Die Düsseldorfer Eon und das Shah-Deniz-Konsortium unterzeichneten am gestrigen Donnerstag einen Liefervertrag über 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Shah-Deniz-Feld im Kaspischen Meer. Ab 2019 könnte das Gas für dann 25 Jahre fließen. 

Bei einem Jahresverbrauch in Deutschland von rund 100 Milliarden Kubikmeter handelt es sich zwar um eine relativ kleine Gasmenge, Christopher Delbrück, neuer CEO von Eon Global Commodities, ist mit dem Deal dennoch mehr als zufrieden.„Es ist ein geradezu bahnbrechender Vertrag, denn er sichert Europa über Jahrzehnte Gaslieferungen aus einer neuen Versorgungsregion zu Bedingungen, die den Verhältnissen auf den europäischen Märkten entsprechen.” 

Weitere Käufer der von den Förderkonzernen versprochenen 10 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Europa sind unter anderem Axpo in der Schweiz, DEPA in Griechenland und Italiens Enel. 

Hintergrund der Strategie europäischer Gaskonzerne: Seit Jahrzehnten ist der europäische Gasmarkt vor allem abhängig von den Lieferungen aus Russland. Mit neuen Pipelineverbindungen wie nach Aserbaitschan und dem zunehmenden Handel von Flüssiggas über die Weltmeere schwindet die Macht des russischen Gasriesen Gazprom zunehmend. Sowohl Eon als auch der Essener Konkurrent RWE erhöhen infolge des wachsenden Angebots den Druck auf die russische Ölpreisbindung.  

Im Frühjahr hatten sich die Förderkonzerne des Shah-Deniz-Konsortiums, darunter BP, Total und Statoil, als Transportweg für die Trans Adriatic Pipeline (TAP) nach Italien entschieden. Eon ist mit neun Prozent an TAP beteiligt, der Konkurrent aus Essen, RWE, hatte auf Nabucco-West und damit auf das falsche Pferd gesetzt. Die Pipeline wird nicht gebaut.

 

Gruppenbild der Förderer und der Käufer des Kaspischen Gases (BP)