Grüner Verkehr
13.04.2016

"Elektromobilität ist zu autozentriert"

foto: Naturstrom
Der Bundesverbands Solare Mobilität will der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen – und setzt dabei nicht nur auf Autos.

Auf der heute beginnenden Ergebniskonferenz des Schaufensterprogramms Elektromobilität in Leipzig will sich die Bundesregierung selbst feiern. Doch ihr Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 ist zur Luftnummer geworden.

 

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Deutschland – Frankreich 2:1. Was im Fußball ein gutes Ergebnis wäre, ist für die deutsche Autoindustrie ein schlechtes Verhältnis. Es beschreibt nämlich das Gewicht des oft gelobten BMW i3 im Vergleich zu seinem französischen Konkurrenten Twizy von Renault. Während der vermeintliche Leichtbau der Bayern immer noch 1,2 Tonnen auf die Waage bringt, kommt der schlanke Franzose mit weniger als der Hälfte aus.

Hinter den Gewichtsangaben steckt eine Richtungsentscheidung in der Elektromobilität. Um Leichtfahrzeuge wie den Twizy aufzuladen, reichen dreieinhalb Stunden an einer haushaltsüblichen, einphasigen Steckdose. Um schwerere Pkw schnell mit Strom zu betanken, braucht es dreiphasige Anschlüsse mit elektrischen Leistungen über 22 Kilowatt. Die entsprechenden Ladesäulen seien etwa sechs Mal so teuer, erklärt Thomic Ruschmeyer, Vorsitzender des Bundesverbands Solare Mobilität (BSM). „Wenn nun in die Infrastruktur investiert wird, sollte der Ausbau in der Fläche Vorrang haben“, sagt Ruschmeyer. Und der wäre mit abgespeckten Ladesäulen für leichtere Fahrzeuge billiger zu haben.

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Mit elektrischen Lastenrädern durch die Stadt

Der BSM hat den Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) als Partner, deshalb steht für ihn weniger das Wohl der deutschen Autoindustrie im Vordergrund als die schnelle Elektrifizierung des Straßenverkehrs – möglichst mit Strom aus Wind- und Solaranlagen. Mehr Tempo versprechen sich die alternativen Elektromobilisten deshalb nicht von Autos mit dem gewohnten Komfort. Twizy-Fahrer müssen in der ultraleichten Basisversion auf Seitentüren verzichten, die Lüftung spart sich der Hersteller da gleich mit. Für Ruschmeyer könnte Elektromobilität sogar noch wesentlich schlanker sein: mit deutlich mehr elektrisch betriebenen Zweirädern, Rollern und Pedelecs. „In Deutschland ist Elektromobilität zu autozentriert. Wenn wir die Verkehrswende wollen, können wir nicht einfach das Modell Automobil global hochskalieren“, ist der Verbandsvertreter überzeugt.

Bei der seit Dienstag laufenden Leipziger Messe new mobility lässt sich beispielsweise ein modernes, elektrisch betriebenes Kicktrike besichtigen. Eine Akkuladung reicht für 50 Kilometer, 170 Kilogramm lassen sich mit dem Gefährt insgesamt transportieren. Eine ganze Palette von elektrisch unterstützen Lastenrädern ist bereits seit Jahren auf dem Markt und im innerstädtischen Lieferverkehr erprobt. Vielleicht sollte die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen einfach etwas weiter auslegen.

Manuel Berkel
Keywords:
Elektromobilität | BMW i3 | Renault Twizy | Frankreich | Deutschland | Verkehr | new mobility | BSM | BEE
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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