Debatte
13.11.2018

"Elektromobilität ist Teil der Lösung"

Foto: iStock
Mit bidirektionalem Laden sollen Elektroautos künftig das Stromnetz stabilisieren.

Photovoltaik wächst, Elektromobilität boomt. Um die Netze zu stabilisieren, braucht es daher mehr als ihren Ausbau und intelligente Software, sagt Tim Ulbricht von Kiwigrid. Ein Debattenbeitrag.

Unsere Marktprognosen gehen von einem weiteren Wachstum der Photovoltaik und von einem Boom von Elektromobilität aus. Wir rechnen mit bis zu 400.000 neuen PV-Dachanlagen und einer Steigerung des Marktanteils der Elektrofahrzeuge auf 17 Prozent bis 2023. Die Probleme auf der Niederspannungsebene werden damit steigen.

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Die Lösung kann nicht allein Netzausbau sein. Genauso wenig genügt allein Software-technische Intelligenz. Mindestens genauso wichtig sind kundenorientierte Lösungen, sowohl regulatorisch als auch vertrieblich. Wenn Eigenheimbesitzer ihre Flexibilität für die Netzstabilisierung bereitstellen sollen, dann müssen sie in erster Linie mit attraktiven Produkten überzeugt und nicht mit Gesetzen gezwungen werden.

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Wandel hin zum Systemdienstleister

Der Kunde von morgen wird Dienst­leistungen nachfragen, die Mobilität, Energie und Wärme sinnvoll zu einem System verbinden. Und die ohne Komfort­einschränkung zur Flexibilisierung des Energiesystems beitragen können. Energievertriebe vollziehen damit einen Wandel vom Commodity-Anbieter hin zum Systemdienstleister sowie Flexi­bili­täts­vermittler für Netz und Handel.

Der Kunde kann, will und muss davon nichts mitbekommen. Nutzer wissen auch nicht, wie der Computer oder das Smartphone im Detail funktionieren. Sie wollen es nutzen, ohne sich mit Betriebssystemen oder Installationsprozessen befassen zu müssen. Vertrieblich zeigen die Mobilfunkanbieter, wie es geht. Sie koppeln Endgeräte mit Services und Tarifen. Die Komplexität nehmen sie ihren Kunden ab.

Smart Meter Gateways bieten Potenzial

Ein weiteres Problem ist die fehlende technische Standardisierung. Heute sind für die verschiedenen Netzstabilitätsinstrumente wie Einspeise- und Lastmanagement, Direktvermarktung oder Regelleistung unterschiedliche Steuertechnologien im Einsatz. Ein unübersichtliches Flickwerk, das viele Geschäftsmodelle von vornherein zerstört und damit Innovation bremst. Aus unserer Sicht bieten Smart Meter Gateways mit einer integrierten Steuerboxfunktion das einmalige Potenzial, als standardisierte und hochsichere Infrastruktur für das gesamte dezentrale Energiesystem zu dienen.

Keine Frage, Elektromobilität wird die Netze zusätzlich belasten. Sie ist jedoch gleichzeitig Teil der Lösung. Elektrofahrzeuge können überschüssigen Strom aus dem Netz aufnehmen oder Strom, den sie selbst aktuell nicht benötigen, bei Engpässen ins Netz einspeisen.

Für uns steht fest: Netzausbau und Netzüberlastung lassen sich nur mit einfachen, integrierten Endkundenprodukten und intelligenten technische Lösungen vermeiden. Dafür braucht es bessere regulatorische Rahmenbedingungen, angefangen bei der Anreizregulierung bis hin zur Einführung eines Ampelkonzeptes für Smart Grids.

Tim Ulbricht. Foto: Kiwigrid
Tim Ulbricht ist Geschäftsführer beim Dresdner Unternehmen Kiwigrid. Es entwickelt Software für dezentrale Stromnetze, vernetzte Geräte und intelligentes Strom-Management. Ulbricht verantwortet bei Kiwigrid die Bereiche Produkt, Marketing, Vertrieb und Service. Zuvor war der 48-Jährige unter anderem als Manager in der Solarwirtschaft und in der Softwareentwicklung  für die Automotive-Branche tätig.

Lesen Sie hier den Debattenbeitrag von Lex Hartman, Geschäfts­führer des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO.

Tim Ulbricht
Keywords:
smart Grids | Digitalisierung | Netzausbau | Elektromobiltität
Ressorts:
Technology

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