Erneuerbare Energien
20.01.2014

Energieökonom Hohmeyer greift Gabriels EEG-Reform an

Heftige Kritik aus Flensburg: Die Reform der Grünstromförderung „geht in die komplett falsche Richtung“, sagt Energiewissenschaftler Olav Hohmeyer.

Der Flensburger Energiewisschenschaftler Olav Hohmeyer hat die Refompläne von Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) scharf attackiert. „Die Energiewende wird massiv abgebremst. Die Richtung ist völlig falsch“, sagte Hohmeyer BIZZ energy today. „50 Prozent Grünstromanteil sind in Deutschland schon bis 2022 zu erreichen“, sagte Hohmeyer, „auch ohne starke Steigerungen der EEG-Umlage“. In Gabriels Eckpunktepapier zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das am Mittwoch bei der Kabinettsklausur von der Bundesregierung besprochen wird, sind lediglich 40 bis 45 Prozent Erneuerbaren-Anteil bis 2025 vorgesehen. Hohmeyer sagte, Windkraft an Land und Photovoltaik seien so günstig, dass es dadurch keine nennenswerten Kostensteigerungen mehr geben werde. Der Offshore-Windkraft-Industrie müsse die Möglichkeit gegeben werden, sich zu entwickeln und die Kosten zu senken.

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Das Abbremsen des Ausbautempos bei den erneuerbaren Energien sei hingegen lediglich ein „optischer Effekt, um die Verbraucher zu beruhigen“. In Wahrheit gehe es darum, „den Betreibern großer fossiler Kraftwerke möglichst lange ein Auskommen zu sichern“.

Laut Hohmeyer haben in der Vergangenheit drei politische Weichenstellungen zu der stark gestiegenen EEG-Umlage geführt. Zum einen sei der Photovoltaik-Ausbau zu früh und mit zu hohen Kosten erfolgt. „Ich vermute dabei sogar politische Absicht, um die Energiewende zu diskreditieren“, sagte er. Zweitens seien die Ausnahmen für die Industrie von der EEG-Zahlung weiter gelockert statt eingeschränkt worden, was die Umlage für die übrigen Verbraucher in die Höhe getrieben habe. Drittens habe die Bundesregierung verhindert, dass die EEG-Umlage um den gleichen Betrag gesenkt werde wie die Grünstromeinspeisung den Börsenstrompreis drücke („Merit-Order-Effekt“).

Dies müsse nun geschehen, forderte Hohmeyer. Noch wichtiger sei aber, dass die Bundesregierung in Brüssel eine Reform des Emissionshandels durchsetze, um die Preise für Kohlendioxidemissionen nach oben zu bringen. „Mindestens brauchen wir einen Preis von zehn Euro pro Tonne, um der steigenden Braunkohleverstromung Einhalt zu gebieten“, sagte er.

Hohmeyer war bis zum Vorjahr Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung und ist Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft an der Universität Flensburg.

Titelbild: depositphotos

Jakob Schlandt
Keywords:
Olav Hohmeyer | EEG | erneuerbare Energien | Energiepolitik
Ressorts:
Governance

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