Energieeffizienz
17.06.2014

Effizienz-Spritze

Warum Energiemanagement gerade zum Megathema für Börsianer avanciert und wie das Unternehmen Opower davon profitiert.

Dan Yates und Alex Laskey liegen sich in den Armen, strahlen, jubeln und knipsen ein paar Selfies. Im Hintergrund flimmert der Kurs ihrer Aktie. Der Börsengang läuft besser als erhofft. Wenige Stunden nach Handelsbeginn am 7. April ist ihre Firma an der New York Stock Exchange mehr als eine Milliarde Dollar wert.

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2007 haben die langjährigen Freunde im Örtchen Arlington in Virginia ihre Firma Opower gegründet und dabei auf Themen gesetzt, an die damals niemand so recht glaubte: Energieeffizienz und schlaues Energiemanagement. Jetzt aber ist Opower in New York ein Börsenstar und Wall Street schwärmt von Energieeffizienz. Zu Recht: Es gibt wenige Investitionen, die sich schneller amortisieren als Maßnahmen zum Stromsparen. 

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Opower hilft den Energieversorgern bei der Auswertung von Strom- und Heizungsverbrauchsdaten. Mit einem besonderen Algorithmus analysiert die Software von Opower das Verhaltensmuster der Verbraucher, es müssen keine neuen Geräte eingebaut werden. 

Dabei traut sich Opower, bei Bedarf so altmodisch zu sein wie Amerikas Stromkunden. Die Firma wartet nicht, bis die behäbigen Versorger endlich schlaue Stromzähler im Haus installieren, sondern fängt sofort mit der Auswertung monatlicher Verbrauchsdaten an. Dann versendet Opower darauf basierende Spartipps an die Haushalte. Und zwar nicht nur über schicke Smartphone-Apps oder Internetportale, sondern auch ganz traditionell in Papierform per Post. Laut Opower haben die Kunden der Energieversorger, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, im vergangenen Jahr insgesamt 234 Millionen Dollar weniger für ihre Stromrechnungen bezahlt, wobei 1,9 Gigawattstunden Strom eingespart wurden. Inzwischen hat Opower 93 Energieversorger in acht Ländern als Kunden, darunter auch den Eon-Konzern.

Der Geschäftserfolg basiert auf Psychologie. Opower stellt den Verbrauch immer im Vergleich zu den Nachbarn dar und erklärt, wieso die Leute nebenan mehr Strom sparen. Es gilt das Motto: Sportlicher Ehrgeiz ist stärker als jeder Appell zum Umwelt- und Klimaschutz. 

Bei Finanzanalysten kommt das Geschäftsmodell gut an. Allerdings war die hohe Bewertung in den ersten Tagen nach dem Börsengang – in der Spitze 26 Dollar – nach Meinung vieler übertrieben. Heute kostet eine Aktie nur noch rund 18 Dollar. Das liegt auch daran, dass Opower in den Abwärtsstrudel der Technologiewerte an der Wall Street geraten ist.

Die Investmentbank Goldman Sachs sieht einen fairen Preis bei 24 Dollar. Es ist also Luft nach oben, obwohl Opower noch Verluste schreibt und das bis 2017 auch nicht ändern will, weil schnelles Wachstum so teuer sei. Goldman-Analyst Greg Dunham mag die Firma und rechnet damit, dass sie Jahr für Jahr 20 Prozent mehr Umsatz macht: „Das Unternehmen hat bewiesen, dass es in der Lage ist, mit schwierigen Kunden und in einem schwierigen regulatorischen Umfeld zu verkaufen und handlungsfähig zu sein.“ Opower vereint gleich mehrere Schlagworte, für die die Wall Street gerade empfänglich ist: Energieeffizienz, Cloud Computing und Big Data, das Management großer Datenmengen. 

Wenn Amerika mit Energieeffizienz künftig ernst macht, lässt sich damit sehr viel Geld verdienen. Allein mit schon jetzt vorhandener Technik ließe sich der Energieverbrauch der USA um 25 Prozent reduzieren, meint das American Council for an Energy-Efficient Economy. Diese Lobby-Organisation rechnet vor, dass so der CO2-Ausstoß jährlich um 600 Millionen Tonnen sinken würde. Zwar zögern viele Versorger, weil sie lieber mehr Strom verkaufen wollen statt weniger. Andererseits hilft schlaues Energiemanagement, die Nachfrage gleichmäßiger zu verteilen und die teuren Peaks zu vermeiden, in denen extra Kraftwerke hochgefahren werden müssen; dieser Aspekt interessiert die Versorger. 

Die gesamte Branche und ihre Anleger an der Wall Street hoffen nunmehr auf die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA). Die plant schärfere Vorgaben für den CO2-Ausstoß von Kraftwerken, was die Versorger zu Energieeffizienzinvestitionen zwingen würde. In manchen US-Bundesstaaten gibt es heute schon Anreize für Einsparungen durch Energiemanagement, für die Opower heftig geworben hat. Das Geld, das Verbraucher durch Energieeffizienz einsparen, geben sie an anderer Stelle aus, argumentiert Opower-Chef-Lobbyist Richard Caperton: „Die EPA hat eine riesige Chance, die Wirtschaft anzukurbeln.“

Kathrin Werner
Keywords:
Energie | Energieeffizienz | Energiesparen | Smart Home | Opower | erneuerbare Energien
Ressorts:
Finance | Markets

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