Klimaziele
08.11.2018

Erdgasbranche fordert schnelleren Braunkohleausstieg

Foto: Creative Commons/ Possi88
Auch moderne Gaskraftwerke wie dieses von Trianel in Hamm-Uentrop sind nicht ausgelastet. Die Gasbranche will das ändern – durch Zurückdrängen der Braunkohleverstromung.

Braunkohlekraftwerke mit mehreren tausend Megawatt Leistung müssen nach Ansicht der Erdgasbranche zusätzlich stillgelegt werden. Dafür soll die Auslastung von Gas- und Steinkohlekraftwerken steigen.

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In zwei weiteren Szenarien nimmt Aurora an, dass weitere 5.000 oder 9.000 Megawatt Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Das entspricht rund einem Viertel oder knapp der Hälfte der derzeit noch vorhandenen Kapazitäten. Weil dann insbesondere 1.000 bis 2.000 Megawatt Gaskraftkapazität wieder in den Markt eintreten und die Auslastung der Anlagen generell auf bis zu 45 Prozent steigt, sinken in den beiden Szenarien die CO2-Emissionen des Stromsektors bis zum Jahr 2023 um 30 Millionen oder 60 Millionen Tonnen.

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Die 60 Millionen Tonnen entsprächen dabei der bestehenden „Klimalücke“, die die Bundesrepublik noch zum Erreichen des Klimaziels von 2020 schließen müsse, sagte Zukunft-Erdgas-Chef Kehler. Die angestrebte CO2-Reduktion um 40 Prozent würde dann wenigstens im Jahr 2023 erreicht.

Aurora: Strompreis steigt ohnehin

Man dürfe jetzt nicht den Fehler begehen, den Blick starr auf das Jahr 2030 zu richten, argumentierte auch der ehemalige Dena- und heutige Aufsichtsratschef von Zukunft Erdgas, Stephan Kohler.

Selbst eine Stilllegung von 9.000 Megawatt Braunkohle wirkt sich im dritten Szenario nicht wesentlich auf den deutschen Strommarkt aus. Bis 2013 werde nur der Stromexport zurückgehen, und es werde sich eine „ausgeglichene Stromhandelsbilanz“ einstellen, sagte Koenig. Im ersten Szenario ohne vorzeitigen Braunkohleausstieg steige der Strompreis an der Börse ohnehin um drei Euro pro Megawattstunde. Bei Stilllegung zusätzlicher Braunkohlekraftwerke kämen dann zwei bis fünf Euro hinzu. „Das ist ein messbarer Effekt, es sind aber nicht die Horrorzahlen, die manche schon in den Raum geworfen haben“, so Koenig.

Nordstream II und LNG-Terminal

Auch bei einer Abschaltung vom 9.000 Megawatt Braunkohlekapazität sieht der Experte die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gefährdet. Die verbleibende Kraftwerksleistung liege dann immer noch über den 82 bis 84 Gigawatt, die die Bundesrepublik zur Deckung ihrer Spitzenlast benötige. Zu konkreten Schritten zu einer Stilllegung von Braunkohlekapazitäten hielten sich Kehler und Kohler auf Nachfrage von bizz energy zurück. Sie sprachen sich für marktwirtschaftliche Instrumente aus. Man bevorzuge dabei nicht die Einführung eines gesetzlichen CO2-Preises, sondern eher den Aufbau eines Kapazitätsmarktes.

Die Aurora-Studie benennt nach Aussage von Hanns Koenig nicht, welche Braunkohlekraftwerke in welchem Revier vom Netz gehen sollten. Dies müsse politisch und im Rahmen der Kohlekommission entschieden werden, sagte er.

Zur Beschaffung des nötigen Erdgases hält Kehler sowohl den Bau der Pipeline Nordstream II aus Russland als auch ein LNG-Terminal für nötig. Beide Projekte erhöhten die Versorgungssicherheit und hälfen, den nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa steigenden Gasbedarf zu decken. Kehler merkte an, auch Russland exportiere LNG (Flüssigerdgas). Welches Gas an einem möglichen deutschen LNG-Terminal angelandet werde, entscheide sich am Markt über den Preis.

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Jörg Staude
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Keywords:
Braunkohle | Erdgas | Kohleausstieg | Klimaziele
Ressorts:
Governance | Markets

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