Elektromobilität
12.06.2019

Entscheidungsjahr für US-Autobauer Tesla

Foto: Tesla
Mit Produktion und Auslieferung des elektrische Mittelklasse-Modells 3 hatte Tesla Probleme.

Die Tesla-Aktie hat sich zuletzt deutlich erholt. Doch Investoren sollten sich nicht täuschen lassen. Die Herausforderungen für das Unternehmen von Elon Musk werden nicht kleiner.

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Viel Geld fließt derweil in eine neue Gigafactory für Akkus und Fahrzeugmontage im chinesischen Schanghai. Sie soll im vierten Quartal 2019 in Betrieb gehen und die Kapazität für die Jahresproduktion auf 500.000 Fahrzeuge anheben. Allerdings erst 2020. Musk führte auf der Hauptversammlung aus, dass bereits erste Maschinen in der Fabrik installiert würden. Das chinesische Werk werde weitgehend lokal finanziert, so Musk, also mit chinesischen Banken. Dafür wird somit keine Kapitalerhöhung benötigt. Die Model-3-Fahrzeuge aus dem chinesischen Werk sollen deutlich billiger produziert werden als die aus Kalifornien. Teile der Produktion des geplanten Kompakt-SUV Model Y könnten ebenfalls nach China oder nach Reno in Nevada verlagert werden.

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Trotzdem gibt es für Tesla-Investoren keine wirkliche Atempause. Auch das laufende zweite Quartal dürfte mit einem Verlust enden, heißt es, bevor es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen soll. An den bisherigen Jahreszielen von 400.000 ausgelieferten Fahrzeugen wird unverändert festgehalten. Auf der Hauptversammlung erklärte Musk noch einmal, wie schwer es sei Gewinne zu machen, wenn man so stark wachse. Und dabei sind die geplanten Europa-Fabriken, über deren Standorte noch 2019 entschieden werden soll, noch nicht mit eingerechnet.

Flotte von Robotaxis angekündigt

Daran sollten Investoren sich immer erinnern, wenn sie an Tesla denken. Zumal Musk, nur Tage nachdem er sagte, es gebe eigentlich keinen Grund Geld aufzunehmen, eine Kapitalmaßnahme über 2,3 Milliarden Dollar ankündigte, die er am folgenden Tag um 400 Millionen Dollar anhob. Nachdem die Aktionäre ihm das Geld gegeben hatten, schickte er Medienberichten zufolge eine E-Mail an die Mitarbeiter, in der er betonte, Teslas Geld wäre in zehn Monaten verbrannt, wenn nicht eisern gespart werden würde. Und dass, obwohl man gerade 2,7 Milliarden Dollar aufgenommen hatte. Alles hängt jetzt davon ab, ob Musk tatsächlich die Quartalsauslieferungen auf Rekordhoch peitschen kann. In einer internen E-Mail soll er jedenfalls schon hohe Boni für die Mitarbeiter ausgelobt haben, wenn sie ihr Soll übererfüllen.

Die Ankündigung einer Flotte von Robotaxis ab Ende 2020, einer eigenen Rides-Share-App für Tesla-Fahrzeuge und einem eigenen Computerchip für autonomes Fahren hielt Musk aufrecht. Laut Musk arbeite Tesla am „besten Chip der Welt für autonome Autos“. Er will es jetzt also nicht nur mit der Autoindustrie, sondern gleichzeitig mit Nvidia bei Chips, Google (Waymo) bei selbstfahrenden Autos und Uber sowie Lyft aufnehmen.

Angeblich U-Boot-Auto entwickelt

Lotus Esprit
Tesla möchte ein U-Boot-Auto wie den legendären Lotus Esprit aus dem James Bond Film
"Der Spion, der mich liebte" bauen. Foto: Jörg Behrens/CC
Solche Nachrichten werden zwar an der Wall Street und außerhalb der Elon-Fan-Basis mit deutlicher Skepsis betrachtet – falsch machen kann Musk jedoch kaum etwas. Kein Branchenbeobachter rechnet damit, dass 2020 der gesetzliche Rahmen für selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen in den USA fertig ist. Insofern kann Musk diesen Termin schon alleine deshalb kaum einhalten und ist trotzdem nicht schuld daran. Nicht wenige Beobachter hielten den Zeitpunkt der jüngsten Aktion im April ohnehin für ein gezieltes Manöver, um von den schlechten Zahlen des ersten Quartals abzulenken. Zur Hauptversammlung betonte Musk dann auch, dass es natürlich der gesetzlichen Grundlagen bedürfe, um die Robotaxis fahren zu lassen.

Es gibt noch einen weiteren Grund für Aktionäre vorsichtig zu sein: Auf der Hauptversammlung wurde ein Antrag abgelehnt, die Amtszeit für Mitglieder des Aufsichtsrats von drei auf zwei Jahre zu verkürzen. Ein weiterer scheiterte, Musks „Super-Vetorecht“ abzuschaffen, mit dem er praktisch jede Entscheidung des Aufsichtsrats nach Belieben aushebeln kann. Tesla bleibt eine One-Man-Show, mit allen Vor- und vor allem Nachteilen.

Aber Musk wäre nicht Musk, wenn er zum Trost nicht noch eine Überraschung für die Fans in Ärmel gehabt hätte. Den Investoren auf der Hauptversammlung eröffnete er, Tesla habe ein U-Boot-Auto entwickelt, wie das aus dem legendären 1977er James Bond Film „Der Spion, der mich liebte“. An eine Serienproduktion sei nicht gedacht, aber vielleicht werde man ja ein einzelnes Show-Car produzieren.

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Axel Postinett, San Francisco
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Keywords:
Tesla | Elektromobiltität
Ressorts:
Markets

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