BIZZ-Exklusiv
10.12.2014

Ein Cent für Elektromobilität

Valentin Kaden

Unser Kolumnist Ferdinand Dudenhöffer zeigt, wie Deutschland mit Hilfe von drei Elementen den Durchbruch im Zukunftsmarkt schaffen kann.

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Deutschland hinkt im Vergleich hinterher. Dabei hat die deutsche Autoindustrie kräftig in die Entwicklung und Produktion der Elektroautos investiert; es würde dem Standort Deutschland nutzen, wenn Elektroautos künftig nicht ausschließlich in China, USA oder Japan produziert würden.      

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Für Deutschland ist es möglich, den Rückstand bei der Elektromobilität aufzuholen, und zwar ohne zusätzliche Belastungen für den Bundeshaushalt. Am CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen haben wir dazu ein konkretes Modell entwickelt. Wir schlagen vor, für drei Jahre die Steuer auf konventionelle Kraftstoffe um einen Cent pro Liter zu erhöhen. Das würde Steuermehreinnahmen von rund zwei  Milliarden Euro bringen. 800 Millionen Euro davon könnte die Regierung als Kaufprämie für Elektroautos an Privatpersonen ausschütten; rechnerisch könnten so 200.000 Privatpersonen in den Genuss einer 4.000-Euro-Kaufprämie kommen. 

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Für eine Milliarde Euro lassen sich rund 80.000 Lade- und Schnellladestationen in die 60 größten Städte Deutschlands stellen. Diese Städte bekämen die Ladeinfrastruktur quasi geschenkt, inklusive Parkplatzvergütung und Ladesäulenwartung für drei Jahre. Mit dem Budget wären auch Verwaltung, Marketing und drei Jahre kostenloser Strom abgedeckt. 

Mit den verbleibenden 200 Millionen Euro lassen sich 50.000 Carsharing-Fahrzeuge in den 60 Großstädten subventionieren. Dann kann jeder für kleines Geld Elektroauto fahren; Kunden wird die Angst genommen, die „Katze im Sack“ zu kaufen. Im Ruhrgebiet haben wir mit einem solchen Programm – dem RUHRAUTOe – sehr gute Erfahrungen gemacht. Mehr als 1.500 private Nutzer fahren im Pott mit den Elektroautos im Carsharing-System. 

E-Autos kann also mit Hilfe von drei Elementen der Durchbruch gelingen: Kaufprämie, Ladeinfrastruktur in Großstädten und Akzeptanz durch unkompliziertes Kennenlernen. Wichtig ist die ehrliche Kommunikation. Der Cent für die Elektromobilität soll kein Soli werden, der bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gilt. Im Gesetz muss stehen, dass eine Verlängerung über die drei Jahre hinaus ausgeschlossen ist. Bei dem aktuell billigen Treibstoff ist der Cent pro Liter zu verkraften. Bei 47 Millionen Fahrzeugen in Deutschland wird das Durchschnittsfahrzeug pro Jahr mit 13 Euro belastet. Das sollte uns unsere Zukunft Wert sein. Herr Minister Schäuble, übernehmen Sie.

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft.

 
Ferdinand Dudenhöffer
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Keywords:
Elektromobilität | Ferdinand Dudenhöffer | Bundesregierung | Förderung | Deutschland
Ressorts:
Markets

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