Energiesparen
25.10.2012

Effizienz-Defizit größer als erwartet

Siemens
Eine Baustelle: Die effizientere Nutzung von Abwärme aus Industrieanlagen.

Deutschland ist momentan weit davon entfernt, die EU-Energiesparziele zu erfüllen. Noch bleiben anderthalb Jahre, um nachzubessern. Der Haushaltsgerätehersteller BSH schlägt eine Effizienz-Umlage auf den Strompreis vor.

Ohne weit größere Anstrengungen beim Energiesparen wird Deutschland die EU-Energiesparziele deutlich verfehlen. Voraussichtlich werden nur 0,7 Prozent Einsparung statt der von der EU geforderten 1,5 Prozent erreicht – also weniger als die Hälfte. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Ecofys im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). 

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Ist das EU-Ziel noch erreichbar?

Die verbleibende Lücke von 0,8 Prozent entspricht etwa dem Verbrauch zweier Großstädte oder der Stromerzeugung von zehn Großkraftwerken pro Jahr. Nach der am Donnerstag veröffentlichten neuen EU-Energieeffizienz-Richtlinie bleiben der Bundesregierung noch etwas mehr als 18 Monate Zeit, um zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Andernfalls droht Deutschland ein Verfahren wegen Vertragsverletzung. „Nur wenn die bestehenden Energieeffizienz-Maßnahmen konsequent weitergeführt werden und bald durch zusätzliche politische Maßnahmen ergänzt werden,  sind die EU-Ziele und die Energiewendeziele der Bundesregierung zu halten“, resümierte Ecofys-Geschäftsführer Carsten Petersdorff.

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Die zusätzlichen Anstrengungen würden sich jedoch lohnen: „Die Kosten für Erzeugung und Netzausbau purzeln gewaltig, wenn wir Energie in der Größenordnung von zehn Großkraftwerken einsparen“, sagte Deneff-Chef Christian Noll. Ab jetzt müsse die Energieeffizienz mindestens gleichrangig mit der Erzeugungsseite behandelt werden, warnte Noll. 

BSH setzt auf Produktprämien

Deutsche Unternehmen wie BSH Bosch und Siemens Hausgeräte sehen in der schnellen nationalen Umsetzung auch Chancen: Programme zur Einsparung von Strom würden nur ein Drittel dessen kosten, was für die Erzeugung und Verteilung einer Kilowattstunde zu veranschlagen sei, sagte BSH-Effizienzexperte Peter Böhm und gibt sich optimistisch: „Ein Effizienzboom in Deutschland kann gelingen.“

BSH schlägt Präminen für den Verkauf von energieeffizienten Geräten vor. 50 Euro pro Gerät würden demnach genügen, um Verbraucher zum Kauf eines effizienten Gerätes zu animieren. Woher das Geld kommen soll, weiß der Hersteller auch schon – vom Verbraucher selbst. BSH schlägt eine Effizienzumlage auf den Strompreis vor, analog zur Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Diese soll Investitionen ins Stromsparen finanzieren.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Energieeffizienz | Deneff | BSH | Energiesparen
Ressorts:
Governance | Markets

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