EU-Ranking
11.06.2018

Energieeffizienz: Deutschland nur auf Platz vier

Foto: istock/ivansmuk
Dauerbaustelle in Deutschland: Die energetische Gebäudesanierung.

Deutschland hat großen Nachholbedarf im Industrie- und Verkehrssektor. Großbritannien, Irland und Spanien schneiden im EU-weiten Energieeffizienz-Ranking besser ab.

Das Ergebnis für Deutschland ist ernüchternd: Großbritannien war besser darin, den Schadstoffausstoß im Personenverkehr zu senken – zum Beispiel mit Fahrverboten in Städten und steuerlicher Förderung von Fahrzeugen mit niedrigem CO2-Ausstoß. In Irland war beispielsweise die Zahl der thermischen Gebäuderenovierungen höher. In Folge landete die Bundesrepublik im Energieeffizienz-Ranking des Projekts „Odyssee-Mure“, an dem unter anderem das Fraunhofer ISI-Institut beteiligt ist, im europäischen Vergleich nur auf Platz vier.

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„Deutschland steht hinter Ländern wie Irland oder UK vor allem zurück, weil die Energieeffizienzfortschritte in der Industrie, aber auch beim Verkehr und den Haushalten, deutlich nachgelassen haben“, sagt Barbara Schlomann vom Fraunhofer ISI. Zwar habe die Bundesrepublik bei der Energieeffizienz-Politik gut abgeschnitten, doch die Maßnahmen müssten auch umgesetzt werden und reichten noch bei Weitem nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, hieß es bei einer Pressekonferenz in Berlin. Noch bis Mittwoch diskutieren in der Hauptstadt 200 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Industrie anlässlich Europas wichtigster Konferenz zum Thema Energieeffizienz, der „eceee Industrial Efficiency“, die neuesten Trends und Entwicklungen.

 

Impulse im Verkehr gefragt

 

Gleichzeitig treffen sich die EU-Energieminister heute in Luxemburg, um über die Zukunft der Energieeffizienzpolitik zu beraten. Zuletzt hatte die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil es beim Ausbau einer Infrastruktur für alternative Auto-Antriebe in Verzug ist: Es gibt immer noch zu wenige E-Ladestationen, Gas- und Wasserstoff-Tankstellen.

 

Der Verkehrssektor in Deutschland braucht aus Sicht des Fraunhofer-Instituts deutliche Impulse. Besonders dringenden Handlungsbedarf bestehe jedoch in der Industrie: Dort habe es in den vergangenen 15 Jahren vor allem eine Strukturverschiebung hin zu weniger energieintensiven Industrien gegeben. Effizienzfortschritte im eigentlichen Sinne, wie die energetische Optimierung von Industrieanlagen oder Elektromotoren und deren Anwendungen, seien zu kurz gekommen.  „Umso verwunderlicher ist es, dass der Industriesektor im Koalitionsvertrag keine Erwähnung findet, wo von den Einsparpotenzialen der verschiedenen Sektoren die Rede ist“, sagt Schlomann.

 

Steuerliche Förderung der Gebäudesanierung fehlt im Haushaltsentwurf

 

Christian Noll, der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), drängt Union und SPD zumindest „die wenigen“ im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen schnell umzusetzen und diese zu ergänzen. In den drei Monaten seit der Regierungsbildung sei nicht genug passiert. Und die im Koalitionsvertrag angekündigte steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung sei im Haushaltsentwurf bereits gestrichen worden, kritisiert Noll. Er fordert, „Efficiency First“ müsse vom bloßen Slogan zum „sektorenübergreifenden Handlungsgrundsatz der Energiepolitik“ werden. Für die Unternehmen seien Effizienzvorhaben wichtig, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Wie Deutschland bei der Energieeffizienz im internationalen Vergleich abgeschnitten hat, wird sich am 26. Juni zeigen: Dann stellt das „American Council for an Energy Efficient Economy“ (ACEEE) in Washington sein zweijährliches Ranking vor. Shruti Vaidyanathan vom ACEEE kündigte in Berlin bereits an, dass Deutschland in der Gruppe der besten fünf sei. Er sieht in allen Ländern aber noch „erhebliche Steigerungspotenziale“ bei der Energieeffizienz.

 

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Jutta Maier
Keywords:
Energieeffizienz | Energiewende | Deutschland | EU-Ranking | Industrie | Verkehr
Ressorts:
Governance | Markets

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