Batteriezellen
14.02.2018

Elektrolobby: Geringe Chancen für "Gigafactory" in Deutschland

Foto: Varta
Batterietechnik wie hier bei Varta wird in Deutschland reichlich produziert – aber keine Batteriezellen für Elektroautos.

Ein Werk für Batteriezellen, wie Tesla es in den USA errichtet, wird es in Deutschland so bald wohl nicht geben. Die deutsche E-Technik- und Elektronikindustrie sieht große Hindernisse. Für andere Sparten des Batteriegeschäfts ist sie optimistisch.

Maroš Šefčovič drängte Anfang der Woche zur Eile: "Mehr als zehn Gigafactories" für Batteriezellen in Europa forderte der EU-Energiekommissar nach einer Unterredung mit Industrievertretern in Brüssel. Bis zum Jahr 2025 müssten 100 Gigawattstunden Produktionskapazität für den Bedarf der Autoindustrie her.

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In Deutschland wird Šefčovičs Wunsch so rasch wohl niemand erfüllen. Die Elektroindustrie rechnet nicht mit dem baldigen Aufbau einer Großfertigung von Lithium-Ionen-Zellen, die vor allem für Elektroautos vorgesehen sind. Die Nachfrage ist nach Einschätzung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) noch zu ungewiss, das Investitionsrisiko einfach noch zu hoch: "Es geht um ein Mindestinvestment von 1,5 Milliarden Euro", sagt Otmar Frey, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Batterien, im Gespräch mit Journalisten in Berlin. "Sie können Zellenproduktion nicht klein anfangen. Man muss von 0 auf 100 arbeiten." Wer beim Aufbau einer Zellenfertigung auf halber Strecke steckenbleibe, habe ein "stranded investment", warnt Frey.

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Skepsis bei Hersteller Varta

 

Ähnliche Skepsis herrscht bei Varta, einem der größten Batterieproduzenten in Deutschland: "Man kann das nicht erzwingen. Wenn sich niemand committen will, ist die Zellenproduktion kein Business Case", sagt Rainer Hald, Technik-Chef bei Varta Microbattery, mit Blick auf strategische Investoren und mögliche Großabnehmer. (Lesen Sie auch: Erste deutsche Batteriezellen-Fabrik könnte im Ausland entstehen)

 

In Deutschland wird zwar eine Vielzahl und Vielfalt von Batteriesystemen entwickelt und produziert - eine Großproduktion von Lithium-Ionen-Zellen als Grundlage für E-Auto-Akkus gibt es jedoch nicht. Solche Fertigungskapazitäten gelten unter Branchenexperten aber als strategisch wichtig in einem globalen Mobilitätsmarkt mit wachsendem Anteil batteriebetriebener Fahrzeugen.

 

Fehlender Standard für E-Auto-Zellen

 

"Eine Zellenfertigung in Deutschland wäre sehr wünschenswert", sagt auch ZVEI-Batterieexperte Frey. Deshalb begrüße der Verband Initiativen wie die vom Bund geförderte Batterieforschungsinitiative "Fab4Lib" und das Vorhaben des Konsortiums TerraE, das den Bau der ersten deutschen Zellen-Großfertigung plant. Doch damit ist es aus Freys Sicht nicht getan: "Es braucht mehr als Absichtserklärungen, es braucht das Invest."

 

Auch beim Autozulieferer Johnson Controls erwartet man keinen raschen Nachfrageschub, der eine deutsche Gigafactory zu einer sicheren Wette machen würde: "Der Markt wird nicht so schnell kommen, wie die Politik sich das wünscht", sagt Christian Riedel, Kommunikationsdirektor bei Johnson Controls Power Solutions in Europa. Er und Varta-Manager Hald sehen zudem im Fehlen eines Standards für E-Auto-Batteriezellen ein großes Hindernis. "Wenn es den gäbe, kämen wir bestimmt einen Schritt weiter", so Riedel."

 

Mehr als nur E-Mobilität

 

Der Johnson-Controls-Manager warnt davor, sich im Batteriemarkt auf Lithium-Ionen-Technologie für E-Autos zu fixieren. Die Industrie in Deutschland biete viel breiteres Technologie-Know-how und spiele beispielsweise im Markt für stationäre Stromspeicher zur Stabilisierung der Netze vorn mit. Vartas Geschäft mit Heimspeicher-Batterien auf Lithium-Ionen-Basis  beispielsweise wächst stark, ebenso sein Umsatz mit Kleinbatterien für tragbare Technologie wie etwa Hörgeräte.

 

Deutschland legt nach ZVEI-Angaben beim Export von Lithium-Ionen-Batterien auf Basis importierter Zellen zu. Der Export-Umsatz mit solchen Batterien sei zwischen 2011 und 2016 von 200 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro gestiegen (aktuellere Zahlen liegen dem Verband noch nicht vor). Der deutsche Batteriemarkt wuchs im selben Zeitraum von 1,7 Milliarden Euro um knapp 64 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die starke Steigerung führt der ZVEI vor allem auf die hohe Nachfrage nach Batterien insgesamt und den gestiegenen Import von Lithium-Ionen Zellen zurück.

 

Bleibatterien noch verbreitet

 

Der Trend geht zwar zur Lithium-Ionen-Technologie, doch laut ZVEI haben Batterien auf Bleibasis noch einen etwa gleich hohen Marktanteil. Sie sind nicht nur als herkömmliche Auto-Starterbatterien in Gebrauch. Auch die in den meisten Neuwagen installierten Start-Stopp-Systeme beispielsweise ziehen ihren Strom aus speziell dafür entwickelten Bleibatterien. Leicht rückläufig war im Jahr 2016 nach mehrjähriger Wachstumsphase der Markt für eine Reihe anderer, weniger verbreiteter Batterietypen.

 

Lesen Sie auch: Megafabriken für Batterien treiben Lithiumpreise

 

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Batteriezellen | Elektromobilität | Batterien
Ressorts:
Technology | Markets

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