03.05.2018

Energie stiften: Kein einfaches Geschäft

Foto: Siemens-Stiftung
Tauschstation für Batterien des Projekts We-Hubs der Siemens-Stiftung in Afrika

Europäische Stiftungen treiben den Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern voran. Viele Projekte sind sinnvoll. Manche gehen schief.

Seite 1Seite 2nächste Seite

Diese Schildkröte kommt mit dem Lkw – und liefert Strom. Sonnenstrom. Das Projekt „Solar Turtle“ aus Südafrika ist im Grunde genommen ein Container mit Solarmodulen. Vier Kilowatt installierte Leistung haben die Module, genug, um Strom für ein lokales Unternehmen zu liefern. Oder um Batterien zu laden. Der Betreiber der Anlage kann so Energie verkaufen. Solar Turtle ist ein Projekt, das die Siemens-Stiftung in ihr Netzwerk „Empowering People“ aufgenommen hat, ein Netzwerk von Unternehmen mit Produkten für Entwicklungsländer.

Anzeige

Anzeige

Es ist nur ein Beispiel dafür, wie Stiftungen erneuerbare Energien in Entwicklungsländern fördern. Sie stellen eine Möglichkeit für die Bevölkerung dar, an Energie zu kommen, ohne dass aufwändig ein Stromnetz und eine landesweite Energie-Infrastruktur errichtet werden muss. (Lesen Sie auch: Afrika – Erneuerbare sollen sich bis 2027 fast verdoppeln)

Nur 5,7 Prozent in Entwicklungszusammenarbeit

Wie viel Geld Stiftungen insgesamt in erneuerbare Energien stecken, ist nicht bekannt. Aber Gerd Müller, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellt fest: „Die Bedeutung von Stiftungen hat in der Entwicklungszusammenarbeit immer mehr zugenommen.“

Allerdings auf niedrigem Niveau, wie ein Blick in die Datenbank Deutscher Stiftungen zeigt. Demnach haben 1.766 Stiftungen einen Bezug zur Entwicklungszusammenarbeit. „Von den rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts beschäftigen sich nur 5,7 Prozent mit Entwicklungszusammenarbeit“, heißt es beim Bundesverband Deutscher Stiftungen (BDS). Zum Vergleich: 9,9 Prozent der rechtsfähigen Stiftungen des bürgerlichen Rechts fördern Sport, 12,3 Prozent den Umweltbereich, 34,6 Prozent Bildung und Erziehung. Bei Treuhandstiftungen und Bürgerstiftungen sieh es ähnlich aus.

Kioske für Solarstrom

David Hoffmann, Projektmanager für Entwicklungszusammenarbeit bei der Siemens-Stiftung, vermutet, dass es an den rechtlichen Rahmenbedingungen liegt: „Es ist einfacher, einen deutschen gemeinnützigen Verein zu unterstützen, als mit internationalen Partnern oder gar Sozialunternehmen zu kooperieren.“ Denn die Stiftungen passen gut darauf auf, nicht ihren Status der Gemeinnützigkeit zu verlieren. Wie schwierig das ist, weiß Hoffmann aus der täglichen Praxis. Die Stiftungsarbeit darf nicht zu einer Dienstleistung für ein Unternehmen werden, beispielsweise, indem dessen Produkte gezielt in Entwicklungsländern platziert werden.

Ein Beispiel ist das Berliner Unternehmen Solarkiosk. Das produziert Kioske, die mit Hilfe von Solarmodulen Strom erzeugen. So können sie in ländlichen Gegenden beispielsweise WLAN zu Verfügung stellen, gekühlte Waren anbieten oder Strom, um Batterien zu laden. Die Siemens-Stiftung hat auch Solarkiosk in ihr Empowering-People-Netzwerk aufgenommen. Es umfasst ein Unternehmen aus Entwicklungs- wie auch Industrieländern. In Kenia und Uganda betreibt die Stiftung selbst 19 Kioske, die sauberes Wasser zur Verfügung stellen. „Eine Kombination mit Solarlösungen ist natürlich besonders interessant“, sagt Hoffmann. Das Aufstellen der Kioske war allerdings nicht nur eine Aufgabe für Techniker, sondern auch für Juristen und Steuerexperten. Die müssen in solchen Fällen sicherstellen, dass der Fiskus nicht im Nachhinein die Gemeinnützigkeit anzweifelt oder gar aberkennt.

Installation einer Photovoltaik-Anlage der Stiftung Solarenergie in Äthiopien.
Foto: Stiftung Solarenergie
Nicht alle Stiftungen haben sich so breit aufgestellt wie die Siemens-Stiftung. Einige arbeiten deutlich fokussierter und setzen auf ein bestimmtes Konzept, wie die Stiftung Solarenergie aus Freiburg. Ziel ist, ganze Dörfer in Afrika und Asien mit Solarstrom zu versorgen. Alle Haushalte erhalten zu einem subventionierten Preis zwei LED-Lampen und eine Ladestation für ein Mobiltelefon. Das Solarsystem bezahlen sie in monatlichen Raten. Spätestens nach einem Jahr geht die Anlage in den Besitz der Familien über. Darüber hinaus bildet die Stiftung Menschen vor Ort aus, die Installation, Wartung, Betrieb und den Service für die Gemeinschaft übernehmen.

Im von Dürren getroffenen Kenia begann die Stiftung Solarenergie kürzlich mit einem weiteren Projekt. „Solare Wasserpumpen sollen helfen, in Zukunft die Ernteerträge zu steigern und so Notzeiten abzumildern“, erläutert Stiftungsvorstand Harald Schützeichel. 900 Euro kostet so ein System. Die Landwirte erhalten die Pumpen allerdings nicht geschenkt, sondern müssen die Kosten in Raten zahlen, jeweils im Anschluss an die Ernte.

Windenergie-Projekte sind selten

Manche Stiftungen konzentrieren sich bei ihrer Arbeit speziell auf eine Region. So ist die Dreyer-Stiftung im Gebiet um Dano im Südwesten Burkina-Fasos aktiv. Dort baut sie ein Zentrum für nachhaltigen Reisanbau auf. Kernstück ist eine mit erneuerbaren Energien gespeiste Fabrik, in der das Getreide weiterverarbeitet wird. Die zum Betrieb der Reismühle nötige thermische Energie wird aus Biomasse und Solarenergie gewonnen. Die verwendete Biomasse wiederum ist Reisspelze aus dem gleichen Projekt. Beim Dreschen wird sie vom eigentlichen Getreidekorn getrennt – und als Rohstoff zur Erzeugung von Biogas verwendet. Spiegel mit einer Fläche von 16 Quadratmetern erzeugen Dampf, Photovoltaikmodule sollen den Strom liefern. Ziel ist nach Angaben der Stiftung, den Wirkungsgrad des Brenners, in dem das Biogas verbrannt wird, auf 80 Prozent zu steigern.

Solarenergie, Wasserkraft und Energie aus Biomasse finden sich in zahlreichen Entwicklungsprojekten, die von Stiftungen gefördert werden. Windenergie hingegen spielt nur eine untergeordnete Rolle. So hat die Siemens-Stiftung im Jahr 2016 gerade Mal ein Windenergie-Projekt in ihr Empowering-People-Network aufgenommen: Das Unternehmen Breezergy aus Langenhagen bei Hannover produziert Mikro-Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 1000Watt, genug, um einen kleinen Haushalt mit Strom zu versorgen und ideal für Regionen ohne Anschluss an ein Stromnetz. Der Schwerpunkt im Netzwerk liegt hingegen auf der Sonnenenergie. „Bei Windenergie sind schon die Installationskosten deutlich höher und konkurrieren mit günstigen Solarmodulen aus China“, erklärt Hoffmann.

Seite 1Seite 2nächste Seite
Keywords:
Solarenergie | Stiftungen | erneuerbare Energien | Entwicklungsländer
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen