Smart Grid
27.10.2017

Energiebranche reißt sich um Profis für künstliche Intelligenz

Abbildung: iStock
Künstliche Intelligenz könnte Wetter- und Windprognosen für Windparkbetreiber präziser machen.

Lernende Systeme sollen die Stromnetze fit für die erneuerbaren Energien machen. Die Investitionen in Start-ups für Big-Data-Analyse und künstliche Intelligenz steigen.

Etablierte Unternehmen kaufen Start-ups, die die Energie-Infrastruktur durch künstliche Intelligenz (KI) und Datenanalyse an schwankende Strommengen anpassen wollen. Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO zufolge ist das durchschnittliche Gesamtinvestitionsvolumen in diesem Sektor je Quartal zwischen Januar 2016 und Juni 2017 weltweit von 500 Millionen Dollar auf 3,5 Milliarden Dollar gestiegen. Bei den einzelnen Deals flossen dabei zwischen 14 Millionen Dollar und 705 Millionen Dollar.

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Alte Systeme „untauglich“

 

Bestehende Energie-Infrastrukturen und ihre Management-Systeme seien „untauglich, den Zuwachs und die Unregelmäßigkeiten erneuerbarer Energien aufzunehmen“, schreiben die BDO-Analysten in einer in dieser Woche veröffentlichten Studie. Die Energiebranche dürfe keine Zeit verlieren.

 

Große etablierte Unternehmen des Energiesektors suchen händeringend nach Lösungen: Sie müssen die Versorgung trotz wetterbedingt flatternder Stromzufuhr aus Wind und Sonne stabil halten. Schaffen wollen sie das unter geringstmöglichem Einsatz fossiler Kraftwerke und ohne „abregeln“ zu müssen, also in Überschussphasen Ökostrom schlicht zu vernichten.

 

„Prosumer“ ins Netz einbinden

 

Selbstständig lernende Vorhersagesysteme beispielsweise, die Wind- und Solarparkbetreiber immer genauer wissen lassen, wann sie wieviel Wind- oder Sonnenausbeute einfahren werden, könnten dabei helfen. Andere KI-Systeme könnten die Einspeisung aus Stromspeichern und die Energieerzeugung moderner Gaskraftwerke regulieren, um Flaute- und Dunkelphasen bei erneuerbaren Energien präzise auszugleichen. KI und Big-Data-Analyse sollen außerdem helfen, die Selbstversorgungs- und Einspeiseleistung privater „Prosumer“ mit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern in die Gesamtversorgung einzubinden.

 

Die BDO-Studie führt als typisches Investment in ein Start-up die Übernahme des Softwarehauses Integral Analytics durch den Energie-Ingenieurdienstleister Willdan Group in den USA auf. Integral Analytics in Cincinnati, das im August für 30 Millionen Dollar an Willdan ging, entwickelt Software zur Einbindung dezentraler Stromproduzenten in den Netzbetrieb.

 

Investitionsfreudige Innogy

 

In Deutschland macht unter anderem der Essener Stromversorger Innogy durch Beteiligungen an Start-ups von sich reden. Einige davon entstehen im konzerneigenen Inkubator „Innovation Hub“. So war es bei Fresh Energy aus Berlin, das seinen Kunden verspricht, Stromlieferungen mithilfe von Smart Meters und lernender Software transparent zu machen. Innogy stieg im Juli mit drei Millionen Euro ein. Im Juni hatte sich der Stromversorger bereits an der Strom-Handelsplattform Conjoule und an dem Berliner Blockchain-Zahlungsdienstleister XTech beteiligt, der unter anderem beim Laden von Elektroautos ins Geschäft kommen will.

 

Doch das scheinen Ausnahmen zu sein. Insgesamt liegen deutsche Konzerne und Mittelständler bei Start-up-Käufen branchenübergreifend weit hinter den USA und Großbritannien zurück. Dieses Fazit zieht zumindest der Berliner Entwicklungsdienstleister für Neugründungen Germantech Digital aus eigenen Untersuchungen. In Großbritannien kauften etablierte Unternehmen demnach 471 Start-ups im Zeitraum von 2012 bis 2016. In Deutschland gab es in diesen fünf Jahren nur 139 Akquisitionen. Nur 43 deutsche Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern haben Start-ups gekauft.

Christian Schaudwet
Keywords:
Smart Grid | Energiewende
Ressorts:
Finance | Technology

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