Kohlebasierte Geschäftsmodelle bergen zunehmend ökonomische Risiken. Deswegen ist der Schritt des weltweit größten Versicherers Allianz, künftig keine kohlebasierten Konzerne mehr zu finanzieren, „eine ganz natürliche Reaktion“, sagte der Ökonomieprofessor Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel im Gespräch mit BIZZ energy today.

„In der Wirtschaft macht sich die Überzeugung breit, dass die Zukunft der fossilen Energieträger eben keine Zukunft mehr ist.“

Allianz will das Depot im Laufe der nächsten sechs Monate abbauen

Andreas Gruber, Chefinvestor der Allianz, sagt in einem ZDF-Interview: „Die Allianz steigt aus der Kohle aus. Wir werden nicht mehr in Bergbau -und Energieunternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes beziehungsweise ihrer Energieerzeugung aus Kohle generieren.“ Nach den Worten des Chefinvestores erfolgt der Depotabbau im Laufe der nächsten sechs Monate. „Bei festverzinslichen Anlagen werden wir keine Verkäufe tätigen, aber wir werden unsere bestehenden Investments auslaufen lassen", so Gruber in dem Interview, das am heutigen Dienstagabend um 21 Uhr ausgestrahlt wird.

Auch die Staaten sind gefordert

Um die globale Erwärmung zu bremsen, gehen die Ankündigungen privater Investoren jedoch nicht weit genug, findet der Kieler Klimaökonom Klepper. Auch die Regierungen müssten umdenken, fordert er. „Heute werden viele Fossile noch weitgehend durch staatliche Subventionen unterstützt.“ Diese müssten, wie bereits lange von der OECD gefordert, abgeschafft werden.

Mit Blick auf den am Montag startenden Pariser Klimagipfel sagte Klepper: „Es gibt sicher massenhaft stranded assets, wenn die Klimapolitik in Paris einen Schritt nach vorne macht.“

Allianz Treptowers in Berlin. (fotos: Allianz)