Klimaziele
08.11.2018

Erdgasbranche fordert schnelleren Braunkohleausstieg

Foto: Creative Commons/ Possi88
Auch moderne Gaskraftwerke wie dieses von Trianel in Hamm-Uentrop sind nicht ausgelastet. Die Gasbranche will das ändern – durch Zurückdrängen der Braunkohleverstromung.

Braunkohlekraftwerke mit mehreren tausend Megawatt Leistung müssen nach Ansicht der Erdgasbranche zusätzlich stillgelegt werden. Dafür soll die Auslastung von Gas- und Steinkohlekraftwerken steigen.

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Die deutschen Gaskraftwerke waren zwischen Anfang 2017 und August 2018 im Schnitt nur zu 35 Prozent ausgelastet. Anlagen, die nur Strom und keine Wärme produzieren, sogar nur zu 23 Prozent. Dagegen erreichten Braunkohlekraftwerke eine Auslastung von 78 Prozent. Das geht aus neuen Berechnungen des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research hervor.

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An diesen Verhältnissen habe auch der zuletzt gestiegene Preis für CO2-Zertifikate nichts geändert, erklärte Aurora-Projektleiter Hanns Koenig Research am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zum deutschen Strommarkt. Grund sei, dass der Erdgaspreis ebenfalls stark zugelegt habe.

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Nach Ansicht der Brancheninitiative „Zukunft Erdgas“, die die Studie in Auftrag gegeben hat, muss die Auslastungsdiskrepanz als wesentlicher Punkt in der laufenden Kohleausstiegsdebatte berücksichtigt werden. Es gebe auf der Gasseite „freie Kapazitäten, die nicht genutzt werden“, sagte Zukunft-Erdgas-Geschäftsführer Timm Kehler. (Lesen Sie auch: Drohende Fahrverbote – Lobbyisten trommeln für Erdgas)

Unter Klimagesichtspunkten mache es einen Unterschied, ob man Braunkohle- oder Steinkohlekraftwerke zuerst abschalte. Aufbauend auf Zahlen des Umweltbundesamtes bezifferte Kehler die Emissionen bei der Erzeugung einer Kilowattstunde Strom aus Braunkohle auf 1.100 Gramm CO2. Der Vergleichswert der  Steinkohle liegt bei rund 850 Gramm, der von Erdgas bei rund 380 Gramm.

„Gravierende Fehlentwicklung“

Die Verdrängung der Gaskraftwerke beklagte insbesondere Norbert Breidenbach, Vorstandsmitglied des Energieversorgers Mainova. Das Unternehmen betreibt das Gaskraftwerkes Irsching nahe Ingolstadt. Das mit 60 Prozent Wirkungsgrad zu den modernsten Anlagen gehörende Kraftwerk stehe seit 2016 de facto still, sagte Breidenbach. Zwar befinde es sich in der Netzreserve, doch die daraus resultierenden Einnahmen seien nicht kostendeckend.

Als Ursache machte Breidenbach die derzeit gültige Einsatzreihenfolge (Merit-Order) aus, die die billigsten Stromerzeuger zuerst abrufe. „Das ist eine gravierende Fehlentwicklung. Die Verdrängung durch die Erneuerbaren hat dazu geführt, dass die Braunkohle rund um die Uhr läuft und Gaskraftwerke wie das in Irsching nicht ans Netz kommen“, sagte der Mainova-Manager. Bezüglich des CO2-Austoßes werde so „gar nichts erreicht.“

Drei Braunkohle-Szenarien

Aurora Energy Research entwickelt in seiner Studie drei Szenarien zu den Auswirkungen der Stilllegung von Braunkohlekapazitäten auf CO2-Emissionen und den Strommarkt:

Gehen – wie bereits beschlossen – 2.700 Megawatt Braunkohlekapazität in die Sicherheitsbereitschaft und bleibt es beim Atomausstieg und den gegenwärtigen Ausbauzielen für erneuerbare Energien, verharren die CO2-Emissionen des Stromsektors auf ihrem derzeitigen Niveau. Denn dann gehe der Einsatz von Gaskraftwerken weiter zurück, sagte Aurora-Experte Koenig.

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Keywords:
Braunkohle | Erdgas | Kohleausstieg | Klimaziele
Ressorts:
Governance | Markets

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