Tesla und Solarcity
28.07.2016

Ein schwieriger Fall von Corporate Governance

Foto: Onlineinnovation, BrokenSphere
Elon Musk gerät zunehmend unter Druck.

Tesla-­Chef Elon Musk steht offenbar kurz davor, Solarcity zu übernehmen, das defizitäre Solarunternehmen seiner Cousins. Kritiker wittern Vetternwirtschaft.

Leitlinien zu guter Corporate Governance, also zu Grundsätzen der Unternehmensführung, gibt es aus gutem Grund. Sie empfehlen zum Beispiel, dass in einem Aufsichts­- oder Verwaltungsrat möglichst viele unabhängige Mitglieder sitzen. Das soll verhindern, dass sie in einen Interessenkonflikt geraten, weil sie in einer geschäftlichen oder persönlichen Beziehung zu der Gesellschaft, ihren Organen oder einem kontrollierenden Aktionär stehen. 

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Tesla-­Chef Elon Musk kümmern solche Prinzipien herzlich wenig: Insidern zufolge steht der US­-Autobauer kurz vor der Übernahme von Solarcity – einem Unternehmen, mit dem der Shooting­-Star aus dem Silicon Valley kaum mehr verbandelt sein könnte: Seine Cousins Lyndon und Peter Rive sind CEO und Finanzchef des Solarstrom-­Unternehmens, Musk selbst ist mit rund 20 Prozent Aktienbesitz größter Aktionär beider Firmen, als auch Vorsitzender des Verwaltungsrats von Solarcity. 

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Übernahme für 2,8 Milliarden Dollar

Die Überprüfung der Bücher sei fast abgeschlossen und man könnte sich bereits in diesen Tagen auf die Bedingungen der Übernahme einigen, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen am Samstag. Musk hatte im Juni verkündet, Tesla wolle die Solarstrom-Firma seiner Cousins für 2,8 Milliarden Dollar in eigenen Aktien übernehmen. Wenn er die Solaranlagen von Solarcity in die Energiesparte von Tesla integriert, könnte er Autos, Batteriespeicher und Ökostrom aus einer Hand anbieten. Diese Vision ist Teil seines zweiten „Masterplans“ für die Zukunft des Autobauers, in dem auch die Entwicklung von Elektro-­Lastwagen und ­Bussen sowie selbstfahrende Roboter-­Taxis eine Rolle spielen. 

Der Übernahmeplan stieß bei Aktionären und Branchenexperten auf Kritik. Sie ließen die Tesla­-Aktien in den Keller rauschen, während Solarcity-­Papiere zulegten. Der amerikanische Investment­-Manager Jim Chanos sagte dem Sender CNBC, der Deal sei eine Rettungsaktion für Solarcity und „ein beschämendes Beispiel für Corporate Governance in ihrer schlimmsten Form“. Denn zum einen ist Solarcity defizitär und hoch verschuldet. Im vergangenen Jahr verbrannte das Unternehmen mehr Geld, als es einnahm: Während der Umsatz kräftig um rund 40 Prozent auf knapp 400 Millionen Dollar stieg, verdoppelte sich der Verlust auf 768 Millionen Dollar. 

 

Finanzexperten wittern Vetternwirtschaft 

Befürchtet wird deshalb, dass eine Übernahme vor allem Solarcity und weniger Tesla nutzen würde. Schließlich hat der Autobauer genug eigene Baustellen: Neben der Aufstockung der Produktion für das neue Elektro­Modell 3 und dem Bau der Giga­-Batteriefabrik vor allem die Unfälle mit Tesla-­Fahrzeugen bei angeschaltetem „Autopilot“. Durch sie hat das Unternehmen nicht nur einen Imageverlust erlitten, sondern ist auch ins Visier der Behörden geraten

Zum anderen sind Tesla und Solarcity durch ein ganzes Netz von Beziehungen miteinander verflochten: Neben Elon Musk ist Antonio Garcias ebenfalls in beiden Unternehmen Verwaltungsratsmitglied. Und in dem eigens zur Überprüfung des Deals eingerichteten, zweiköpfigen Sonderkommitee ist mit Nancy Pfund eine Investorin an Bord, die als Partnerin der Investmentfirma DBL Partners sowohl in Tesla als auch in Solarcity investiert hat. Außerdem fungierte sie bis zum Börsengang von Tesla als „Beobachterin“ in dessen Verwaltungsrat und ist Mitglied im Verwaltungsrat der Solarfirma. Ähnlich ist die Lage bei Steve Jurvetson and John Fisher von der Wagniskapitalfirma Draper Fisher Jurvetson: Sie haben Tesla als auch Solarcity finanziell unterstützt und sitzen jeweils in einem der beiden Verwaltungsräte. 

 

Droht die Übernahme noch zu platzen? 

Nur zwei der sieben Mitglieder des Tesla­-Verwaltungsrats haben keinerlei Verbindungen zu Solarcity. Bei Solarcity kann das umgekehrt sogar nur einer der insgesamt acht Personen im Verwaltungsrat von sich behaupten. Fünf Mitglieder, darunter Musk und Antonia Garcias, wollen sich denn auch bei Abstimmung über das Übernahmeangebot enthalten, bei den Diskussionen darüber sind sie allerdings anwesend. Der Financial Times zufolge rechnen Rechtsexperten bereits mit Klagen von Aktionären, falls der Deal zustande kommt. 

Elon Musk bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen. „Wir gehen über das hinaus, was rechtlich nötig ist, um (die Übernahme) auch moralisch korrekt zu vollziehen“, sagte der Gründer im Gespräch mit Analysten. Er versprach, dass die Mehrheit der anderen Aktionäre beider Unternehmen zustimmen müsse, damit das Geschäft stattfindet. Noch ist der Ausgang allerdings offen: Dem Insider zufolge sei es nicht auszuschließen, dass die Übernahme doch noch platzen könnte. 

Ungeachtet aller Kritik zeigt sich Musk in Feierlaune – und öffnete am Dienstag kurzerhand die Tore seiner noch im Rohbau befindliche Gigafactory im Bundesstaat Nevada. „Ich freue mich schon auf die offizielle Eröffnungsparty nächste am Freitag“, zwitscherte Musk über den Kurznachrichtendienst Twitter.
 
 
 
Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Elon Musk | Solarcity | Corporate Governance
Ressorts:
Finance | Markets

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