Wohnungswirtschaft
21.09.2018

Verbände fordern Effizienz-Offensive für Häuser

Foto: iStock
Wärmedämmung eines Wohngebäudes: Mehrere Verbände werden der Bundesregierung in Sachen Energieeffienz für Gebäude Untätigkeit vor.

Anlässlich des Wohnungsgipfels der Bundesregierung verlangt eine Allianz aus Energie- und Wärmewirtschaft dringend energetische Sanierungen. Zwei Thinktanks schlagen Mindeststandards vor.

Kommt die Energieeffizienz beim aktuellen Wohnungsgipfel in Berlin zu kurz? Davor warnen die Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und Verbände der Bau- und Wärmewirtschaft. Energetische Mängel von Gebäuden sind einer Studie zufolge nicht nur klima-, sondern auch gesundheitsschädlich.

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In dem Papier zeigen das Buildings Performance Institute Europe (BPIE) und das internationale Regulatory Assistance Project (RAP) auf, dass zwischen 10 und 25 Prozent der Haushalte in Deutschland von Energiearmut betroffen sind. Mit dem Begriff Energiearmut beschreiben sie Haushalte, deren Mitglieder es sich nicht leisten können, ihre Wohnungen im Winter ausreichend zu heizen. Dies könne unter anderem zu Atemwegserkrankungen sowie zu erhöhtem Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Thrombose führen.

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Risiken in Nachkriegsbauten

Die meisten betroffenen Haushalte befinden sich demnach in Mehrfamilienhäusern, die zwischen den Jahren 1949 und 1979 gebaut wurden und in denen besonders viel Wärme verloren geht.

Solche Gebäude energetisch zu sanieren, ist nach Auffassung der DENEFF dringend notwendig. Ihr Chef Christian Noll führt dafür soziale Gründe und Klimaschutzgründe an: „Wenn die Bundesregierung beim Bauen und Sanieren die Energieeffizienz nicht endlich voranbringt, sind sämtliche Energie- und Klimaziele 2030 Makulatur.“ Energieeffizienz senke zudem Heizkosten und entlaste die Bürger dauerhaft.

„Klimapolitischer Stillstand im Gebäudesektor"

Beim aktuellen von Bundesinnen- und -bauminister Horst Seehofer (CSU) einberufenen Wohnungsgipfel wird Energieeffizienz für Bestandswohnungen jedoch nicht ausreichend berücksichtigt – das ist zumindest die Einschätzung der DENEFF, des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle, des Bundesverbands Wärmepumpe und des Verbands für Wärmelieferung.

Sie kritisieren, wichtige Akteure aus der Energieeffizienzbranche blieben bei dem Gipfel außen vor. In einer gemeinsamen Mitteilung attestieren sie der Bundesregierung „klimapolitischen Stillstand im Gebäudesektor" und fordern rasche Energieeffizienzmaßnahmen. Diese müssten unter anderem im Gebäudeenergiegesetz und im geplanten Mietrechtsanpassungsgsetz verankert werden.

Dynamische Mindeststandards

Unabhängig von dem Appell der Verbände schlagen BPIE und RAP energetische „dynamische Mindeststandards für Mietshäuser“ vor. In Verbindung mit geeigneten Finanzierungsmodellen könnten sie die nötigen Sanierungen auslösen, ohne zu einer Verdrängung der Mieter durch höhere Mieten zu führen.

 

Die Effizienzvorschläge von BPIE und RAP:

Bei Neuvermietungen ab einem bestimmten Stichtag sollen Wohnungen energetische Mindeststandards erfüllen, die dann im Fünfjahresrhythmus angehoben werden.

+ Als Grundlage für solche Mindeststandards soll zunächst eine bessere Datenbasis über den Gebäudebestand geschaffen werden.

+ Eine Kombination aus Umlagen und Zuschüssen soll eine „Quasi-Warmmietenneutralität“ gewährleisten und eine finanzielle Belastung der Mieter vermeiden.

+ Bei den geförderten Sanierungsmaßnahmen sollen Gesundheitskriterien eine besondere Rolle spielen.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Wärmewende | Energieeffizienz | energetische Sanierung | Wohnungswirtschaft
Ressorts:
Governance

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