Kohleland ist West Virginia schon seit dem späten 18. Jahrhundert. Die billige Steinkohle vom Fuße der Blauen Berge trieb Amerikas erste Eisenbahnen an. Sie ermöglichte den Aufschwung zur Wirtschaftsmacht und gab Hunderttausenden Menschen Arbeit. Vorbei. Die Zahl der ‚Miner‘, der Kohlekumpel in West Virginia, ist von 125.000 nach dem zweiten Weltkrieg auf rund 20.000 gesunken. Einstige Vorzeige-Unternehmen wie Patriot Coal rutschten in die Insolvenz. Ehemalige Boomtowns verkommen zu Geisterstädten. „Miner´s lady“, wie der US-Sänger John Denver den Staat einst liebevoll taufte, ist im Niedergang.

Die Steinkohle ist zwar nach wie vor der wichtigste Energieträger für die Stromproduktion der Vereinigten Staaten, mit einem Anteil von knapp 40 Prozent. Aber sie passt nicht ins Klimakonzept von US-Präsident Barack Obama. Der will den Kohlendioxid-Ausstoß seines Landes bis 2020 um 17 Prozent senken, im Vergleich zu 2005. Dieses Ziel Obamas ist nicht ganz neu, aber er vertritt es seit diesem Sommer so vehement wie nie zuvor. Nach dem Ende der großen Rezession hat er den Klimawandel wieder auf die Agenda gesetzt, in mehreren großen Reden, unter anderem im Juni vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Obama will die Erneuerbaren ausbauen und Energie sparen; das Land der Verschwender soll grün werden. „Mit dem unbegrenzten Ausstoß von CO₂ muss Schluss sein“, sagt der 44. Präsident der USA. Und sein Klimaberater Daniel Schrag vom Harvard University Center for the Environment sagt ganz unverblümt: „Ein Krieg gegen die Kohle ist genau das, was wir brauchen.“

Kohlekumpel im Abwehrkampf

Zwar hat Obama der Kohle nicht persönlich den Krieg erklärt, aber das sei eine rein politische Vorsichtsmaßnahme, erläutert Schrag. Das sehen die Kohlekumpel und ihre Lobbyisten ähnlich. Sie organisieren einen emotionalen Abwehrkampf. Erst kürzlich zogen Tausende Miner in einer Protestdemo vor das Kapitol in Washington. Und im Parlament schwadroniert der republikanische Senator Mitch McConnell, einer ihrer wichtigsten Frontkämpfer aus dem Kohlestaat Kentucky, über „Obamas Krieg gegen die Kohle“. McConnell heizt die Stimmung an, mit Sätzen wie: „Der Präsident könnte seinen Krieg gegen die Kohle genauso gut anders benennen – Krieg gegen Arbeitsplätze in diesem Land.”

Umweltschützer freut diese Entwicklung. Die Thinktanks Germanwatch und Climate Action Network Europe veröffentlichten zum Warschauer Weltklimagipfel wieder ihre Rangliste, den Climate Change Performance Index. Die USA liegen zwar mit Platz 43 von 59 weiter im unteren Mittelfeld, werden aber von den Studienautoren gelobt: „Die Regierung Obama zeigt eine stringentere Klimapolitik als in der vergangenen Legislaturperiode.“ 

USA nicht die schlimmsten Klimasünder

Zwar fielen die Amerikaner auf dem Warschauer Gipfel nicht durch Übereifer auf, wie schon bei den Gipfeln in Durban und Cancun. Aber sie stehen nicht mehr im Mittelpunkt der Kritik. Als die ganz schlimmen Klimasünder gelten inzwischen andere, vor allem Japan, das nun drei Prozent mehr statt 25 Prozent weniger CO₂ bis 2020 emittieren will. Und Australien, dessen neuer Premier Tony Abbott den menschengemachten Klimawandel leugnet und damit in Warschau Schockwellen auslöste. Im Vergleich dazu wirkte die Videobotschaft von US-Außenminister John Kerry für die Gipfelteilnehmer wie Balsam: Kerry versprach „mit großem Ernst, dass wir unseren Teil zum Klimaschutz beitragen werden“.

Fazit: In den Vereinigten Staaten gibt es eine Energiewende, zwar nicht so radikal wie in Deutschland, aber doch spürbar und gut für das Klima. Ohne großes Aufheben, langsam und leise wird Amerika grüner.

Ausgerechnet Texas, das Land von Dallas und Denver-Clan, liefert eindrucksvolle Bilder dieser neuen Zeit: Neben rostigen Ölbohrtürmen drehen sich heute Tausende Windräder...

 

 

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Foto (Titel): US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden sprechen mit Blake Jones, CEO von Namaste Solar Electric, auf dem Dach des Denver Museum of Nature and Science. Official White House Photo by Pete Souza

Präsident Barack Obama (M.) beim Besuch eines Solarparks in der kalifornischen Stadt Arcadia nahe Los Angeles (Official White House Photo by Chuck Kennedy)