Wärmewende
05.02.2014

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Nest (2)

Frustrierte Manager, lustlose Politiker, unwillige Bürger: Der deutschen Wärmewende fehlt die Energie. Jetzt bringt sich Google in Stellung, den Markt mit Lifestyle-Produkten aufzurollen. Wahrscheinlich erfolgreich.

Wenn es etwas gibt, was Sigmar Gabriel gerade verfolgt, dann ist es Wärme: Die Mitglieder seiner Partei umarmen und herzen den SPD-Chef bei jeder Gelegenheit. Schließlich hat er es der Union in den Koalitionsverhandlungen so richtig gezeigt. 

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Auch als Bundeswirtschafts- und Energieminister wollte sich Gabriel eigentlich mit Wärme befassen. Zumindest hatte er im Wahlkampf die Wärmewende wiederholt als „schlafenden Riesen“ bezeichnet und damit deren enormes Potenzial für den Klimaschutz angedeutet. Doch bislang blieb er tatenlos. Während der Koalitionsklausur auf dem Regierungsschloss Meseberg Ende Januar wurde das Thema erst gar nicht diskutiert.

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In der Wirtschaft herrscht daher eine Mischung aus Ungeduld und Frust. So fordert etwa der Gasag-Vorstandsvorsitzende Stefan Grützmacher: „Statt uns weiter ausschließlich am Strom abzuarbeiten, sollten wir das Potenzial des Wärmemarktes endlich heben.“ Vaillant-Geschäftsführer Carsten Voigtländer sieht Wärme nur als „Randthema“ im Koalitionsvertrag. Und Wingas-Chef Gerhard König kritisiert: „Der Wärmemarkt bleibt die Schwachstelle der Energiewende.“

Mehr Engagement von der Großen Koalition fordert auch Friedbert Pflüger, ehemals CDU-Staatssekretär der ersten schwarz-roten Regierung Merkel: „Allein durch technische Neuerungen bei Heizungen könnte Deutschland seinen Energieverbrauch um 15 Prozent reduzieren.“

Google macht's vor

Wärmewende? Ist da noch was? Ja, da ist sogar ziemlich viel. Es gibt nämlich auch gute Nachrichten für die deutsche Wärmewende – ausgerechnet aus den USA. Eine Woche bevor Gabriel sein Eckpunktepapier zur EEG-Reform präsentierte rief dort der Suchmaschinenkonzern Google seine ganz eigene Energiewende aus. Google-Chef Larry Page hat sie mit 3,2 Milliarden Dollar (2,34 Milliarden Euro) üppig ausstaffiert: Für diese happige Summe will sich der Internetgigant ein kleines Start-up mit geschätzten 300 Millionen Dollar Jahresumsatz einverleiben: Nest. 

Die kleine Firma aus San Francisco mit dem niedlichen Namen entwickelt sich zu so etwas wie einem Google für zu Hause: Sie vertreibt fernsteuerbare, mit Sensoren vollgepackte, selbst lernende Designer-Thermostate, die über das Internet vernetzt sind. Für Google ist Nest der Brückenkopf in den Energiemarkt. Und eine Kampfansage: Der Internetgigant will nach den PCs, Smartphones und Tablets jetzt auch Wohnungen und Büros kapern. Er hat sich für die erste Attacke den Wärmemarkt ausgesucht.

Nest werde zu einem durchschlagenden Erfolg, erwartet Gunther Wagner, Direktor bei der Beratungsfirma Deloitte. Es ziehe die Leute an wie ein iPhone: „Es ist sexy, smart, und man kann damit angeben“, erklärt Wagner, der gerade erst eine Studie zu den Erfolgsfaktoren bei Heimsteuerungs-Systemen geleitet hat. Der Berater ist sicher: „Smart Home wird über den Lifestyle in den Markt kommen.“

Zwar bietet Nest bislang lediglich zwei unscheinbar wirkende Produkte (den Thermostat und einen Rauchmelder) und vermarktet diese nur in den USA und Großbritannien. Dennoch müssen sich die Energieversorger auch hierzulande warm anziehen: Erstmals bringt sich ein Hightech-Riese offen in Stellung für die kommende Schlacht um die globale Gebäudeautomation. 

Apple, Samsung und Co ziehen nach

Und Google kommt nicht allein: Weitere klangvolle Namen aus der IT- und Elektronikindustrie rüsten sich für den Markt. So hat sich Apple vor Weihnachten ein US-Patent (Nr. 8,577,392) auf die Hausvernetzung gesichert; auch Samsung aus Südkorea baut eine eigene Plattform auf für die intelligente Haussteuerung der Zukunft – das „Smart Home“.  

Ob die ohnehin finanziell angeschlagenen deutschen Energiekonzerne beim intelligenten Zuhause lange mithalten können, daran hegt Deloitte-Mann Wagner Zweifel: „Die Versorger beschäftigen sich viel zu sehr mit sich selbst.“ Sie laufen laut Wagner Gefahr, einen Megatrend zu verschlafen. Zwar werden sie auch künftig Energie liefern können. „Aber das ganze lukrative Zusatzgeschäft machen dann andere.“

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Thomas Wendel
Jakob Schlandt
Keywords:
Google | Nest | Smart Home | Energieeffizienz
Ressorts:
Governance | Markets

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