Solarmarkt USA
23.06.2016

Ein Geschäft unter Cousins

Foto: Wikipedia/Maurizio Pesce
Tesla-Chef Elon Musk will die Solarfirma Solarcity seines Cousins übernehmen.

Tesla-Chef Elon Musk hat ein Übernahmeangebot für Solar City vorgelegt, das Unternehmen seiner Vettern Lyndon und Peter Rive. Börsianer reagieren überwiegend skeptisch.

 

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Für den Tesla-Gründer und Chef Elon Musk liegen die Vorteile für beide Unternehmen klar auf der Hand: Wenn der Elektroauto-Hersteller den Solaranlagen-Anbieter übernehmen würde, könnten sie alle Energie-Bedürfnisse umweltbewusster Kunden abdecken: Vom Elektroauto über den Strom, mit dem es aufgeladen wird, bis hin zur kompletten Energieversorgung im Haus. „Wir wären das weltweit einzige vertikal integrierte Energieunternehmen“, schrieb Musk am Dienstag im Tesla-Unternehmensblog. Tesla stellt nicht nur Elektroautos, sondern mit der „Power Wall“ auch Stromspeicher her.

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Mit der Übernahme von Solar City würde der Silicon-Valley-Unternehmer den Kreis schließen: Schließlich war es Musk, der einst seinen Cousins Lyndon und Peter Rive bei einem Besuch des Burning Man-Festivals in der Wüste von Nevada vorschlug, ein Solarunternehmen zu gründen. Mit einer Investition von zehn Millionen Dollar half er, Solar City auf den Weg zu bringen und ist mit 23 Prozent Aktienbesitz größter Anteilseigner und Chairman des Unternehmens. Die gemeinsame Vision der Cousins: Seite an Seite gegen die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu kämpfen. Schon jetzt arbeiten die beiden Unternehmen zusammen, zum Beispiel bei einem Projekt in Hawaii, wo Solar City seinen Solaranlagen-Park mit Tesla-Batterien ergänzt hat. 

 

Bei Analysten überwiegt Skepsis

„Jetzt ist es an der Zeit, das Bild zu vervollständigen. Tesla-Kunden können saubere Autos fahren und mit unseren Batterien Energie effizienter zu nutzen, aber ihnen fehlt noch der Zugang zur nachhaltigsten Energiequelle: Der Sonne“, schrieb Musk im Blog zu den Übernahmeplänen. Zwischen 26,50 und 28,50 Dollar pro Aktie bietet Tesla den Solar City-Anteilseignern, das entspräche rund 2,8 Milliarden Dollar für den nach eigenen Angaben weltgrößten Solaranlagen-Installateur, und einem Aufschlag von 35 Prozent auf den Schlusskurs von Dienstag.

Für die Analysten sind die Vorteile einer Übernahme für die Aktionäre allerdings weniger klar als für Musk: Während die Solar City-Papiere nach dem Übernahmeangebot um 29 Prozent in die Höhe schnellten, verloren Tesla-Aktien mehr als zwölf Prozent. An der Wall Street wird befürchtet, dass der Deal vor allem Solar City nutzen würde, Tesla sich hingegen daran verheben würde. Erinnerungen werden wach an den Solarentwickler SunEdison, der nach der geplatzten Übernahme des Konkurrenten Vivint Solar in einen Abwärtsstrudel geriet und inzwischen insolvent ist. 

 

Tesla hat viele offene Baustellen

Schließlich hat Tesla genug eigene Baustellen: Zum einen muss sich das Unternehmen sputen, um die Produktion seines neuen Elektro-Modells 3 aufzustocken, für das es hunderttausende Vorbestellungen gibt. Zu diesem Zweck hatte sich Tesla über eine Kapitalerhöhung gerade erst 1,4 Millionen Dollar besorgt. Zum anderen soll bis Ende 2017 auch Teslas sogenannte Gigafactory in Nevada, die weltgrößte Fabrik für Speicherbatterien, ihre Produktion aufnehmen. „Diese Ziele sind existenziell für Tesla, und eine Akquisition von Solarcity würde dabei nicht helfen“, kritisiert Salim Morsy, Analyst bei Bloomberg New Energy Finance. Gar nicht zu sprechen von Musks anderem Unternehmen, Space X, mit dem er bis 2018 eine Kapsel auf dem Mars landen lassen will.

Hinzu kommt, dass sowohl Tesla als auch Solar City defizitär sind: Tesla hat im vergangenen Jahr insgesamt 2,2 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen.

Solarcity hat 2015 sogar 2,6 Milliarden US-Dollar an Schulden gemacht. Die Papiere der Solarfirma sind seit Anfang des Jahres um fast 60 Prozent gefallen, nachdem sie ihre Gewinnprognosen in drei Quartalen verfehlte. Die Probleme haben unter anderem mit einer neuen Regelung zur Einspeisevergütung in Nevada zu tun, die Solaranlagen für Privatkunden laut Solar City unwirtschaftlich machen.

 

Kluge Strategie oder Rettungsanker?

Eine Übernahme würde also Teslas Schuldenberg und das Risiko für die Aktionäre kräftig erhöhen. „Wir glauben, dass die Investoren diese Transaktion als Rettungsaktion für Solar City und Ablenkungsmanöver von Teslas eigenen Produktionsproblemen betrachten werden“, schrieb Colin Rusch von der Investmentbank Oppenheimer & Co. Er rechnet mit Widerstand seitens der Anteilseigner, zumal Musk tief in beide Unternehmen verstrickt ist – problematisch im Hinblick auf Corporate Governance. Der Tesla-CEO als auch Antonio Garcias, der ebenfalls in beiden Aufsichtsräten sitzt, haben deshalb angekündigt, sich bei der Abstimmung über das Übernahmeangebot zu enthalten. 

Nichtsdestotrotz ließen sich mit einer Kombination der beiden Unternehmen sehr wohl Synergieeffekte heben: „Die meisten unserer Kunden haben Interesse an Solaranlagen“, sagte Musk während einer Konferenzschaltung. „Aber nur ein kleiner Prozentsatz besitzt tatsächlich welche.“ Teslas cooles Image könnte dabei helfen, Solaranlagen für Hausbesitzer begehrenswerter zu machen: Die Kunden könnten sich im Tesla-Store neben einem E-Auto auch gleich über Solar-Panels informieren. Umgekehrt wäre Tesla unabhängiger von Strom fremder Hersteller, um etwa seine Ladestationen mit Energie zu versorgen. Zudem gibt es zunehmend Versuche von Unternehmen, E-Autos, Batterien, Solaranlagen und smarte Hausgeräte im Paket anzubieten. Am Ende ist Teslas Übernahmeangebot also wahrscheinlich beides: Strategischer Schachzug und Rettungsaktion in einem.

Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Elon Musk | Solarcity | Panasonic
Ressorts:
Markets

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