Die Aufteilung des gemeinsamen deutsch-österreichischen Strommarktes sei das falsche Signal, sagte Tobias Paulun, Chief Strategy Officer der Leipziger Energiebörse EEX, am Dienstag beim Dena-Kongress in Berlin. An der European Energy Exchange seien 25 Milliarden Euro in Termingeschäften geparkt. Ein Teil davon würde über Nacht an Wert gewinnen oder verlieren, wenn es zu einem regulatorischen Eingriff käme, der nicht absehbar gewesen sei, sagte der Börsen-Manager.

Österreich und Deutschland haben bisher einen gemeinsamen Strommarkt mit einem identischen Börsenpreis. Wegen Engpässen im Netz wird allerdings mehr Strom gehandelt, als über die Leitungen transportiert werden kann. Die Folge in Deutschland sind häufigere Noteingriffe in die Fahrweise von Kraftwerken (Redispatch) und steigende Netzentgelte.

 

Börse schlägt Kostenteilung vor

Die Bundesregierung plant deshalb ab Mitte 2018 eine Spaltung der gemeinsamen Handelszone mit Österreich. An der EEX können Kraftwerksbetreiber und Händler Termingeschäfte mit einer Vorlaufzeit von bis zu sechs Jahren abschließen.

Nach Berechnungen des Berliner Beratungsunternehmens Energy Brainpool würde eine komplette Aufteilung des Strommarktes die Preise in Deutschland durchschnittlich um bis zu zwei Prozent sinken lassen, die Preise in Österreich würden um bis zu 22 Prozent steigen.

Statt den gemeinsamen Markt zu splitten, schlug EEX-Manager Paulun nun vor, Berlin und Wien sollten sich die Kosten für Redispatch und Netzausbaumaßnahmen teilen. 

An der Leipziger Strombörse EEX werden neben Strom auch CO2-Rechte und andere Güter gehandelt. (Foto: EEX)