Nur knapp ein halbes Jahr dauert es noch, bis Ende 2020 für etwa 5.000 Windanlagen der ersten EEG-Generation das Förderende kommt. Das sind rund 16 Prozent aller Windräder an Land in Deutschland. Weil die frühen Anlagen eher kleiner sind, stehen zugleich "nur" rund 3.700 Megawatt oder sieben Prozent der an Land installierten Windleistung auf der Kippe.

Beim erzeugten Windstrom ist der Anteil noch geringer. Da sind durch das Auslaufen der Förderung jährlich fünf Milliarden Kilowattstunden gefährdet. Das sind ca. fünf Prozent der Strommenge, die hierzulande onshore in die Netze eingespeist wird.

Die deutsche Stromversorgung gefährdet das erst einmal nicht, allerdings droht 2021 bei der Windkraft ein Rückgang und die sich ohnehin abzeichnende Ökostromlücke wird noch größer.

Der Strommarkt bietet den Altanlagen derzeit auch keine Perspektive. "Der in diesen Altanlagen produzierte Ökostrom ließe sich zwar an der Börse oder an Energieversorger verkaufen, durch den coronabedingten Crash an der Strombörse können aber selbst an den günstigsten Standorten die Kosten für den Weiterbetrieb kaum wieder eingespielt werden", erläutert Naturstrom-Vorstand Oliver Hummel die schlechten Aussichten. In den meisten Fällen drohten deshalb Abschaltung und unterm Strich ein Rückbau der Windenergie.

Für Windstrom-Einspeisung soll es nur 3,2 Cent geben

Um die Anlagen dennoch am Netz zu halten, schlägt Naturstrom jetzt eine Art befristete EEG-"Rente" für alte Windanlagen vor. Deren Betreiber sollen danach weiter über das EEG-System eine Auffang-Vergütung für den eingespeisten Strom bekommen, allerdings soll es nur noch 3,2 Cent pro Kilowattstunde geben. Diese Vergütung decke, so der Ökostromer, gerade so die Betriebskosten durchschnittlicher Altanlagen ab.

Das Post-EEG-Modell von Naturstrom berücksichtigt dabei die natürlichen Voraussetzungen: Größere Anlagen an besseren Windstandorten sollen mit 2,2 Cent weniger und kleinere Anlagen an schlechten Standorten mit maximal 4,5 Cent mehr erhalten. Weiter sind die geplanten Zahlungen aus dem EEG-Konto auf zwei Jahre begrenzt und monatlich können die Betreiber in die freie Vermarktung wechseln - sofern diese höhere Erlöse verspricht.

Die 2,2 bis 4,5 Cent sind nur ein Bruchteil der derzeit für diese Anlagen noch geltenden EEG-Konditionen. Anlagen, die im Jahr 2000 in die EEG-Förderung kamen, erhielten anfangs mehr als 17 Cent pro eingespeister Kilowattstunde, im Laufe der Jahre sank die Vergütung auf etwa 12 Cent.

BWE will mindestens fünf Jahre Laufzeit der Altanlagen

Naturstrom schätzt die Kosten für das Modell auf 15 Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022 - sofern sich der Börsenstrompreis nicht normalisiert. Jedenfalls sei der Weiterbetrieb funktionstüchtiger alter Windräder deutlich kostengünstiger als ihr vorzeitiger Ersatz durch neue Kraftwerke, egal welcher Technologie, wirbt Hummel für das Modell.

Wolfram Axthelm vom Branchenverband BWE kommentiert den Naturstrom-Vorschlag nicht direkt, begrüßt aber die Post-EEG-Debatte. "Es braucht dringend eine Brücke, um den Rückbau von Kapazitäten zu vermeiden, die für die grüne Stromproduktion benötigt werden", sagt der BWE-Geschäftsführer.

Der BWE hält es für notwendig, Anlagen, die nicht repowert werden können, "mindestens fünf Jahre weiter am Netz zu halten." Möglich wäre das aber auch, so Axthelm, durch einen "Link" zum Start der Wasserstoffproduktion. Ein anderer Weg wäre, die Windanlagen in regionale Mobilitäts- und Wärmekonzepte einzubinden. Auf jeden Fall brauchen die Altanlagen einen "sicheren gesetzlichen Rahmen für die wirtschaftliche Absicherung, um einen geordneten Betrieb zu gewährleisten".

Lesen Sie auch: Windkraft: Ausbau-Tief setzt Politik unter Druck

Lesen Sie auch: Streit ums Windrad vor der Haustür

Lesen Sie auch: Windkraft: Ausbau-Tief setzt Politik unter Druck

Was wird aus der alten Windkraft - Schrott oder ein Grünstromerzeuger (Foto: Istock)