Tesla
25.11.2016

Ein Mann wie vom Mars

Foto: Wikipedia / Heisenberg Media / CC BY 2.0

Nach dem tödlichen Unfall eines Teslas mit Autopilot und Zweifeln an der Solarcity-Übernahme ist das Image von Elon Musk angekratzt. Porträt eines Silicon-Valley-Stars.

 

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Leben wir in einer Computer-simulierten Traumwelt, wie in der Matrix-Trilogie? Als ein Besucher ihn dies fragt, lässt Elon Musk ihn kaum ausreden. Die Antworten sprudeln nur so aus dem Mund des Telsa-Gründers, während seine Augen unruhig umherwandern. Endlos habe er mit seinem Bruder schon darüber diskutiert, und jetzt sei er sicher: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht in einer Simulation leben, liege „bei eins zu Milliarden“. 

Musk sitzt in einem riesigen, roten Leder-Chefsessel auf der Recode-Konferenz Ende Mai in Rancho Palos Verdes, einem Vorort von Los Angeles, um über den Einfluss neuer Technologien auf das Leben der Menschen zu diskutieren. Absurd klingende Fragen faszinieren Musk offensichtlich besonders. Videospiele hätten sich in den vergangenen 40 Jahren „unendlich verbessert“, sagt der 45-Jährige. Er habe einen guten Teil seiner Kindheit mit Computerspielen  verbracht, inzwischen gebe es Millionen fotorealistischer 3D-Simulationen. Selbst bei einer  geringeren Innovationsrate als bisher müsse man also davon ausgehen, dass es in der Zukunft Computerspiele geben werde, die nicht mehr von der Realität zu unterscheiden seien. „Stimmt irgendetwas nicht an diesem Argument?“, fragt er ein wenig trotzig.

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Seine Ex-Frau hält Musk für gnadenlos

Der gebürtige Südafrikaner ist ein Silicon-Valley-Star, aber beileibe kein Star-Redner. Musk spricht stockend und oft zu schnell, immer wieder verheddert er sich in seinen Sätzen. Dennoch hört sein Publikum wie gebannt zu. Schließlich hat Musk die Raumfahrt, die Autobranche und die Erneuerbaren-Branche revolutioniert, ständig beherrscht er die Schlagzeilen. „Ich wollte einfach in Gebieten tätig sein, von denen ich dachte, dass sie die Zukunft der Menschen entscheidend beeinflussen“, sagt  Musk.

Er hat das nötige Geld, um seine Visionen zu verwirklichen – sein Vermögen wird auf zwölf Milliarden Euro geschätzt. Seine Ex-Frau Justine Musk hat über ihn gesagt: „Er tut, was er will, und dabei ist er gnadenlos. Es ist Elons Welt, und der Rest von uns lebt auch darin.“ Musk-Biograf Ashlee Vance glaubt, dass der Tesla-Chef Größeres vollbringen kann als Apple-Gründer Steve Jobs. Über sich selbst sagt Musk knapp: „Scheitern ist keine Option.“

 

Mit intelligenten Robotern gegen Google

Seine Visionen bewegen sich irgendwo zwischen Genialität und Größenwahn: Dass er mit Verve für Klimaschutz durch nachhaltige Energieerzeugung wirbt, klingt noch bodenständig. Aber Musk will auch eine Kolonie auf dem Mars gründen, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Dafür gründete er die Raumfahrtfirma SpaceX, mit der er schon in wenigen Jahren unbemannte Kapseln auf den roten Planeten schießen will. Außerdem hat er Hyperloop erdacht, ein Röhrensystem, das eines Tages Personen- und Güter in Schallgeschwindigkeit transportieren soll. Und mit dem Labor OpenAI will er künstliche Intelligenz  erforschen und demokratisieren. Na klar, Musk will verhindern, dass Google-Roboter eines Tages die Weltherrschaft übernehmen.

Musk hat das Mantra der Start-up-Branche verinnerlicht: „Think Big“. Unter Weltverbesserung macht er es nicht. Dazu passt sein bislang größter Erfolg: Der Tesla-Gründer ebnete der Elektromobilität den Weg – mit  Autos, die nicht mehr als Nerd-Mobile, sondern als begehrenswertes Lifestyle-Objekt wahrgenommen werden. Während traditionelle Autobauer wie VW Diesel mit manipulierten Abgaswerten auf den Markt brachten, baute Musk Fahrzeuge für die Zukunft: Er kombiniert modernes Design mit High-Tech und einer Reichweite, bei der E-Autos anderer Hersteller bis heute nicht mithalten können. „Elon Musk hat mit Tesla gezeigt, dass die radikale Erneuerung unserer individuellen Mobilität machbar ist“, lobt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen.

 

In der Schule wird er schwer gehänselt

Think Big: Zu diesem Motto gehört auch die weltgrößte Batterie-Fabrik  namens „GigaFactory“, die Musk gerade  in der Wüste von Nevada bauen lässt, um die Preise für seine Autos zu drücken und den Grundstein für den nächsten, aberwitzig klingenden Plan zu legen:  Der erste, vertikal integrierte Elektroautohersteller zu werden, der – gemeinsam mit Solarcity, der Solarfirma seiner Cousins – Fahrzeuge, Speicherbatterien und Ökostrom aus einer Hand anbietet.

Unternehmergeist bewies Musk schon früh. 1971 wird er im südafrikanischen Pretoria geboren, als Kind des kanadischen Modells Maye Musk und des Elektroingenieurs Errol Musk. Seine Mutter und die Mutter der beiden Solarcity-Gründer Lyndon und Peter Rive sind Zwillingsschwestern. Als Zehnjähriger ersteht Musk seinen ersten Computer, bringt sich das Programmieren bei und verkauft zwei Jahre später ein selbst entwickeltes Computerspiel, dass er Blastar taufte. Seiner Mutter zufolge hatte Musk als Kind und Teenager immer wieder Aussetzer; er war dann nicht ansprechbar. In der Schule wird er schwer gehänselt. Einmal liegt er zwei Wochen im  Krankenhaus, nachdem ihn Jugendliche eine Treppe hinunterstießen und bis zur Ohnmächtigkeit verprügelten.

 

Von Südafrika ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Im Alter von nur 17 Jahren wandert Musk schließlich zum Studieren nach Kanada aus – was auch eine Möglichkeit ist, um dem Wehrdienst in Südafrika zu entgehen. Kurze Zeit später folgt ihm sein Bruder Kimbal. Musk studiert zunächst in Ontario, bevor er nach zwei Jahren an die University von Pennsylvania wechselt, wo er Bachelor-Abschlüsse in Volkswirtschaft und Physik absolviert. Laut Biograf Vance sind die USA für Musk damals tatsächlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem er seine Träume verwirklich kann. 

Für jemanden mit Interesse an Elektroautos, Physik und Weltverbesserung konnte aber nur Kalifornien das Ziel sein, genauer: das Silicon Valley. Musk studiert angewandte Physik an der Elite-Universität Stanford – aber nur zwei Tagen lang. Dann wirft er sein Studium hin, um mit seinem Bruder den Online-Stadtführer Zip2 zu gründen. Die Software-Firma der Musks wird vier Jahre später von Compaq für 35 Millionen Dollar gekauft. Elon steckt seinen Anteil von 22 Millionen Dollar fast vollständig in seine nächsten Firma X.com, die später in dem Zahlungsdienst Paypal aufgeht. Der Verkauf im Jahr 2002 für 1,5 Milliarden Dollar bringt ihm als größten Anteilseigner 165 Millionen Dollar. Nun kann Musk endlich mit eigenem Kapital in die erste Liga der Tech-Unternehmer aufsteigen...

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Novemberausgabe von bizz energy. Das Heft ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder bei unserem Aboservice unter bizzenergy@pressup.de erhältlich. Digital können Sie es bei ikiosk.de lesen.

Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Elon Musk | Solarcity
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