Dossier
30.09.2015

Eine Glaubensfrage

fotos: RWE, GKM
Blick in die Röhre: Der neue SteinkohleBlock 9 des Großkraftwerks Mannheim ist inzwischen in Betrieb. Zwar ist die Anlage hocheffizient. Doch auf zusätzliche Unterstützung durch einen Kapazitätsmarkt können die Betreiber kaum hoffen.

Wirtschaftsminister Gabriel hat entschieden: kein Kapazitätsmarkt für fossile Kraftwerke, aber Privilegien für die Braunkohle. Geht das gut? Die Meinungen gehen weit auseinander. Der Streit um Gesetzes-Details mit vermeintlich großer Wirkung hat bereits begonnen.

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Geht es auch eine Nummer kleiner? Als Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Anfang Juli vor die Presse tritt, um die Einigung auf ein neues Design für den deutschen Strommarkt zu verkünden, ist kein rhetorisches Bild zu groß. Die im Weißbuch des Ministeriums formulierten Umbauten am regulatorischen Rahmen der deutschen Energiewirtschaft sind für ihn nicht weniger als die „Blaupause für die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie in einer modernen Industriegesellschaft“, ja ein „historisches Paket für neuen Wohlstand“.

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Weit sachlicher präsentierte sein nüchterner Staatssekretär das Weißbuch zu den Reformvorhaben der Bundesregierung. Rainer Baake (Grüne) formuliert die beiden entscheidenden Ausgangsfragen für das Weißbuch so: „Wie schaffen wir genügend Flexibilität, die wir brauchen, weil die Energiewende in Deutschland mit wachsender Produktion von Wind- und Solaranlagen funktionieren muss?“ Und: „Wie stellen wir sicher, dass wir zu allen Zeiten genügend steuerbare Kapazitäten haben, damit die Stromversorgung gesichert bleibt?“

Das neue Strommarktdesign soll Grünstrom in den Markt integrieren

Antwort: Die Bundesregierung lehnt Prämien-Zahlungen an fossile Kraftwerke ab. Stattdessen plant sie einen Strauß an Reformen und Reförmchen. Im sogenannten Energy-Only-Markt (EOM) 2.0 sollen die Kräfte des Wettbewerbs dort entfesselt werden, wo sie dem großen Ganzen nützen – und hart kontrolliert und eingeschränkt werden, wo es nötig scheint. Die meisten fossilen Kraftwerke werden weiterhin nur über den Verkauf ihrer Megawattstunden auf dem Markt Geld verdienen. Der große Kraftakt, die Einführung eines Kapazitätsmarkts, auf dem es allein für das Vorhalten von Leistung etwas zu verdienen gibt, bleibt aus. Die Folge ist ein neuer Glaubenskrieg in der Energiewirtschaft. Während Ökostrom-Händler und Entwickler von neuen, meist digitalen Geschäftsmodellen an die Innovationskraft des neuen Marktes glauben, sind Manager der alten Energiewirtschaft skeptisch: Sie befürchten Investitions- und schließlich Versorgungskrisen.

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Keywords:
Strommarktdesign | Strommarkt 2.0 | EEG-Reform | Sigmar Gabriel | Bundeswirtschaftsministerium | RWE | GKM | EnBW | BDEW | Rainer Baake
Ressorts:
Finance | Governance | Markets

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