Smart City
02.02.2018

E-world in Essen: Wenn die Mülltonne kommunizieren lernt

Foto: E-world energy & water GmbH
Misst per Sensor den Füllstand: Smarte Abfalltonne von Vodafone und Deutscher Bahn

Die „E-world water & energy“ in Essen dreht sich diesmal um den Milliarden-Markt Smart City. Die Veranstalter der Fachmesse erwarten neue Rekorde bei Ausstellern und Besuchern.

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Im südhessischen Darmstadt melden sich die Mülleimer, wenn sie voll sind: Sie haben Sensoren, die den Füllstand messen. Die vernetzten Straßenlaternen der Stadt sparen Strom – denn sie wissen, wann sie wie hell leuchten müssen. Außerdem bleiben Autofahrern in Zukunft Staus und langes Parkplatzsuchen erspart, weil ihnen das Smartphone freie Stellplätze anzeigt. Darmstadt soll digital, vernetzt und dadurch als Ganzes schlauer werden.  

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Was Städte auf dem Weg zur Smart City beachten sollten, damit beschäftigt sich nächste Woche die E-World energy & water in Essen. Die Leitveranstaltung der Energiebranche hat sich mit der intelligenten, vernetzten Stadt erstmals einen inhaltlichen Schwerpunkt gesetzt. „Das Thema Smart City stößt übergreifend auf Interesse, alle Aussteller können sich dort wiederfinden“, erklärt Geschäftsführerin Stefanie Hamm die Entscheidung.

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Datenexperte unterstützt Stadtverwaltung

Vertreter aus Wien, Nizza und Grenoble werden in Essen schildern, welche Hürden sie bei der Entwicklung zur intelligenten Stadt meistern müssen. Schließlich ist es alles andere als einfach, so verschiedene Bereiche wie Verkehr, Energieversorgung, Schulen, Gesundheitswesen, Handel, Tourismus und Verwaltung miteinander zu verzahnen.

Darmstadt hat dafür eigens einen Experten vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie als Chief Digital Officer angeheuert, der die  Verwaltung beraten wird. Insgesamt sind bei dem Mammut-Vorhaben mehr als 20 Digital- und Kommunikationsunternehmen an Bord. Der IT-Branchenverband Bitcom und der Deutsche Städte- und Gemeindebund fanden das Konzept so überzeugend, dass sie Darmstadt zur „Digitalen Stadt“ kürten.

Gigantischer Markt für Automatisierung

Die intelligente Stadt bringt nicht nur viele Veränderungen für ihre Bewohner mit sich, sie ist auch ein gigantischer Markt und Spielfeld für Vernetzung und Automatisierung. „Dazu gehören Lösungen für immer mehr Mobilität, für eine bessere Luft- und Umweltqualität und für eine alternde Bevölkerung“, sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der Internetwirtschaft Eco. Dieser und die Beratungsfirma Arthur D. Little erwarten in einer Studie, dass sich die Umsätze im Smart-City-Markt bis 2022 auf rund 43,8 Milliarden Euro mehr als verdoppeln – allein in Deutschland. Das entspräche einem durchschnittlichen Wachstum von 16,5 Prozent jährlich.

Besonders interessant findet E-World-Geschäftsführerin Hamm, dass in der Smart City die verschiedenen Sektoren wie Mobilität und Wohnungswirtschaft zusammenwachsen. „Die Grenzen lösen sich immer mehr auf, und es entstehen Synergien“, sagt sie. Wie die konkret aussehen, darum wird es bei vielen der insgesamt 15 Konferenzen auf der E-world gehen, die über die drei Veranstaltungstage verteilt sind. Bernd Koch etwa, Leiter Dezentrale Energie Systeme bei Siemens, erklärt die zentrale Rolle von Daten-Plattformen. Siemens hilft unter anderem der österreichischen Hauptstadt bei der Digitalisierung.

Keine Smart City von der Stange

„Die Daten-Plattform ist die Grundlage der Smart-City“, sagte Koch während des diesjährigen Dena-Kongresses in Berlin. Es gibt sie aber nicht von der Stange, und sie hat stets eine lokale Komponente. Zu den größten Herausforderungen dabei zählt, die verschiedenen Gewerke auf einer zentralen Plattform zu integrieren: Mobilität, Gebäudemanagement, Energie- und Wärmeversorgung – mit teils unterschiedlichen Spannungsebenen und Sensoren.

Die Smart City könnte der E-world neue Rekorde bescheren. Nach dem Höchststand von rund 25.000 Besuchern und 710 Ausstellern im Jahr 2017 rechnet Geschäftsführerin Hamm für die kommende Messe erneut mit kräftigem Wachstum. Besonders stark boomt der Bereich Smart Energy: Hier hat sich die Ausstellerzahl seit 2014  auf mehr als 150 Unternehmen verdoppelt. Die Messeteilnehmer zeigen Lösungen für die Großbaustellen der Energiewende: die Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, neue Speichersysteme und die Digitalisierung des Messwesens.

IT-Dienstleister als neue Messegäste

Für dieses Mal haben sich als Aussteller das Wirtschafts- und Energieministerium, die Dena, Robert Bosch, die KfW-Bankengruppe und Telefonica Germany angesagt. „Die Unternehmen, die im Bereich Smart Energy ausstellen, kommen unter anderem aus der IT, der Elektronikbranche und der Telekommunikation“, sagt Hamm. „Das zeigt, wie sich die Energiewirtschaft für neue Kooperationen, Geschäftsfelder und -ideen öffnet.“

Vor allem IT-Dienstleister zieht es neuerdings auf die Messe. Erstmals dabei sind beispielsweise Mettenmeier, Conet, Fujitsu TDS und Sharp Electronics. Auch zwei der insgesamt vier Fachforen beleuchten das Thema Smart Energy: Bei „Smart-Tech“ geht es um technische Fragen rund um IT-Sicherheit, digitale Plattformen und smarte Netze. Das „Energy-Transition“-Forum richtet den Blick auf die Smart City, auf Energieeffizienz, Sektorenkopplung und Speicher.

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Keywords:
Energiewende | e-World | Smart City | Vernetzung
Ressorts:
Technology | Markets

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