrecken Autofahrer indes ab. 

Jana Kugoth
Keywords:
USA | Elektromobilität | Ladesäulen | Barack Obama | Klimaschutz | Bundesregierung | Kaufprämie | Reichweitenangst
Ressorts:
Governance

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