Studie
05.02.2019

Energiewirtschaft nutzt Blockchain vor allem für direkten Handel

Foto: Wuppertaler Stadtwerke
Die Windkraftanlage von Bürgerwind Cronenberg liefert Strom für Tal.Markt-Kunden in Wuppertal.

Die Energiewirtschaft erprobt die Blockchain längst in der Praxis – hauptsächlich im Peer-to-Peer-Handel. So das Ergebnis einer Dena-Umfrage. Die Wuppertaler Stadtwerke gehen bereits den nächsten Schritt.

Peer-to-Peer-Handel dominiert die Blockchain-Anwendungen in der Energiewirtschaft. Mit 60 Prozent ist dieses Einsatzgebiet, bei dem Marktakteure auf direktem Weg miteinander ohne zentrale Instanzen wie Börsen, Broker oder Energieversorger agieren, der häufigste Fall. Danach folgen E-Mobility (34 Prozent), Zertifizierung und Asset Management (jeweils 31 Prozent). Das zeigt eine Online-Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (Dena) unter 300 Managern und Experten der Energiewirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Demnach experimentieren mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Unternehmen mit der dezentralen Transaktionstechnologie in unterschiedlichen energiewirtschaftlichen Anwendungsfeldern oder setzen diese bereits ein.

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Die Umfrage zeigt zudem, dass das Interesse an der Blockchain-Technologie bei kleinen und großen Unternehmen in etwa gleich stark ausgeprägt ist, kleine Unternehmen bis 500 Beschäftigte sie aber dreimal häufiger einsetzen oder mit ihr experimentieren. Entscheidender als die Größe der Unternehmen sei bei der Einführung der noch jungen Technologie eine wissensbasierte Unternehmenskultur, schreibt dazu die Dena.

Blockchain-Anwendungsfelder
Blockchain-Anwendungsfelder in der Energiewirtschaft. Quelle: Deutsche Energie-Agentur
„Es zeigt sich, dass mehrere Unternehmen die junge Technologie einsetzen, weiterentwickeln oder bereits gar im Markt anbieten“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung.  Neben digitaler Technologiekompetenz und dem Gespür für Geschäftsideen habe die Unternehmenskultur dabei scheinbar einen hohen Einfluss. „Wenn diese Faktoren zusammenkommen, kann aus der großen Idee Blockchain ein echter Treiber der Energiewende werden.“

Wuppertaler erweitern Handelsplattform

Eines der Unternehmen, das die Blockchain-Technologie bereits einsetzt, sind die Wuppertaler Stadtwerke (WSW). Auf ihrem „Tal.Markt“ können Kunden bereits seit dem 1. Januar 2018 Strom bei lokalen Ökostromanbietern erwerben und ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Jede Transaktion wird dabei über die Blockchain-Technologie fälschungssicher ausgeführt.

Nun soll die zugrundeliegende Plattform durch ein bundesweites Partnernetzwerk für weitere Produkte genutzt werden. Für die Weiterentwicklung, die unter der Marke „Blockwerke“ firmiert, kooperieren die Wuppertaler vorerst mit drei kommunalen Partnern: der Bremer swb, der EVH aus Halle (Saale) und der SWT aus Trier. Verhandlungen führen die WSW zudem mit österreichischen Kommunalversorgern. Langfristig soll die Plattform im gesamten deutschsprachigen Markt etabliert werden.

Jeder Partner kann auf Basis der in Wuppertal entwickelten Plattform eigene Geschäftsmodelle aufbauen, oder auch den Tal.Markt für den eigenen Markt mit lokalen Grünstromproduzenten nutzen. Praktisch bedeutet das, dass jeder auf Blockwerke registrierte Produzent auf alle angeschlossenen Märkten liefern kann. Auch der ursprüngliche Tal.Markt soll künftig bundesweit Kunden zur Verfügung stehen.

Solche und andere Anwendungsfelder der neuen Technologie in der Energiewirtschaft untersucht die Dena gemeinsam mit Partnern in ihrer Studie „Blockchain in der integrierten Energiewende“, die am 26. Februar in Berlin veröffentlicht wird.

Lesen Sie auch: Blockchain – digitale Frischzellenkur für Stadtwerke

Carsten Kloth
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain
Ressorts:
Technology

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