Braunkohleausstieg
29.04.2019

Energiekonzern Leag plant in Jänschwalde Müllverbrennungsanlage

Foto: Scheck/CC
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde ist einer der größten CO2-Emittenten Europas.

Am Kraftwerksstandort Jänschwalde will der Lausitzer Energiekonzern Leag eine Energie- und Verwertungsanlage bauen. Erwartet der Erzeuger ein früheres Ende der Braunkohleverstromung?

Bei der Zukunft des Kraftwerksstandortes Jänschwalde will sich der Eigner Lausitzer Braunkohle (Leag) offenbar wirtschaftlich absichern: Das Unternehmen bereitet derzeit die Genehmigung für den Bau einer Energie- und Verwertungsanlage (EVA) am Standort Jänschwalde vor. In der Müllverbrennungsanlage sollen nach Angaben der Leag „aufbereitete, nicht-recycelbare Abfälle thermisch verwertet werden“. Baubeginn könnte 2021 und Inbetriebnahme 2024 sein.

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Wie das Unternehmen bizz energy mitteilte, ist für die Verwertungsanlage eine Wärmeleistung von 200 Megawatt und eine elektrische Leistung von 50 Megawatt vorgesehen. Bis zu 100 Megawatt können als Fernwärme und stündlich bis zu 150 Tonnen Prozessdampf für industrielle Anwendungen ausgekoppelt werden.

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50 neue Arbeitsplätze erwartet

Neu ist die thermische Verwertung von Abfällen am Standort Jänschwalde nicht. In den noch laufenden Braunkohle-Blöcken werden seit Jahren aufbereitete kommunale Siedlungs- und Gewerbeabfälle mitverbrannt – im Umfang von derzeit rund 430.000 Tonnen jährlich. Dieser besonders heizwertreiche Sekundärbrennstoff ersetzt nach Leag-Angaben rund drei Prozent der sonst eingesetzen Braunkohle.

In derselben Größenordnung sollen künftig auch in der neuen EVA ähnlich aufbereitete Abfälle verbrannt werden. „Die Gesamtmenge des am Standort thermisch behandelten Abfalls würde sich somit nur für eine Übergangszeit erhöhen, in der Mitverbrennung und EVA Jänschwalde noch parallel betrieben werden“, sagt Leag-Sprecherin Kathi Gerstner zu bizz energy. Mit der neuen Anlage eröffneten sich Entwicklungspotentiale über die Laufzeit des Kraftwerks Jänschwalde hinaus. Dazu gehörten 50 neue Arbeitsplätze, eine regionale Wertschöpfung für Servicepartner sowie Energiedienstleistungen, die gute Voraussetzungen für weitere Industrieansiedlungen schafften.

Unterlagen bereits eingereicht

Mit dem Übergang eines zweiten 500-Megawatt-Blockes im Herbst 2019 in die Sicherheitsbereitschaft wird Jänschwalde noch über eine Leistung von 2000 Megawatt verfügen. Derzeit geht die Leag noch von einer Laufzeit des Braunkohlekraftwerks bis nach 2030 aus. Beobachter der Szene vermuten aber, dass sich das Unternehmen mit dem Bau der EVA auf ein früheres Ende der Braunkohleverstromung in Jänschwalde einstellt. Grund: Mit der Müllverbrennungsanlage könnte das Unternehmen die vereinbarten Geschäfte im Bereichen Abfall und Wärme, darunter Fernwärmelieferungen an die Städte Cottbus und Peitz, weiter garantieren – auch wenn das Kraftwerk selbst im Rahmen des kommenden Kohleausstiegs weit vor dem Jahr 2030 vom Netz gehen sollte.

Auch die Eile, mit der die Abfallverbrennung vorangetrieben wird, spricht dafür, dass sich die Leag bei Jänschwalde für den Fall der Fälle absichern will. So wurden die Unterlagen für das Vorhaben vom zuständigen Brandenburger Landesamt für Umwelt bereits an die Träger öffentlicher Belange verschickt. Für den 4. Juni dieses Jahres ist bereits ein erster Anhörungstermin geplant.

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Jörg Staude
Keywords:
Kohleausstieg | Braunkohle
Ressorts:
Markets

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