03.05.2018

Energie stiften: Kein einfaches Geschäft

Foto: Siemens-Stiftung
Tauschstation für Batterien des Projekts We-Hubs der Siemens-Stiftung in Afrika

Europäische Stiftungen treiben den Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern voran. Viele Projekte sind sinnvoll. Manche gehen schief.

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In Kenia betreibt die Stiftung We-Hubs. Die Bezeichnung steht für Water-Energy-Hubs. Auch das ist eine Art Kiosk für Wasser und Strom. Kunden können sich dort beispielsweise elektrische, mit Sonnenstrom geladene Lampen für die Nacht holen. Diese nutzen auch Fischer am Viktoriasee. Sie locken mit dem Licht Fische an. Morgens, wenn sie vom Wasser zurückkehren, bringen sie ihre Batterien zum Aufladen in den nächstgelegenen We-Hub.

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Klimaschutz-Projekt in Nepal

Dass Energieprojekte von Stiftungen in Entwicklungsländern auch schief gehen können, zeigt ein Beispiel der Schweizer My-Climate-Stiftung. Sie berät Organisationen und Unternehmen und empfiehlt ihnen Möglichkeiten, ihre CO2-Emissionen zu kompensieren.

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Der Deutsche Alpenverein (DAV) und der DAV-Summit-Club, zugleich Bergsteigerschule und Reisebüro des DAV, hatten sich an die Stiftung gewandt. 200.000 Euro wollten sie in ein Projekt stecken, das hilft, CO2-Emissionen zu reduzieren. Vorzugsweise sollte es in einer Region liegen, in der es Kunden des Summit-Club besichtigen können. Die Schweizer empfahlen ein Projekt in Nepal, bei dem aus Abfall-Holz erst Kohle und aus der Kohle dann Pellets produziert werden. Diese Pellets kommen dann in speziellen Öfen zum Einsatz. Ziel ist, eine Produktionsanlage zu errichten, die dann das Langtang-Tal beliefert, das 2015 unter dem Erdbeben stark gelitten hat, aber ein beliebtes Reiseziel von Trekking-Touristen ist. 475 Tonnen des Treibhausgases CO2 sollen die Pellets laut Stiftung einsparen im Vergleich zum bislang oft genutzten Flüssiggas. Für ihre Beratungsleistung erhält die My-Climate-Stiftung 40.000 der 200.000 Euro.

Ernüchternde Realität

Ein Besuch vor Ort zeigte die ernüchternde Realität: Drei Wellblechhallen an einem Weg, den der Busfahrer aus Angst um sein Fahrzeug nicht befahren wollte. In den Hallen war der Boden schwarz vom Kohlestaub, die Luft voll davon. Arbeiter klagten über ständigen Husten – wenn sie in der Lage waren, frei zu sprechen. Denn meistens stand ein Aufpasser aus der Führungsebene oder aus dem Kreis der Investoren daneben, wenn Besucher mit ihnen sprachen.

Die Ausrüstung der Arbeiter ließ westliche Standards weit hinter sich. Badelatschen statt Sicherheitsschuhe, kaum Handschuhe, nur vereinzelt Atemschutz, und wenn, dann eher pro Forma als den Bedingungen angemessen. Selbst für nepalesische Verhältnisse seien die Bedingungen schlecht, erklärte ein Führer und Dolmetscher.

Stiftung muss nachsteuern

Stefan Baumeister, Geschäftsführer von My-Climate Deutschland, räumte ein, dass kein Vertreter der Stiftung die Anlage besichtigt hatte, bevor das Projekt dem DAV empfohlen wurde. Der zeigt sich „überrascht“ über die Leistungen der Stiftung. „Wir haben gedacht, da wäre schon mehr abgeklärt“, sagte Andrea Händel, Geschäftsbereichsleiterin für Kommunikation und Marketing beim DAV.

Baumeister gab sich zuversichtlich, dass das Projekt umgesetzt wird, allerdings mit höheren Anforderungen an die sozialen Standards. Laut Händel muss My Climate aber deutlich nachlegen und mehr Daten liefern, insbesondere zu Energieeffizienz und CO2-Einsparung, aber auch Pläne ausarbeiten, wie die Produktionsanlagen künftig überwacht werden könnten. Der Verein hat aus den Erfahrungen mit der Stiftung gelernt. „Wir nehmen das Projekt mehr in die eigene Hand“, erklärte Händel.

Auch David Hoffmann von der Siemens-Stiftung ist das Risiko bewusst. Ein einziges gefördertes Projekt, bei dem Mindestanforderungen an Sozialstandards nicht eingehalten werden, kann den Ruf einer Stiftung beschädigen oder gar ruinieren. Die Mitarbeiter sind dafür zwar sensibilisiert – die Stiftung wendet bei Kooperationen einen entsprechenden Kriterienkatalog an. Aber eine Garantie ist das nicht.

Lesen Sie auch: Deutsche Energiebranche verliert auf Wachstumsmarkt Afrika den Anschluss

Jochen Bettzieche
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Keywords:
Solarenergie | Stiftungen | erneuerbare Energien | Entwicklungsländer
Ressorts:
Governance | Markets

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