Atommüll
20.04.2015

Endlager-Kommission warnt vor Kostenexplosion

Update

Der 2011 beschlossene Atomausstieg könnte die Bundesregierung teuer zu stehen kommen. Laut dem Vorsitzenden der Endlager-Suchkommission, Michael Müller, würden die tatsächlichen Ausgaben bei bis zu 70 Milliarden Euro liegen. Eon, RWE und Co. haben bislang 36 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet.

 

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Jahrzehntelange Verzögerungen bei der Standortsuche und beim Bau eines geeigneten Atommüll-Endlagers könnten die Ausgaben in die Höhe treiben. Die Experten der Endlager-Suchkommission erwarten, dass die letzten Atommüll-Behälter erst zwischen 2075 und 2130 eingelagert werden, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bis der Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks“ erreicht sei, würden wohl nochmals mindestens zwanzig bis vierzig Jahre vergehen - derzeit rechnen die Experten mit einem Zeitfenster zwischen 2095 und 2170 oder später.

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„Auf den Staat kommen erhebliche finanzielle Risiken zu, wie das auch die Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen“, sagte der Vorsitzende der Endlager-Suchkommission des Bundestages, Michael Müller (SPD), der Frankfurter Rundschau.

Die Kostensteigerungen könnten demnach die bisher vorhandenen Rückstellungen der vier Energieriesen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW übersteigen. Müller rechnet in den nächsten Jahrzehnten mit Ausgaben von 50 bis 70 Milliarden Euro; die Rückstellungen der Stromkonzerne für Abriss der Atomkraftwerke, Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Mülls belaufen sich auf 36 Milliarden Euro.

Gutachten bestätigt Risiken

Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der vier Atomkraftwerks-(AKW)-Betreiber hatte die Bundesregierung ein Gutachten in Auftrag gegeben, um eventuelle Risiken aufzuzeigen. Darin kommen die Experten zu dem Schluss, dass erhebliche Gefahren für den Steuerzahler bestehen; sie empfehlen einen öffentlichen Fonds für den AKW-Abriss, in den die Rückstellungen teilweise oder ganz fließen sollten.

Bund erwartet doppelt so viel Atommüll

Ende 2014 korrigierte die Bundesregierung ihre Atommüll-Prognose drastisch nach oben: Für das Endlager Schacht Konrad rechnete sie statt mit 298.000 von da an mit einer Gesamtmenge von rund 600.000 Kubikmetern.

Die Menge der zu entsorgenden Abfälle mit „vernachlässigbarer Wärmeentwicklung“ würde sich verdoppeln, berichtete die Süddeutsche Zeitung seinerzeit unter Berufung auf einen Entwurf des sogenannten nationalen Entsorgungsplans.

 

Daniel Zugehör
Keywords:
Atommüll | Schacht Konrad | Bundesregierung | Atommüllendlager | Endlager | Kernkraft | AKW
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