Research
01.10.2018

Elektrobusse sind auf lange Sicht günstiger

Foto: Stadtwerke Münster
Der E-Bus lädt per Dachstromabnehmer seine Batterien.

Die Zahl der E-Busse hierzulande wird sich in diesem Jahr voraussichtlich verdoppeln. Berechnungen von bizz energy Research zeigen, dass sich die Elektrifizierung von Busflotten trotz der höheren Anschaffungskosten lohnt.

In der Umstellung von Busflotten des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) auf batterie-elektrische Antriebe steckt für die städtischen Verkehrsbetriebe großes Potenzial. Schließlich lässt sich der Energiebedarf und -verbrauch von Elektrobussen im ÖPNV besonders vorausschauend kalkulieren, weil die Verkehrsunternehmen die nötigen Kennzahlen wie Fahrt- und Standzeiten bereits digital erfassen. Zudem bieten ihnen ihre Betriebshöfe und Werkstätten die Möglichkeit, für die nötige Infrastruktur und Wartung zu sorgen.

Anzeige

Anzeige

Noch immer kostet ein E-Bus zwar etwa doppelt so viel wie sein Diesel-Äquivalent, dazu kommen die Kosten für die Installation einer Ladeinfrastruktur. Berechnungen von bizz energy Research zeigen aber, dass ein E-Bus im Betrieb auf lange Sicht günstiger ist: Im Kostenvergleich (Total Cost of Ownership) amortisiert sich ein elektrisch betriebenes 12-Meter-Standardfahrzeug nach einer Laufleistung von etwa 42.000 Kilometern. Die Energiekosten liegen – bei einer Nutzungsdauer von 15 Jahren – beim E-Bus bei 17 Prozent, während sie bei einem Dieselbus mit 38 Prozent einen fast doppelt so hohen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Selbst Wartung und Instandhaltung fallen beim E-Bus etwas günstiger aus.

E-Bus-Projekte vor allem in Städten

Nicht nur Geld, vor allem auch Treibhausgase können mit der Elektrifizierung im ÖPNV eingespart werden. Denn anders als ein emissionsfreier E-Bus emittiert ein Diesel-Bus im Stadtverkehr jährlich knapp 79 Tonnen CO2 -Äquivalente (inklusive Vorkette). Auf dem Land sind es zwar nur circa 40 Tonnen und damit  knapp halb so viel, dafür legen Busse dort im Jahresvergleich auch weniger Gesamtkilometer zurück. Dies dürfte erklären, warum die laufenden E-Bus-Projekte in Deutschland hauptsächlich in städtischen Arealen umgesetzt werden. Zumal dort die Auswirkungen von Treibhausgasemissionen und Fahrlärm am größten sind. Dennoch und trotz öffentlicher Förderung und drohenden Innenstadt-Fahrverboten hat die Elektrifizierung der ÖPNV-Busflotten bislang eher Seltenheitswert: Derzeit gibt es 40 solcher Projekte,  dabei legten insgesamt 171 batterieelektrische Busse bisher zehn Millionen Testkilometer zurück.   

Kostenvergleich
Bei einer angenommenen Laufleistung von 100.000 Kilometern pro Jahr amortisiert sich ein Elektrobus bereits nach weniger als der Hälfte der zurückgelegten Strecke.

Technologisch scheinen Hybridbusse mit Diesel- und Batterieantrieb ins Hintertreffen zu geraten, die Nachfrage nach solchen Modellen ist rückläufig. Dagegen ist die Nachfrage nach batterie-elektrischen Bussen stark steigend, die auch aus deutscher Produktion kurz vor der Serienreife stehen. Für lange Strecken gelten mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge, bei denen eine Brennstoffzelle die Batterie als Range-Extender (Reichweitenverlängerer) ergänzt, als gute Alternative.

PV-Anlagen auf dem Depot

Ein weiteres Plus: E-Busse können nicht nur mit Strom vom Regelenergiemarkt, sondern auch mit selbsterzeugtem Strom betrieben werden, der etwa von Photovoltaik-Anlagen (PV) auf dem Depot kommt. Digitale Systeme könnten Stromnachfrage-Spitzen wie im Schul- oder Berufsverkehr abfangen,  Stromüberschüsse zwischenspeichern und den Ablauf von der Stromerzeugung über Verbrauch und Ladung bis zur Zellspannung und Zelltemperatur im Speicher regeln. Die nötige Datenerfassung zur Steuerung und Optimierung ist auch aus der Ferne möglich. Allerdings fehlt noch ein einheitlicher Rechtsrahmen für das Energiespeichern und damit verbundene Kosten.

Hersteller von Elektrobussen:

  • Linkker (Finland)
  • Volvo (Schweden)
  • VDL (Niederlande)
  • Ebusco (Niederlande)
  • Eurabus (Deutschland)
  • Sileo (Deutschland)
  • MAN (Deutschland)
  • Mercedes (Deutschland)
  • Van Hool (Belgien)
  • Bolloré (Frankreich)
  • Irizar (Spanien)
  • Hess (Schweiz)
  • Bredamenarinibus (Italien)
  • Solaris (Polen)
  • SOR (Tschechien)

Lesen Sie auch: Bus-Hersteller Solaris will mit Wasserstoff wachsen

 

 

bizz energy Research
Keywords:
Elektrobusse
Ressorts:
Markets

Kommentare

Sie haben Caetano / Cobus aus Vila Nova de Gaia, Portugal vergessen. Flughafen Busse. http://caetanobus.pt/en/buses/e-cobus/
Global gibt es noch viel mehr. Proterra, USA und BYD, China. Nur als Beispiel..

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen