Elektromobilität
12.06.2019

Entscheidungsjahr für US-Autobauer Tesla

Foto: Tesla
Mit Produktion und Auslieferung des elektrische Mittelklasse-Modells 3 hatte Tesla Probleme.

Die Tesla-Aktie hat sich zuletzt deutlich erholt. Doch Investoren sollten sich nicht täuschen lassen. Die Herausforderungen für das Unternehmen von Elon Musk werden nicht kleiner.

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Es war eine One-Man-Show, Elon Musk hatte beim Aktionärstreffen im kalifornischen Palo Alto keine Konkurrenz und schon gar nicht Kritik zu fürchten. Er setzte den Rahmen und genoss die Versammlung bis zum Ende. Tesla habe „eine gute Chance auf einen neuen Produktionsrekord“ im laufenden Quartal, konstatiert er und konterkarierte damit unwidersprochen Befürchtungen von Wertpapieranalysten. „Ich will das klar sagen“, führte Musk weiter aus, „es gibt kein Nachfrageproblem. Die Verkäufe haben die Produktion überschritten und die Produktion war ziemlich gut.“

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Für Tesla-Investoren war das Seelenbalsam: Berg- und Talfahrt beschreibt nur sehr unzureichend den Verlauf des Aktienkurses. Nach Markierung eines neuen Jahrestiefs von rund 178 Dollar und zahlreichen Herabstufungen durch Investment-Analysten in den vergangenen Monaten schoss die Tesla-Aktie in einer sechs Tages-Rally bis Dienstag wieder bis auf 217,10 Dollar. Anleger hofften auf Klarheit über die bisherige Absatzsituation im laufenden zweiten Quartal und wurden nicht enttäuscht. Die Aktie kletterte nachbörslich weiter auf bis zu 225 Dollar.

Erholung für Aktienkurs und Ego

Musk braucht diese Erholung, sowohl beim Aktienkurs als auch beim eigenen Ego – und zwar dringend. Der Aktienkurs liegt trotz Aufholjagd noch immer gut 35 Prozent unter dem Kurs von Jahresbeginn. Da lag die Aktie bei 310 Dollar. Zunehmens raten Analysten zum Verkauf.

Der Grund: Mit einem überraschend massiven Nettoverlust von 702 Millionen Dollar hatte der kalifornische Autopionier das erste Quartal 2019 abgeschlossen. Vorstandschef Musk hatte Ende 2018 noch einen kleinen Gewinn vorausgesagt, was er später korrigierte. Letztlich führten Verzögerungen beim Model 3, Preissenkungen und geringere Auslieferungen bei den Spitzenmodellen Model S und X dann zu einer kräftigen Umsatzdelle und einem der höchsten Quartalsverluste der Firmengeschichte. Tesla war wieder da, wo das Unternehmen vor zwölf Monaten war: Im ersten Quartal 2018 betrug der Verlust 709 Millionen Dollar.

Tesla hat dramatische Zeit hinter sich

Ende März waren 63.000 Fahrzeuge ausgeliefert, was weit unter den Erwartungen von 76.000 Autos lag. „Das war das schwierigste logistische Problem, das ich je gesehen haben“, sagt Musk über die Lieferprobleme nach Europa und China, „und ich habe einige Probleme gesehen.“ Nach der „Produktionshölle“ musste er also durch seine persönliche „Auslieferungshölle“. Die Modelle S und X zusammen kamen auf gut 12.000 Stück, deutlich weniger als der bisherige Quartalsdurchschnitt von 25.000. Der Umsatz lag mit 4,54 Milliarden Dollar weiter unter den Prognosen von 5,19 Milliarden Dollar. Der reine Autoumsatz belief sich auf 3,72 Milliarden, 36 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 41 Prozent unter dem Dezemberquartal.

Tesla hatte auch sonst eine dramatische Zeit hinter sich: Da wurden Preissenkungen angekündigt und Tage später teilweise revidiert. Dann sollten praktisch alle Ladengeschäfte geschlossen werden, was wenig später ebenfalls wieder zurückgenommen wurde. Musk persönlich lieferte sich einen Zwist mit der Börsenaufsicht SEC über seine Twittergewohnheiten.

Finanzielle Situation im Fokus

Am Ende brach er einen unerwartet kompromisslos ausgetragenen öffentlichen Streit mit einem seiner wichtigsten Zulieferer vom Zaun. Akkulieferant Panasonic und Tesla schoben sich dabei gegenseitig die Schuld in die Schuhe, warum eine geplante Mammutinvestition in die Gigafactory in Nevada unterbleiben werde. Musk ging so weit, Panasonic die Mitschuld an einer verzögerten Produktion des Model 3 im ersten Quartal zu geben. Aus Japan kamen süffisant Medienberichte zurück, dass man Nachfrageschwächen für Tesla-Fahrzeuge sehe.

Extrem aufmerksam wird deshalb die finanzielle Situation des Autobauers beobachtet. Am Ende des Jahres 2018 bezifferte sich der Bestand an liquiden Mitteln auf 3,7 Milliarden Dollar, Ende März waren davon noch 2,2 Milliarden übrig. Fast eine Milliarde Dollar flossen alleine in die Barrückzahlung einer Wandelanleihe. Der Aktienkurs lag da so niedrig, dass es sich für die Anleihebesitzer einfach nicht gelohnt hatte, Aktien statt Bargeld einzufordern.

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Keywords:
Tesla | Elektromobiltität
Ressorts:
Markets

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