Der BEE geht davon aus, dass Deutschland seine Treibhausgase bis 2030 um 65 Prozent senken muss, statt 55 Prozent wie bisher im Klimaschutzgesetz festgehalten. Die Berechnung beruht auf der zu erwartenden Anhebung der europäischen Klimaschutzziels von mindestens 55 Prozent Treibhausgas-Minderung im Jahr 2030 bezogen auf 1990. „Die anstehenden Entscheidungen auf EU-Ebene müssen bereits jetzt für die Ausgestaltung und Umsetzung der Energiewende in Deutschland mitgedacht werden“, sagte BEE-Präsidentin Simone Peter. Sie verwies auch auf den Expertenrat für Klimafragen, der zuvor seinen ersten Bericht zu den deutschen Treibhausgasemissionen vorgelegt hatte. Der Klimarat hat unter der Annahme eines EU-Ziel von 55 Prozent eine Bandbreite von 62 bis 68 Prozent Emissionsminderung für Deutschland errechnet.

Der BEE geht nun wie andere Studien auch von einem stark steigenden Bruttostrombedarf aus und hat berechnet, dass ein Anteil der erneuerbaren Energien von 77 Prozent an einem Bruttostromverbrauch von gesamt 745 TWh im Jahr 2030 erforderlich ist, um die Klimaziele zu erreichen. Wind an Land und Photovoltaik weisen laut BEE dabei die größten Steigerungspotenziale auf – bis 2030 müsse eine PV-Installation auf 205 GW und die Wind Onshore Installation auf 95 GW realisiert werden. Aber auch Sektorkopplungstechnologien wie Grüner Wasserstoff würden zunehmend eine Rolle spielen.

„Die bereits für das erste Quartal angekündigte Anhebung der Ausbaupfade im Erneuerbare-Energien-Gesetz ist zeitnah vorzunehmen, um die Erneuerbaren Energien als tragende Säule des Energiemarktes sowie wichtigen Innovations- und Wirtschaftsfaktor zu stärken“, so Peter. Die BEE-Präsidentin hofft, dass dies noch in dieser Legislaturperiode geschehen könnte. Ursprünglich sollten die Ausbaupfade bis Ende März verhandelt sein. Die SPD hatte aber einen der entscheidenden Verhandlungspartner in der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, wegen zu großen Lobbyverdachts vor die Tür der EEG-Gespräche gesetzt. Wann die Gespräche weitergeführt werden können, ist unklar.

Es geht um den Industrie-Standort

Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems und Leiter VDMA Competence Center Klima & Energie, ist skeptisch, ob vor der Bundestagswahl am 26. September noch was passiert. Ein neues Energiemarktdesign sieht er als die große Aufgabe der nächsten Legislaturperiode. Zwei Aspekte sind ihm dabei wichtig: „Erstens muss die Politik sich ehrlich machen und endlich mit realistischen Bedarfsszenarien rechnen. Zweitens muss nun der Fokus auf dem 'Ermöglichen' liegen. Das gilt für Windenergie genauso wie für Wasserkraft und auch für thermische Kraftwerke mit erneuerbaren Brennstoffen“, so Zelinger. „Für die tragende Säule Windenergie bedeutet das: Flächen bereitstellen, Genehmigungen vereinfachen und eine Balance finden zwischen Artenschutz vor Ort und Klimaschutz.“

Wie Zelinger sieht auch Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung 2 Grad, den beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien als Voraussetzung für die Transformation der deutschen Industrie: „Unsere Unternehmen stehen nicht nur hinter der Energiewende, sondern sie brauchen die erneuerbaren Energien schnell, verlässlich und zu wettbewerbsfähigen Preisen“, so Nallinger. Große Teile der deutschen Industrie seien längst bereit den Weg der Transformation zu gehen. Es gehe um die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Zelinger möchte deshalb auch verstärkt über regelbare Energie in Form von Gaskraftwerken als Brückentechnologie reden, um die berühmte „Dunkeflaute“ auszugleichen.

Die Branche fordert den Ausbau aller erneuerbarer Energien - nicht nur von Photovoltaik und Windkraft - voranzutreiben.
Große Freiflächen-Solaranlagen rechnen sich zunehmend auch ohne EEG-Förderung. (Copyright: iStock)