Energiewende
30.01.2018

Eon: Solarstrom aus der Cloud

Foto: istocphoto/underworld111
Mit dem virtuellen Stromkonto sollen Kunden ihre Ökoenergie für den Winter ansparen können.

Der Stromkonzern bietet Privatkunden eine ganzjährige Solarstrom-Selbstversorgung ohne Speicher an. Damit wandelt sich Eon vom Versorger zum Strom-Kontoanbieter – ähnlich einer Bank.

 

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Es ist der nächste Vorstoß in eine neue Energie-Welt, in der die alten Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren: Der Essener Stromversorger Eon hat ein neues Angebot, bei dem Kunden selbst erzeugten Solarstrom direkt in eine Cloud einspeisen und erstmals auch ohne Batterie speichern können. Konkret führen die Kunden zu einem monatlichen Festpreis eine Art virtuelles Stromkonto, das mit ihrer Photovoltaik-Anlage verbunden ist. Im Sommer können sie ein virtuelles Stromguthaben für den Winter ansparen, um sich das gesamte Jahr über mit günstigem Ökostrom zu versorgen. "Wir haben kein Eigentum mehr an dem Produkt Strom, sondern führen nur das Konto für den Kunden", sagt ein Eon-Sprecher zu bizz energy. Dies unterscheide sich fundamental von der Energiewirtschaft der vergangenen 120 Jahre.

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Eon bietet seine Solarcloud bereits seit einem Jahr an, bisher aber nur als "Eon Aura" in Verbindung mit einem Speicher des Kooperationspartners Solarwatt, einem Dresdner Unternehmen. Bisher wird der Strom erst dann in die Cloud geladen, wenn der Speicher komplett voll ist. Mit dem neuen System können die Kunden sich den Speicher sparen und damit auch die Anschaffungs- und Installationskosten, wenngleich Eon die Batterie auch weiterhin anbietet. "Wir wollen es den Kunden so komfortabel wie möglich machen - ohne Restriktionen", erklärt der Eon-Sprecher. Diese sollen künftig ihre "ganz persönliche Energiewelt" gestalten können, zum Beispiel, indem sie auch ihre Wärmepumpe oder ihr Elektroauto im Winter mit dem angesparten Solarstrom speisen können. 

Eigener Bilanzkreis

Die Basisvariante bietet Eon in Verbindung mit einer PV-Anlage zum monatlichen Preis von 30,99 Euro an. Alle Solarcloud-Kunden sind in einem eigenen Bilanzkreis zusammengefasst. Das bedeutet vereinfacht, dass Eon genauso viel Ökostrom ins Netz einspeist, wie es entnimmt -  allerdings zeitversetzt. "Energiewirtschaftlich ist das eine Herausforderung", sagt der Sprecher. Wenn die eigene PV-Anlage im Winter nicht produziert, beziehen die Solarcloud-Kunden Ökostrom aus zertifizierten Quellen - etwa von Wasserkraft-Anlagen oder von gewerblichen Direktvermarktern, die im wesentlichen Windstrom liefern. "Unterm Strich erhöht das die Nachfrage nach erneuerbaren Energien", so der Sprecher. Bei seinem virtuellen Kraftwerk kann Eon die Menge des erzeugten Grünstroms je nach Bedarf steuern. Wenn die Solarcloud-Kunden mehr Strom verwenden, als in ihrem Monatspaket enthalten ist, beziehen sie weiteren Strom über ihren herkömmlichen Hausanschluss - mit zusätzlichen Kosten. 

Wettbewerber wie das Allgäuer Start-up Sonnen rüsten Privathaushalte ebenfalls mit PV-Anlagen und Batterien aus, die untereinander vernetzt sind und eine Art virtuelles Kraftwerk bilden. Sonnen hat auch ein Pilotprojekt gestartet, bei dem PV-Anlagenbesitzer den selbsterzeugten Strom per Blockchain-Technologie untereinander handeln können. Dann gibt es keinen Intermediär mehr, die Kunden handeln direkt miteinander. Dies sei in letzter Konsequenz auch für die Solarcloud denkbar, sagt der Eon-Sprecher: "Dann könnten Sie Ihren Strom an den Nachbarn verkaufen oder an gemeinnützige Einrichtungen spenden." Als nächste Ausbaustufe werde man jedoch zunächst den selbst erzeugten Ökostrom nicht nur zuhause, sondern auch im Urlaub an der Ostsee an einer Strom-Zapfsäule tanken können. Schon jetzt sei es hingegen möglich, dass beispielsweise Sohn oder Tochter den von ihren Eltern erzeugten Solarcloud-Strom in ihrer Wohngemeinschaft nutzen können.

Direktvermarktung nicht vorgesehen

Dass Solarcloud-Kunden überschüssigen Strom, den sie nicht selbst nutzen, über die Direktvermarktung verkaufen können, ist laut Eon bisher nicht vorgesehen. Für kleinere Anlagen sei dies ohnehin unwirtschaftlich. Für größere Anlagen hingegen könne dies eine Option für die Zukunft sein, so der Sprecher.

Eon wird die Solarcloud zunächst in Deutschland und Italien anbieten. Vom deutschen Markt mit momentan mehr als 1,6 Millionen PV-Anlagenbetreibern erwartet sich der Konzern ein großes Potenzial: Weitere 10 Millionen Dächer eigneten sich dafür, Solaranlagen zu installieren. Dabei greift Eon auch auf Daten seines Kooperationspartners Google zurück, mit dem es den Software-Service Sunroof gestartet hat. Damit lassen sich gratis - ausgehend von der Adresse - Leistung und Gewinn möglicher Solaranlagen errechnen.

 

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Jutta Maier
Keywords:
Energiewende | Eon | Photovoltaik | Stromspeicher | Cloud
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Es ist schon erstaunlich, wie naiv hier über diesen kleinen Marketing-Trick berichtet wird.
Der PV-Strom wird nicht gespeichert ("ähnlich einer Bank" ist völliger Quatsch). Der Kunde tritt seine EEG-Einspeisevergütung an E.ON ab und erhält dafür ein Guthaben. Der PV-Strom wird weiterhin vom Netzbetreiber abgenommen und im Spot- oder Intradayhandel vermarktet (es existiert ja kein Speicher). Nur dass E.ON dann die Einspeisevergütung kassiert und nicht mehr der Beseitzer der PV-Anlage. Das Guthaben (E.ON gibt es in kWh an, transparenter wäre es aber, wenn E.ON angeben würde, wieviel € Einspeisevergütung vom Netzbetreiber einkassiert wurden)wird dann beim Strombezug aus dem Netz abgeschmolzen, bevor zusätzliche kWh bezahlt werden müssen.

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