Der Energieriese Eon könnte die Mitgliedschaft im wichtigen Euro-Stoxx-50-Index verlieren – als Folge der geplanten Abspaltung seiner Kraftwerks- und Handelsparte unter dem Namen Uniper. "Spaltet Eon einen erheblichen Teil seines Geschäfts wie geplant in eine separate Aktiengesellschaft ab, wird der Konzern beim derzeitigen Kursniveau die Mitgliedschaft im Euro Stoxx 50 verlieren. Voraussichtlich wird dann der Aktienkurs in Mitleidenschaft gezogen", sagte Uwe Streich, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dem Wirtschaftsmagazin BIZZ energy today.

Eon steht beim entscheidenden Kriterium der Marktkapitalisierung in der jüngsten Auswertung des Index-Verwalters STOXX mit einem Wert von 19,2 Milliarden Euro auf Platz 50 und ist daher ein Wackelkandidat. Ab dem 61. Platz werden Unternehmen mit Sicherheit ausgeschlossen; bis Platz 60 können sie unter bestimmten Umständen im Index bleiben. Auf dem 61. Platz liegt im Augenblick ein Unternehmen mit zuletzt 13,3 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Die Marktkapitalisierung basiert auf dem "Free Float", also dem Anteil an Aktien, die nicht von großen, strategischen Investoren gehalten werden.

Anfang 2016 werden Eons Kern- und fossile Kraftwerke, die Exploration sowie die Handelssparte in einem neuen Unternehmen mit dem Namen Uniper gebündelt und sollen nach der Zustimmung der Aktionäre auf einer Hauptversammlung am 8. Juni 2016 in eine eigene Aktiengesellschaft überführt werden. Diese Anteile werden in den Monaten danach mehrheitlich an die Alt-Aktionäre von Eon ausgegeben, der Rest soll nach und nach verkauft werden. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest. Die Uniper-Sparten trugen in den ersten neun Monaten des Jahres gut ein Drittel zum gesamten Kassenzufluss ("operativer Cashflow") von Eon bei.
 
Sieben bis neun Prozent Kursverlust
 
Der Euro Stoxx 50 basiert auf 50 der größten Unternehmen der Eurozone. Zahlreiche Fondshändler und automatisierte Index-Fonds investieren ihre Gelder nur oder hauptsächlich in Mitgliedes des wichtigsten europäischen Index und müssen diese Anteile verkaufen, wenn ein Unternehmen aus dem Index fällt. Deshalb drohen Unternehmen durch den Abstieg ein starker Verfall des Aktienkurses. Laut Analyst Uwe Streich belaufen sich die Einbußen rund um die Herausnahme "im Schnitt auf sieben bis neun Prozent Kursverlust im Vergleich zum Gesamtmarkt", wobei ein Teil davon in der Regel in den nachfolgenden Monaten wieder aufgeholt werde.
 
Das nächste Mal wird im August kommenden Jahres regulär über die Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 entschieden. Sollte Eon bei der Marktkapitalisierung hinter Platz 74 rutschen, droht sogar vierteljährlich ein sogenannter Fast Exit, die schnelle Herausnahme aus dem Index.
 
Ein Eon-Sprecher wollte das drohende Szenario auf Anfrage von BIZZ energy today nicht im Detail kommentieren. Der genaue Terminplan für die Uniper-Aktienabgabe stehe noch nicht, zudem könnten viele Faktoren das Kursniveau beeinflussen. Generell sei es durch die Abspaltung von Uniper aber für Investoren möglich, ihr Geld fokussierter anzulegen. Dies könne sich positiv auf die Kurse von Uniper und Eon auswirken.
 
RWE, nach Eon die Nummer Zwei auf dem deutschen Energiemarkt, war Ende August aufgrund der gesunkenen Marktkapitalisierung aus dem Euro Stoxx 50 ausgeschlossen worden und rangiert inzwischen nicht einmal mehr unter den Top 100. In ganz Europa sind die großen Energiekonzerne aufgrund der Umbauten des Energiesystems in der Krise und leiden unter stark gefallenen Preisen für Strom aus konventionellen Kraftwerken.
(foto: eon)